LR Sebastian Schuschnig bringt frischen Wind

Landespolitik: Der frischgebackene Landesrat Sebastian Schuschnig eröffnet uns seine Visionen für die Standortattraktivierung Kärntens über eine innovative wirtschaftliche, touristische und mobile Zukunftsgestaltung.

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„Klimaschutz ist für mich die größte Verpflichtung unserer Generation.“ Sebastian Schuschnig, Landesrat Foto: Büro LR Schuschnig

Weekend: Sie sind ja erst seit etwas mehr als zwei Monaten in Amt und Würden. Was haben Sie sich für Ihre Amtszeit vorgenommen?
Sebastian Schuschnig: Ich habe für jeden meiner Tätigkeitsbereiche – Wirtschaft, Tourismus und Mobilität – einen Schwerpunkt definiert, um Herzensangelegenheiten umsetzen sowie bestehende sinnvolle Initiativen fortführen zu können. Konkret möchte ich in diesem Zusammenhang die Deregulierung und Entbürokratisierung der Wirtschaft, die qualitative Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs über den Mobilitätsplan „ÖV 2020 plus“, die Positionierung Kärntens als Radbundesland Nummer eins sowie den Aufbau einer nebensaisontauglichen Infrastruktur im Tourismus erwähnen.

Weekend: Unter anderem ist es Ihnen ein Anliegen, Kärnten unternehmensfreundlicher zu machen, wofür 300 Vorschläge von Unternehmern aus den Bezirken gesammelt wurden. Können Sie schon bestimmte Maßnahmen nennen, die daraus erwachsen werden?
Sebastian Schuschnig: In einem ersten Schritt wurde soeben die Kärntner Wirtschaftsombudsstelle eingerichtet, die zu einer Partnerschaft zwischen Verwaltung und Unternehmern beitragen soll. Ziel dabei ist es, wirtschaftshemmende Regulative abzubauen und Unternehmer bei der Kommunikation mit den Verwaltungsbehörden sowie der Abwicklung der damit einhergehenden Aufgaben zu unterstützen, da ein unternehmensfreundliches Umfeld die beste Wirtschaftsförderung ist.

Weekend: Außerdem nehmen Sie bis zum Jahr 2023 fünf Millionen Euro in die Hand, um Projekte zur Verbesserung der Freizeitinfrastruktur und Belebung der Nebensaison zu fördern. Welche Vorhaben sollen mit Ihrem jährlichen Fördercall subventioniert werden?
Sebastian Schuschnig: Ich versuche mich diesbezüglich mit Vorschlägen zurückzuhalten, da ich nicht den Eindruck erwecken möchte, dass es sich hier um eine politische Förderung handelt. Es wurde daher auch bewusst eine Expertenjury eingesetzt, die eingereichte Projekte ausschließlich auf Basis fachlicher Kriterien bewertet. Ausländische Leuchtturmprojekte, die mir persönlich jedoch sehr gut gefallen, sind der sensationelle Radweg „Garda by Bike“ und die „Messner Mountain Museen“. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch zu erwähnen, dass wir auf Qualität statt Quantität setzen und ca. zwei bis vier große Projekte pro Jahr, diese aber besonders effizient unterstützen werden.

Weekend: Sie wollen Kärnten zu einem Rad-Vorzeigeland machen. Wie ist es in diesem Zusammenhang um den Radmasterplan bestellt?
Sebastian Schuschnig: Ich arbeite gemeinsam mit Martin Gruber an dessen Umsetzung und Weiterentwicklung. Damit kommen wir auch einem Bedürfnis unserer Gäste nach, für die das Radfahren bereits zur drittliebsten Freizeitbeschäftigung zählt. Im Detail gilt es Lücken im Radwegenetz zu schließen und sämtliche Interessensgruppen in die weitere Vorgehensweise einzubinden. Außerdem halten wir einen Ideenwettbewerb ab, im Zuge dessen alle Radfahrer in Kärnten ihre Verbesserungsvorschläge einbringen können, die ihre Berücksichtigung im Radmasterplan finden werden. Unter allen Teilnehmern wird unter anderem ein E-Bike des Kärntner Herstellers Bärenbikes verlost.

Weekend: Sie haben unlängst eine grenzüberschreitende Radbusstrecke von Lavamünd nach Velenje eröffnet. Was dürfen Radliebhaber von diesem neuen Angebot erwarten?
Sebastian Schuschnig: Die Möglichkeit, von Kärnten aus drei Länder mit dem Fahrrad erkunden zu können, ist für mich ein genereller USP unseres Bundeslandes. Mit dem Radbus in Lavamünd können wir nahezu das gesamte Lavanttal bis hinunter ins slowenische Velenje erschließen. Dadurch erhöht sich die Mobilitätsinfrastruktur für den Radfahrer ungemein und es kommt auch zu einem Abbau bestehender Barrieren.

Weekend: Wurden auch Beherbergungsbetriebe entlang der Strecke in das Konzept eingebunden bzw. unterstützende Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Radverleih) gesetzt?
Sebastian Schuschnig: Das Angebot ist aktuell für Tagestouristen ausgelegt. Sollte es gut angenommen werden, wird sich dies sicherlich positiv auf die Investitionsmotivation der ansässigen Betriebe auswirken. Ich möchte diesbezüglich außerdem darauf hinweisen, dass es in Kärnten keine einzige Tourismusregion gibt, die keinen E-Bike-Verleih anbietet.

Weekend: Nahezu zeitgleich zu der Projektpräsentation fand eine Demonstration LKW-geplagter Bürger in Lavamünd statt. Wäre es nicht auch im Sinne eines nachhaltigen (Rad-)Tourismus an der Zeit, der Verkehrslawine, z.B. über Durchfahrverbote, entgegenzuwirken?
Sebastian Schuschnig: Fahrverbote sind für die Lösung dieses Problems nicht zielführend, da keine adäquaten Ausweichrouten vorhanden sind. Wir nehmen die Beschwerden der Bürger jedoch sehr ernst und werden erste Maßnahmen zu deren Linderung ergreifen. Im Detail handelt es sich dabei um die Beseitigung der Engstelle im Ortsgebiet und die Umsetzung einer Spange zur Verkehrsentlastung. Langfristig müssen wir jedoch zunächst abwarten, ob die neue vierspurige slowenische Autobahn über Bleiburg oder Lavamünd verlaufen wird.

Weekend: Das Radprojekt in Lavamünd wird gemeinsam mit Slowenien umgesetzt, der Mölltaler Gletscher wurde mit den Tatry Mountain Resorts von einem slowakischen Investor übernommen: Sind internationale Kooperationen die Zukunft in Kärntens Tourismus?
Sebastian Schuschnig: Sie sind zumindest in einigen Bereichen die Gegenwart. Ich sehe diese Entwicklungen jedoch wertneutral. Mir als Tourismus- und Wirtschaftsreferent ist jeder seriöse Investor herzlich willkommen. Die Tatry Mountain Resorts haben bereits mehrere beachtliche internationale Projekte realisiert. Es geht daher nicht um einen Ausverkauf, sondern um ein Aussenden positiver Signale an in- wie an ausländische Investoren, da Investitionen zu Arbeitsplätzen und Wertschöpfung führen. Außerdem wirken sie sich positiv auf die Nebensaisonen aus, was in weiterer Folge zu einer Behebung des Fachkräftemangels beitragen kann, da die Tourismusbetriebe ihren Mitarbeitern eine ganzjährige Anstellung bieten können. In Oberkärnten herrscht diesbezüglich ein besonders hoher Investitionsbedarf.

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Sebastian Schuschnig ist der jüngste Landesrat in der Geschichte der ÖVP-Kärnten und möchte das Bundesland mit zukunftsträchtigen Initiativen voranbringen Foto: Büro LR Schuschnig
Weekend: Sie gehören, so wie auch Sebastian Kurz, zu den Anhängern der Wasserstoffmobilität. Worin bestehen Ihrer Meinung nach deren Vorteile gegenüber der E-Mobilität?
Sebastian Schuschnig: Hier gilt es zunächst festzuhalten, dass es auch in Zukunft immer einen Mix aus unterschiedlichen Technologien geben wird. Die Vorteile des Wasserstoffs liegen jedoch in der größeren Reichweite, der höheren Temperaturstabilität, dem schnelleren Ladevorgang und der Möglichkeit, ihn grün sowie mit Wertschöpfung aus heimischen Ressourcen in Kärnten zu erzeugen. Zudem kann ich die bei seiner Produktion entstehende Abwärme für die Regionalwärme nutzen, scheide weder bei seiner Herstellung noch bei seinem Verbrauch Emissionen aus und benötige weit weniger Rohstoffe als für einen Akkubetrieb. Daher sind wir auch mit Vertretern großer nationaler Unternehmen am 23. Juli zum ersten Kärntner Wasserstoffgipfel zusammengekommen, um über Fragen der Betankungsinfrastruktur oder etwaige Testregionen zu sprechen.

Weekend: Was entgegnen Sie Kritikern wie etwa Greenpeace, die der Wasserstofftechnologie eine negative Energiebilanz attestieren, da für die Wasserstofferzeugung unverhältnismäßig viel Energie aufgewendet werden müsse und diese zudem zumeist aus fossilen Brennstoffen wie Erdgas gewonnen würde?
Sebastian Schuschnig: Diese Kritik trifft auf die Vorhaben in Kärnten nicht zu, da sie sich auf schwarzen (aus fossilen Brennstoffen erzeugten) oder pinken (aus Atomstrom erzeugten) Wasserstoff bezieht. Wir setzen jedoch ausschließlich auf grünen Wasserstoff, der z.B. mit Wasserkraft hergestellt wird, was uns auch eine vielseitige Verwertung der bis dato ungenutzten nächtlichen Stromspitzen erlaubt. Außerdem kann ich den Wasserstoff auch direkt an der Tankstelle, etwa über Solarpanele auf dem Dach der Anlage, produzieren, wodurch sich die komplette Produktionskette und der gesamte Wertschöpfungskreislauf regional gestalten. Ich werde daher keine Projekte unterstützen, die nicht grünen Wasserstoff zum Gegenstand haben.

Weekend: Die Kosten für eine „Defossilisierung“ des Transportsektors wurden von Experten für Deutschland auf 300 bis 1700 Milliarden Euro geschätzt. Können Sie diesbezüglich Prognosen hinsichtlich des bevorstehenden Investitionsbedarfs für Österreich treffen?
Sebastian Schuschnig: Offen gesagt, nein. Das wäre jedoch auch unseriös. Wir müssen uns jedoch im Klaren darüber sein, dass wir im Rahmen unserer budgetären Möglichkeiten umweltpolitische Maßnahmen setzen müssen, um unserer ökologischen Verantwortung für die Zukunft gerecht zu werden. Jedoch immer mit dem Fokus auf eine budgetäre Nachhaltigkeit, um den kommenden Generationen keinen Schuldenberg zu hinterlassen. Ein Mittel dafür ist die Investition in den qualitätsvollen Ausbau des Öffentlichen Verkehrssystems, das auch einen wichtigen Standortfaktor bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte darstellt und für die Mobilität der immer seltener mit dem PKW anreisenden Gäste von entscheidender Bedeutung ist. Dazu gehören auch ein gut ausgebautes Regionalbussystem und innovative Mikro-ÖV-Lösungen.

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