Krieg im Büro

Mit unseren lieben Arbeitskollegen verbringen wir bei einer 40-Stunden-Woche rund 2.000 Stunden im Jahr. Das birgt viel Potenzial für Streitigkeiten und Reibereien.

brüo-streit.jpg
Im Büro kommt es gerne zu Streitereien Foto: BartekSzewczyk/iStock/Thinkstock

In einem Büro kommen Menschen mit den verschiedensten Eigenheiten unter einem Dach zusammen, die sich in freier Wildbahn vielleicht nicht begegnen würden. Meinungsverschiedenheiten und Zicken-Kriege sind da vorprogrammiert. Die goldene Regel für ein ­gutes Betriebsklima lautet: Was du nicht willst das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu! Aber oft ist das einfacher gesagt als getan.

Grund zur Eskalation

In klassischen Großraumbüros wird der Platz schnell knapp und in stressigen Zeiten kann diese Nähe schnell zu Konflikten führen. Laute ­Privatgespräche, unterschiedliche Bedürfnisse bei der Raumtemperatur, leere Kaffeemaschinen und verdreckte Küchen sorgen dann schnell für Ärger. Bei einer karriere.at-Umfrage mit rund 600 Befragten gab jeder ­vierte Arbeitnehmer an, dass Meinungsverschiedenheiten an der Tagesordnung stehen. Ebenso viele berichten von Konflikten im Team, die jedoch ausdiskutiert werden. 24 Prozent der Befragten halten sich von Auseinandersetzungen fern. Ohne Konflikte ist das Verhältnis zu den Kollegen nur bei einem Viertel der Befragten. Sollte es aber mal zu Reibereien kommen, rät Psychotherapeut Florian Kwauka dazu, Ruhe zu bewahren: "Sprechen Sie das Problem direkt und im besten Fall unter vier Augen an. Hier hilft es, wenn man ­demjenigen nicht nur Fehler vorhält, sondern erklärt, was dieses Verhalten bei einem selbst auslöst."

Konflikte lösen

Im Gespräch mit dem "Konflikt- Kollegen" sollte man Worte wie "immer" und "nie" vermeiden. So schwer es klingt: Es führt eher zum Ziel, sich in den anderen hinein zu ­versetzen. Den Kollegen und seine Motive zu verstehen ist nie verkehrt.

Wenn zwei sich streiten

Sollte der Versuch, den Konflikt in einem direkten Gespräch zu klären, misslingen oder auf Unverständnis stoßen, kann es hilfreich sein, das Anliegen dem Chef ­vorzutragen. Dazu aber den Kollegen unbedingt ­mitnehmen. Sollte sich der Konflikt nicht anders lösen lassen, muss der Vorgesetzte Führungsstärke beweisen und eine klare Entscheidung treffen. Chefs können Streitigkeiten vorbeugen, indem sie genügend Freiräume im Büro schaffen und regel­mäßige Teambuilding-Events organisieren.

Kampfzone: Küche

Szenario: Anna hat einen Meeting-Marathon hinter sich und freut sich schon auf einen Kaffee. Als sie in die Küche kommt, steht schmutziges Geschirr vom Mittagessen herum. Außerdem ist kein Wasser in der Kaffeemaschine, und jemand hat sich an Annas Milch im Kühlschrank bedient. Am liebsten würde sie ein wütendes Mail an alle ihre ­Kollegen schreiben und ihrem Frust freien Lauf lassen!

Was steckt dahinter: TEAM – Toll, ein anderer macht’s. Tatsächlich bedeutet Team-Arbeit zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu helfen. Ertappt man einen Kollegen auf frischer Tat, kann man ihn auf seinen Fehler aufmerksam machen. Ein wütender Rundumschlag bringt aber nichts – wer würde seinen Fehler so zugeben?

Kampfzone: Temperatur

Szenario: Markus ist kein großer Fan von Klimaanlagen oder Heizungen. Darum reißt er auch regelmäßig alle Fenster auf, um Stoß zu lüften. Markus teilt sich sein Büro allerdings mit Lisa und Stefan, die davon nicht wirklich begeistert sind. Sobald Markus seinen Platz verlässt, schließen die beiden die Fenster und schalten Klimaanlage oder Heizung ein.

Was steckt dahinter: Markus hat eine sehr gefestigte Meinung, was das Raumklima betrifft. Er muss aber auf seine KollegInnen Rücksicht nehmen. Lisa und Stefan sollten ihre Unzufriedenheit direkt ansprechen. Wichtig wäre dabei, dass sich die beiden nicht gemeinsam gegen ihn stellen, sondern jeweils ihre eigene Meinung vertreten.

Kampfzone: Lärm

Szenario: Claudia und Roland besuchen sich ab und zu in ihren Büros. Ihren Tischnachbarn gefällt das gar nicht, denn die beiden besprechen hauptsächlich Privates. Theresa stört das nicht, denn ihr Radio ist so laut, dass sie Claudias und Rolands Gespräche gar nicht hört. Benedikt sitzt genau in der Mitte und kann sich nicht konzentrieren.

Was steckt dahinter: Ein Beispiel für "Jeder macht was er möchte". Claudia und Roland sollten sich einen neutralen Ort für ihre Gespräche suchen. Theresa sollte entweder Kopfhörer verwenden, obwohl das in einem Großraumbüro auch unhöflich wirken kann, oder einfach leiser schalten.

Mehr zum Thema: