Kommentar: Wie eine kleine Trotzreaktion

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Foto: Montage Chris Zenz

Durch den Aufruf zur vorgezogenen Landtagswahl bekam die SPÖ Steiermark zweifellos ein wenig Rückenwind – als laues Lüftchen zwar, aber immerhin. Während auf Bundesebene die SPÖ nicht groß von sich reden macht, war Michael Schickhofer mit seiner steirischen Partei dank des vorzeitigen Koalitionsendes eigentlich gar nicht so schlecht unterwegs – denn die vorgezogene Landtagswahl fand bei weitem nicht überall Anklang. Schnell wurde aber deutlich: Auch Michael Schickhofer ist mit dem Beschluss der ÖVP alles andere als einverstanden.
Dann eben nicht. Anstatt den Missmut der Bevölkerung über die Neuwahl zu ihren Gunsten zu nutzen, reagiert die SPÖ allerdings – gelinde gesagt – ein wenig trotzig: „Ihr wollt die Koalition verfrüht beenden? Dann will ich kein gemeinsames Projekt mehr. Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt.“ Oder wie soll man es sonst verstehen, dass ein bereits von der SPÖ-ÖVP-Regierung beschlossenes Spital nun plötzlich doch nicht – oder vielleicht ganz wo anders – gebaut werden soll? Nun wird Wahlkampf zwar immer wieder auf Kosten der Bevölkerung ausgetragen – seien es plötzliche Pensionserhöhungen, die der Steuerzahler finanzieren muss, oder plakative Abschiebungsbeschlüsse, bei denen Flüchtlingsfamilien möglicherweise etwas vorschnell des Landes verwiesen werden. Einer Region jedoch das Leitspital zu verwehren, wo doch jeder weiß, dass gerade am Land das Gesundheitssystem nicht ganz so ausgewogen ist (Stichwort Ärztemangel), ist aber nun wirklich etwas – wie soll man sagen: verwegen. Die Bevölkerung hätte das Spital der Umfrage zufolge ohnehin nicht haben wollen, begründet Schickhofer den plötzlichen Sinneswandel. Ob sie einen trotzigen Politiker wollen, ist eine andere Frage.

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