Kommentar: Wenn eine Regierung prahlt: die besten Corona-Fighter weltweit!

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Foto: Montage Chris Zenz

Wir Österreicher sind eine traumatisierte Nation. Ja, von der Nazizeit auch. Aber ich meine den Größenverlust nach dem 1. Weltkrieg, das Zusammenschrumpfen auf die schiere weltpolitische Bedeutungslosigkeit. Diesen Schock haben wir anscheinend bis heute nicht überwunden. In der Zwischenkriegszeit war man dann ohnehin davon überzeugt, dass der amputierte Zwergenstaat nicht überlebensfähig sei. Wie das ganze geendet hat, ist hinlänglich bekannt. Wir wurden zum „ersten Opfer“ Nazideutschlands.

Nach 1945 ist es uns dann einigermaßen gelungen, mit unserer Kleinheit zurechtzukommen. Gelegentlich schafften wir es sogar, weltpolitisch aufzufallen. Man denke an Kurt Waldheim oder Cordoba. Der Minderwertigkeitskomplex blieb. Vor allem gegenüber dem großen Nachbarn Deutschland.

Vielleicht ist es dieser Minderwertigkeitskomplex, der uns dauernd und mit unsympathischer Penetranz, unsere Leistungen in den Vordergrund stellen lässt. Vielleicht ist es dieses Wissen um die eigene Bedeutungslosigkeit, warum wir so sehr nach Aufmerksamkeit gieren. Es macht uns unendlich stolz, wenn die BILD Zeitung, die wir ansonsten als mieses Boulevardblatt brandmarken, über unseren Kanzler schreibt: „So einen bräuchte Deutschland auch“. Dabei macht das die BILD nicht, weil sie tatsächlich an die Unfehlbarkeit unseres Kanzlers glaubt, sondern einzig und allein, um Angela Merkel eine reinzuwürgen.

Auch in der Corona-Krise ist unsere Brust vor Stolz geschwellt. Sebastian Kurz und mittlerweile auch Werner Kogler lassen keine Pressekonferenz aus, um uns und der Welt klarzumachen, dass wir die besten Corona-Fighter worldwide sind, während andere Nationen kläglich versagen. Irgendwie ist das so ein wenig Chuck Norris-Style. Das Ischgl-Desaster und das damit einhergehende politische Versagen lässt man großzügig unter den Tisch fallen.

Dabei ist noch gar nicht klar, ob wir tatsächlich besser aus der Krise hervorgehen als andere. Das wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Noch ist es nicht mehr als selbstgefällige Prahlerei. Schließlich gibt es auch Experten, die den völligen Shutdown sowohl aus gesundheits- als auch aus wirtschaftspolitischer Sicht zumindest als diskutabel bezeichnen. Das will man aber nicht hören. Wer hinterfragt ist nämlich ein Nestbeschmutzer, ein Querulant, einer, der immer gegen alles sein muss. In einer solchen Krise gibt es nämlich nur eine Wahrheit und die wird bei der Pressekonferenz verkündet – die Verkündigung sozusagen.

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