Kommentar: Vom Anpatzen und Reingrätschen

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Foto: Montage Chris Zenz

Im Angesicht des Ibiza-Ausflugs erscheint jede politische Verfehlung lächerlich. Das sieht man offensichtlich auch in der ÖVP so. Eine „kleine“ Parteispendenaffäre kann den Siegeszug der Jungspunde wohl kaum stoppen. Ist ja eh alles gesetzeskonform, sagt Karl Nehammer und verwehrt sich einmal mehr gegen das Anpatzen seines Spitzenkandidaten. Und tatsächlich: man kann und darf entspannt sein. Die persönlichen Werte von Sebastian Kurz sind nach wie vor herausragend und degradieren die restlichen Parteiführer zu Statisten. Manchmal beschleicht einen aber doch das Gefühl, als ob das „Sturmreif-Schießen“ von Medien und Mitbewerbern allmählich Wirkung zeigt. Noch planiert die Strahlkraft von Sebastian Kurz alle Untiefen, durch die seine Partei immer wieder zu segeln hat. Ein wenig verblassen aber die Farben des von den Strategen schön gemalten Bildes. Bei den Bürgern macht sich mehr und mehr das Gefühl breit, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt.

Plaudertasche

Währenddessen patzt sich die SPÖ weiterhin munter selbst an. Kaum übt sich der burgenländische Landeshauptmann Doskozil in Zurückhaltung, übernimmt Christian Kern dessen Rolle als enfant terrible bereitwillig. Der Altkanzler denkt nicht daran, sich an das eherne Gesetz zu halten, wonach man nach Ausscheiden aus der Politik gefälligst öffentlich den Mund zu halten hat. Genussvoll grätscht er in Rendi-Wagner rein und verschärft die Krise der Sozialdemokraten. Ein Franz Vranitzky, der im Gegensatz zu Kern tatsächlich Wahlen gewonnen hat, hätte sich zu Aussagen wie „Hoch gewinnt die SPÖ das nimmer“ sicher nie hinreißen lassen. So lange die SPÖ diesen Selbstzerstörungstrieb fortsetzt, kann sich Sebastian Kurz zurücklehnen und gelassen in den Herbst blicken.

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