Kommentar: Unverhofft kommt nicht allzu oft – große Zeiten für das Grazer Eishockey

Nach Jahren der Entbehrungen und der Schmach hat man als Grazer Eishockeyfan endlich Grund zum Lachen. Den 99ers gelang mit dem Sieg über die Black Wings Linz Historisches.

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Der schwedische Hammer: Robin Weihager war mit zwei Toren der Held im sechsten Viertelfinale gegen Linz. Foto: GEPA Pictures
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Grazer Jubeltraube: Erstmals in ihrer Geschichten konnten die 99ers einen Sieg in einer Play-off-Serie feiern. Foto: GEPA Pictures

Es muss irgendwann Anfang der 90er-Jahre gewesen – da ist er passiert: Der Erstkontakt mit der aus subjektiver Sicht faszinierendsten Sportart überhaupt. Vom späteren Firmpaten wurde man seinerzeit in den damals noch seinen Namen verdienenden „Bunker“ zu Liebenau zum Eishockey mitgenommen. Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Mit nicht einmal zehn Jahren ist man in eine Welt eingetaucht, die man so bisher nicht gekannt hat. Die auf dem mit aller Ehrfurcht übernommenen Ticket ausgewiesenen Plätze waren eher Empfehlungen – tatsächlich hat man sich einfach dort hingestellt, wo noch Platz war. Ein Besuch in der Eishalle war damals ein Erlebnis. 5.000 Fans oder noch mehr, sorgten für eine bis dato nie mehr wieder erlebte Atmosphäre. Als Knirps war man natürlich besonders fasziniert von den Fangesängen. Richtig baff war man vor allem darüber, dass das eiserne Gesetz der Frau Mama, nach Möglichkeit keine Schimpfworte zu benutzen, mit dem Eintritt in dieses ehrwürdige Gemäuer offenbar seine Gültigkeit verlor. Gefühlt ist mit jedem neu erlernten Schlachtruf das Ansehen am folgenden Tag im Schulhof gestiegen – Choräle wie „Wir standen vor dem Liebenauer Stadion und hatten die Wut im Bauch …“ haben sich tief ins Gedächtnis eingebrannt. Das „Kennenlernen“ mit dem nunmehrigen Lieblingssport fiel in die große Zeit der Grazer Elefanten. Spieler wie Don Nachbaur, Wayne Groulx oder Robin Doyle sorgen bei wohl jedem steirischen Eishockeyfan noch heute für Gänsehaut. Und natürlich waren die Rückennummer 42, 9 und 7 auch bei den eigenen, relativ überschaubaren Versuchen der Ausübung dieses Sports mit Freunden auf den Teichen im Grazer Umland, die begehrtesten – nur bei der Nachahmung der einen oder anderen „Tanzeinlage“, die natürlich mit einem theatralischen Fallenlassen der Handschuhe eingeläutet wurden, fanden unsere Eltern, dass es dann doch reichen würde.

So schnell die Liebe zum Eishockey entbrannt ist, so schwierig war es in Folge, diese Flamme am Lodern zu halten. Als schlichtweg zu unfähig entpuppten sich die Personen an den Schalthebeln der diversen Grazer Vereine. Erst als die 99ers die Bühne betraten, zog auch wieder so etwas wie Kontinuität in Liebenau ein – die Zeit als gefühlt jedes Jahr ein neuer Verein in Graz das Licht der Welt erblickte, war endlich vorbei. Freilich, diese Kontinuität machte sich primär einmal in einer chronischen Erfolgslosigkeit bemerkbar. Auf große Worte vor dem Saisonbeginn folgte schnell die große Ernüchterung mit der einen oder anderen Ausbaustufe bei fortschreitender Saison. Es war egal, für welchen Weg man sich im Management gerade entschied, es war garantiert der falsche. Und so sicher das vorzeitige Aus in der Saison kam, so schnell hatte man auch eine neue Strategie bei der Hand – welche meist mit einem nahezu kompletten Austausch der Mannschaft, samt Installierung eines neuen Trainer und/oder Sportdirektors einher ging.

Doch dann machten die 99ers im vergangenen Frühjahr etwas, was gegen alle Mechanismen im Profisport und vor allem gegen ihre eigene Vergangenheit war. Obwohl die Vorsaison nach einer katastrophalen Qualirunde auf dem letzten Platz beendet wurde, hielt man an Headcoach Doug Mason fest, der Umbruch sollte diesmal „nur“ auf der Spielerseite geschehen. Mit viel Gespür und der nötigen Portion Glück zimmerte der Kanadier schnell eine echte Mannschaft. Unglaublich rasch ist es ihm gelungen, aus einer mit begnadeten aber mitunter ziemlich exzentrischen Spielern gespickten Truppe, eine homogene Einheit zu formen. Quasi vom ersten Saisonbully weg, hatte man den Eindruck, dass in dieser Mannschaft der eine für den anderen durchs Feuer gehen würde. Alle Neuzugänge haben eingeschlagen, von den „alten“ Spielern blühten einige auf anfangs ungewohnten Positionen neu auf (Kapitän Oliver Setzinger), während andere zeigten, dass die Grundingredienz für einen erfolgreichen Eishockeyspieler das Vertrauen seines Trainers ist (Daniel Oberkofler). Und wer nicht mitgezogen ist, wurde schnell aussortiert (siehe Andre Lakos).

Der Halbfinaleinzug gegen den KAC ist der vorläufige Höhepunkt einer Saison, von der man als Grazer Eishockeyfan nicht einmal mehr zu träumen wagte – erstmals überhaupt hat man eine Playoff-Runde überstanden. Es wäre ja geradezu kitschig, wenn dieser Traum ausgerechnet gegen die Klagenfurter in seine Verlängerung gehen würde.