Kommentar: Sigrid Maurer, der Regierungsschreck

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Foto: Montage Chris Zenz

Für so manchen Türkisen ist die grüne Sigrid Maurer ein rotes Tuch. Ihr vor sich hergetragener Feminismus und ihre betont linke Positionierung jagen konservativen Bürgern den sprichwörtlichen Schauer über den Rücken. Nicht falsch verstehen: Da sprechen wir nicht von den Hardcore-FPÖ-Wählern, die traditionell eher das Trennende vor das Verbindende stellen und mit der Person Sigrid Maurer nichts anderes als den Untergang des Abendlandes assoziieren. Nein, wir reden vom klassischen ÖVP-Wähler. Werner Kogler hat also die gebürtige Tirolerin, die vor allem durch die sogenannte Stinkefinger-Affäre und durch einen Rechtsstreit mit einem zweifelhaften Gastronomen Berühmtheit erlangte, zur geschäftsführenden Klubobfrau gemacht. Nun, viele werden jetzt froh sein, dass Maurer nicht, wie befürchtet, das Innenministerium, das seit eh und je scharfmachenden Männern zusteht, buchstäblich „entweiht“. Puh, durchatmen. Aber nur kurz.

Gefährliche Strategie

Warum macht das der Kogler, den wir gerade als gemäßigten Grünen liebgewonnen haben? Aus zwei Gründen. Einerseits hat Sigrid Maurer als eine der wenigen so etwas wie parlamentarische Erfahrung, was für die Grünen Gold wert sein kann. Zum anderen befriedigt er damit das linke explosive Protestgemisch, das eine mögliche Koalition mit den Türkisen entrüstet mit Wattebäuschen torpedieren könnte. Die Gefahr dieser Personalie ist evident. Sollte die mittlerweile von der Mehrheit der Österreicher bevorzugte Koalition tatsächlich kommen, wird Maurer nach dem Vorbild Jörg Haiders, aber auch Herbert Kickls Oppositionspolitik innerhalb der Regierung machen. Das bringt zwar den erwünschten Applaus von links, hat aber enorme Sprengkraft. Stabilität schaut anders aus.

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