Kommentar: Scherben bringen Wahlsieg

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Foto: Montage Chris Zenz

Im Jänner 2017 titelte das Handelsblatt „Der talentierte Mr. Kurz“ und beschrieb den damaligen Außenminister als einen ausschließlich auf sich selbst bezogenen Politiker mit ausgeprägtem Gespür für Populismus. Nun, das Handelsblatt stand mit seiner Kritik damals ziemlich alleine. Denn vor allem die Boulevard-Medien hatten den jungen Sebastian Kurz längst als „Rising Star“ entdeckt. In der Folge wurde er durch praktisch alle deutschen Talkshows gejagt und erklärte uns in epischer Breite seine Sicht auf die Welt. Die Übernahme der Volkspartei und in weiterer Folge das Kanzleramt waren mehr logische Folge als Überraschung. Nichts schien Sebastian Kurz bremsen zu können.

Kühles Kalkül

Und dann kam die Koalition mit der FPÖ. Nachdem die erste Verliebtheit verflogen war, traten schneller als erwartet Risse zu Tage. Die sogenannten rechten „Einzelfälle“ des Koalitionspartners begannen in rasantem Tempo seriell aufzutreten. Man merkte dem Kanzler mehr und mehr an, dass er genervt war und, dass ihn die Niederungen der Innenpolitik und deren unappetitliche Auswüchse eigentlich nicht wirklich interessierten. Kurz sah sich vielmehr als eine Art Weltreisender, der die frohe Botschaft vom harmonischen österreichischen Weg in illustren Zirkeln zum Besten gibt. Neben seiner gewinnenden frischen Art hat Kurz noch eine zweite herausragende Eigenschaft, nämlich ein gutes Gespür für das viel zitierte Momentum. So forderte er nach Bekanntwerden des Ibiza-Videos den Kopf des ungeliebten Innenministers im Wissen, dass die FPÖ zu diesem Opfer nicht bereit sein würde. Die Folge: Neuwahlen! Das Kalkül ist klar. Kurz präsentiert sich einmal mehr als Retter der Nation und erwartet im Herbst einen klaren Wahlsieg. What else?

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