Kommentar: Ohne Boulevard kein Kanzler

„Unser Platz als Zeitungsmacher ist im Vorhof der Macht.“ So beschrieb Hans Dichand einst die Rolle der Kronen Zeitung im österreichischen Machtgefüge.

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Foto: Montage Chris Zenz

Dieses Understatement war natürlich eine glatte Lüge. Die Krone, die mit Abstand meist gelesene Tageszeitung Österreichs, hat immer schon Politik gemacht, hat immer schon politische Sterne aufgehen und wieder verglühen lassen. Auch wenn sich am harten Boulevard-Pflaster seit geraumer Zeit mit „Österreich“ und Heute“ noch andere tummeln, so hat die Kronen Zeitung immer noch den größten Einfluss. Letztlich ist auch Christian Kern an der Unerbittlichkeit des Boulevards gescheitert.

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Foto: SPÖ Bundesgeschäftsstelle/ Astrid Knie

Das sollte seiner Nachfolgerin Pamela Rendi-Wagner klar sein. Schöne Reden und perfekt formulierte Programme sind eine gute Sache. Wenn es Rendi-Wagner aber nicht gelingt, mit dem Boulevard, insbesondere mit der Krone, Frieden zu schließen, wird sie ebenso scheitern wie Kern. Denn ein Kampf gegen die medialen Alphatiere Dichand und Fellner ist nicht zu gewinnen. Das musste selbst ein Wolfgang Schüssel am Höhepunkt seiner Macht schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Dazu kommt, dass die letzte rote Bastion, der ORF, in abesehbarer Zeit auf Regierungslinie umschwenken wird. Was bleibt dann noch, um seine Themen durchzubringen? Falter und Standard? Ein Blick auf deren Leserzahlen genügt, um zu wissen, dass man damit nicht mehrheitsfähig wird. Der Weg zurück ins Kanzleramt ist für die SPÖ ohnehin steinig, ohne boulevardeske Kommunikationsstrategie ist er voller Schlaglöcher.

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