Kommentar: Mit meinen Gedanken

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Foto: Montage/Chris Zenz

So manch einer mag mich paranoid nennen, aber die Entwicklungen unserer Zeit sind doch mehr als spookey. Der Social-Media-Riese Facebook hat beispielsweise gerade ein Start-up gekauft, das sich auf die Steuerung von Handlungen durch Gedanken spezialisiert hat. Sprich: Man soll Facebook-Beiträge liken oder teilen können, indem man einfach nur daran denkt. Nicht nur Facebook hat diesbezüglich übrigens beängstigende Pläne: Auch andere Firmen, wie etwa Tesla, arbeiten daran, technische Errungenschaften direkt mit dem Gehirn zu verbinden. Zweifellos ein großer Schritt für die Technik und eine innovative Entwicklung. Statt ein Auto zu lenken, kann man es einfach in Gedanken steuern – Hände am Lenkrad sind dann nicht mehr nötig. Doch dadurch sind nicht nur Handlungen gläsern, sondern bald alles, was uns noch an Privatsphäre geblieben ist. Durch den bloßen Gedanken ans Weiterleiten eines Fotos das Foto tatsächlich weiterzuleiten, mag noch nicht allzu schlimm wirken. Spinnen wir die Idee jedoch weiter: Werbeanzeigen würden noch besser auf jeden einzelnen User abgestimmt werden können, denn Facebook und Co. wüssten genau, ob uns diese Anzeige wirklich anspricht oder nicht. Bislang können die Social-Media-Analytiker nur vermuten, ob wir unsere Likes aus Freundschaft, aus Langeweile bzw. aus Interesse verteilen oder ob wir uns einfach nur verklickt haben. Auch das würde durchsichtig werden – denn unsere Neuronen können nicht lügen und verraten bei jeder unserer Aktionen, was wirklich Sache ist. Unsere Wünsche und Sehnsüchte lägen wie ein offenes Buch vor jenen, die bereits jetzt unsere Privatsphäre missachten. Meine Gedanken dazu sind definitiv kein Geheimnis: Ich find’s unheimlich.

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