Kommentar: Literatur, die langweilt

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Foto: Montage/Chris Zenz

Mit 831.000 Euro ist der Literaturnobelpreis dotiert, den nach Elfriede Jelinek nun wieder ein Österreicher nach Hause tragen darf: Peter Handke entspricht dem Urteil der Jury zufolge dem „idealistischen Autor“, den sich Nobelpreis-Gründer Alfred Nobel gewünscht hatte.  
Wo ist der Inhalt? Natürlich ist es grandios, dass sich ein Sohn unseres Landes mit dem hochdotierten Titel „Literaturnobelpreisträger“ schmücken darf. Zu hinterfragen ist dagegen, was an den endlosen, schwer verständlichen und großteils eher einschläfernden Texten idealistisch sein soll. Schon sein Schriftstellerkollege Thomas Bernhard fasste über Handke treffend zusammen: „Bis da einer bei der Haustür draußen ist und beim Gartentürl, sind schon sechzig Seiten weg.“ Die in Handkes Werken angeblich enthaltenen idealistischen Botschaften sind in den ansonsten relativ inhaltsleeren Werken somit entweder außergewöhnlich gut versteckt oder werden erst am Ende enthüllt – und sind somit nur für jenen geringen Prozentsatz an Lesern erschließbar, der das Werk nicht völlig entnervt ob der geschwollenen Sprache nach einigen Seiten aufgegeben hat. Viele, die dem hochgelobten Kärntner eine Chance geben wollten, kamen relativ rasch zum simplen Schluss: fad.
Modern. Nach welchen Kriterien der Preis vergeben wurde, bleibt somit für viele Menschen ein Rätsel. War die Jury letztendlich einfach der Meinung: „Es ist unverständlich, es ist langatmig – es muss moderne Literatur sein.“? Es ist schade, dass gerade in einer öffentlichkeitswirksamen Kategorie wie der Literatur offenbar wenig Wert darauf gelegt wird, tatsächlich auch lesbare Literatur hervorzuheben. 

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