Kommentar: Liebe in Zeiten der Niederlage

Was vom Länderspiel-Doppel bleibt: eine Niederlage, eine Niederlage gegen eine Gurkentruppe und die Erkenntnis, dass die Homoerotik im Fußball endlich alle Grenzen überwunden hat.

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Foto: Montage Chris Zenz

Als der israelische Torhüter in Minute 40 einen Schuss von Marko Arnautovic abwehrte, platzte Oliver Polzer ob dieser Unbotmäßigkeit der Kragen: „Wie kann der den halten?“ fragte er erbost uns gleichermaßen erstaunte Zuseher vor dem Bildschirm, schließlich kam der Schuss doch von niemand geringerem als Arnie. So einen Schuss von unserem West Ham-Star kann vielleicht mal ein Manuel Neuer halten – aber auch nur mit einer gehörigen Portion Glück. Aber who the fuck is Haruel Arush?

Liebe ist ja was Wunderbares. Und Oliver Polzer hatte in Israel unendlich viel davon im Gepäck. Spätestens ab der 8. Minute, als Arnie (wer sonst?) das 1:0 ins gegnerische Gehäuse hämmerte (wie sonst?) brachen bei Polzer alle Dämme. Jede Ballberührung Arnies wurde zur Poesie, jeder Körpereinsatz zur griechischen Heldensage und das gesamte Spiel zu einem vom fast bei einer Spitzenmannschaft spielenden Ausnahmekönner komponierten Sinfonie. Den Israelis fehlte selbstredend die „Vorstellungskraft“, die genialen Körpertäuschungen und Passes des „Begnadeten“ zu erahnen. Schön zu hören, dass die Homoerotik im Sport, besonders im Männersport Fußball überwunden scheint.

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Foto: GEPA pictures

Aber alleine konnte selbst Arnautovic die Israelis nicht niederringen – Polzer war erstaunt. Und so muss sich wohl auch Testsieger Franco Foda (gewann 6 von 8 Testspielen) fragen lassen, was schief läuft, wenn es tatsächlich um was geht (2 Siege in 6 Pflichtspielen). Es sei die fehlende Mentalität monierte der Mainzer nach dem Match gegen Israel sichtlich grantig. Aha. Nun, der geneigte Sturm-Fan kennt die Spielweise Fodas zur Genüge. Er hat da mit Innenminister Herbert Kickl vieles gemeinsam. Auch er, Foda, möchte uns Fußball-Fans größtmögliche Sicherheit bieten. Und so ging man nach der 1:0-Führung nicht auf das zweite Tor, sondern zog sich zurück. Leider machte man mit dieser Taktik selbst eine mehr als limitierte Mannschaft Israels stark. Andi Herzogs Mannen ließen sich nicht zwei Mal bitten und schenkten den verdutzten Österreichern so richtig ein.

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Foto: GEPA pictures

In Österreich wird immer wieder die mangelnde Rücktrittskultur von Politikern kritisiert. Der Teamchef scheint da nahtlos an unsere Volksvertreter anzuknüpfen. Wer gegen die Nummer 92 der Weltrangliste – und Israel steht zu Recht auf dieser Position - eine derartige Packung kassiert, sollte nicht die Mentalität der Mannschaft in Frage stellen, sondern seine eigenen Fähigkeiten.

Noch ein Nachsatz: Mit Arnautovic hatte noch keine Mannschaft Erfolg!

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Foto: GEPA pictures

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