Kommentar: Kurz – who the f... is Kurz?

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Foto: Montage Chris Zenz

Wenn man, so wie ich, irgendwo in Cornwall auf einem Campingplatz mit einem atemberaubenden Blick auf den Atlantik sitzt, verschiebt sich nicht nur manch persönliche Sicht auf die Dinge, sondern es relativiert sich vor allem die Bedeutung der österreichischen Innenpolitik. Kein Mensch hier nimmt davon Notiz, dass sich in Österreich gerade eine Regierung in die Luft gesprengt hat, kein Mensch hier kriegt mit, dass es wieder einmal um eine sogenannte „Richtungsentscheidung“ geht und niemand hier kümmert sich um die (Un-)Bedeutung ehemaliger Kanzler. Umgekehrt: Wer weiß in Österreich, dass England letzte Woche Cricket-Weltmeister wurde? Ich jedenfalls nicht, ich wusste nicht mal, dass es Cricket-Weltmeisterschaften gibt.

Trump-Zwilling

Die Politikseiten hingegen werden von einem Mann bestimmt, den wir in Österreich bestenfalls belächeln. Nicht nur die Frisur, sondern auch so manch bizarrer Auftritt erinnert frappant an Donald Trump – den wir auch lange belächelt haben, bis uns das Lachen im Hals stecken blieb. Die Rede ist natürlich von Boris Johnson, der dieser Tage zum Premierminister gekürt wird. Was soll ich sagen? Die Engländer lieben ihn. Er ist ein Entertainer, einer mit einem guten Schmäh. Und ja, er würde seine Großmutter verkaufen, um an die Macht zu kommen. Natürlich hat er ebenso wenig einen Brexit-Plan wie die spröde Theresa May. Aber er verkörpert Entertainment pur, wirft mit populistischen Phrasen nur so um sich. Naja, und in diesem Punkt sind die Engländer nicht anders als wir. In erster Linie wollen die auch eine Hetz und Hetze haben. Und genau deswegen werden solche Typen gewählt. Wenn die G’schicht dann schief geht, dann sag ma halt einfach: ja, aber das hamma net wissen können.

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