Kommentar: Kulturkampf in Österreich

Vielleicht wollte sich Vizekanzler Strache ja nur für die Vergabe des nächstjährigen Karl-Valentin-Ordens empfehlen.

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Foto: Montage Chris Zenz

Wie anders wäre es sonst zu erklären, dass er in einem viel beachteten Statement den Andi Gabalier als „Kunstschaffenden“ bezeichnen konnte. Manch einer hofft ja immer noch, dass dem HC diese Aussage – wie schon öfter passiert – nur so herausgerutscht ist und er es eigentlich eh ganz anders gemeint hat. Angeblich musste sich selbst der Volks Rock’n’Roller am nächstbesten Hirschgeweih festhalten, um nicht vor Lachen hart auf dem Boden aufzuschlagen. Der eiserne Kern der Gabalier-Fans hingegen war entsetzt und wütend ob der Bezeichnung „Kunstschaffender“. Den Andi einen „Künstler“ zu schimpfen, ist halt schon ein starkes Stück.

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Andreas Gabalier wurde mit dem Karl-Valentin-Orden ausgezeichnet. Foto: usage worldwide / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Nobelpreis?

Andererseits haben Textzeilen wie „Vater unser beten, Holzscheitelknien. Nach einem Zeltfest im Rausch am Heuboden die Unschuld riskieren ...“ durchaus künstlerisches Potenzial. Vielleicht folgt der Andi eines Tages gar dem Bob Dylan als Literaturnobelpreisträger. Verdient hätt er sich’ s allemal. Schließlich füllt er jedes Jahr aufs Neue das Münchner Olympiastadion – mit ähnlich kunstbeflissenen Menschen, wie der Herr Vizekanzler einer ist. Denn, wer erfolgreich ist, hat immer Recht. Das müssen irgendwann einmal auch die übelmeinenden Redakteure der an Leserschwund leidenden sogenannten „Qualitätspresse“ zur Kenntnis nehmen. Wer dem Andi ans Bein pinkelt, darf sich nicht wundern, wenn die Leser in Scharen zur Boulevardpresse überlaufen. Und so schließt sich der Kreis. Die einen produzieren Qualität und die anderen erkennen sie. Wer das anders sieht, soll sich halt mit weniger erfolgreichen Künstlern wie Mozart, Bach oder Beethoven abgeben.

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