Kommentar: In your face, Corona

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Foto: Montage Chris Zenz

Es wird zunehmend schwieriger, etwas zu Corona zu sagen. Manchen hängt das Thema zum Hals heraus, während andere gar nicht genug davon bekommen. Sie saugen jede negative Meldung in sich auf und kotzen diese Negativität auf den Sozialen Medien wieder aus. Facebook ist da im Vergleich ja geradezu positiv gestimmt. Fast ausschließlich in Moll kommt Twitter daher. Vor allem Menschen, die näher dran sind, scheinen unweigerlich in den Sog des Negativen gezogen zu werden.

Es fällt uns schwer, mit der aktuellen Situation umzugehen. Unsere kleine österreichische Welt ist halt seit Ende des Zweiten Weltkriegs unglaublich heil geworden. Das beweist ein Blick auf die Kriminal- oder auch auf die Verkehrsstatistik. Und wir feilen tagtäglich an der Verbesserung des objektiven und subjektiven Sicherheitsgefühls. Zynisch formuliert könnte man sagen, dass wir unmittelbar vor einer Einführung der Fußgänger-Helmpflicht stehen.

Nicht zuletzt deswegen und natürlich aufgrund des medizinischen Fortschritts steigt die Lebenserwartung des Menschen kontinuierlich an. Während diese im Jahr 1900 bei Männern nur bei knapp über 40 Jahren lag, ist sie heute fast doppelt so hoch. Einräumen muss man freilich, dass damals die durchschnittliche Lebenserwartung vor allem aufgrund der hohen Kindersterblichkeit sehr gering war. Dieses gefühlte Unendlichkeit unseres Daseins hat zur Folge, dass selbst für einen 75-Jährigen der Tod in weiter Ferne liegt. Alle seine Freunde erfreuen sich ja ebenfalls noch bester Gesundheit. Fast erstaunt reagiert man auf gelegentlich auftretende Rücken- oder Gelenkschmerzen. Wie kann denn das sein? Man ist doch erst 75.

Und plötzlich werden wir mit einem Thema konfrontiert, das wir seit langer Zeit unter Verschluss halten, einem Thema, das uns das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ja, ich rede vom Tod. Der ist nämlich in unser Leben getreten. Ohne Vorwarnung, ohne an die Tür zu klopfen nimmt er wahllos Menschen mit. Es gibt kein Entrinnen. Wir werden uns wohl oder übel mit ihm auseinandersetzen müssen. Nein, er wird niemals ein Freund werden, aber vielleicht schaffen wir es, ihn zu verstehen, uns mit ihm zu arrangieren. Wir haben nämlich keine Wahl.

Wir dürfen aber auch die Verhältnismäßigkeit nicht verlieren. Ja, wir haben es mit einer gefährlichen Krankheit zu tun. Und ja, wir werden sie in die Knie zwingen: In your face, Corona!

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