Kommentar: Generation Spießbürger

Die österreichische Innenpolitik zeichnet sich mehr und mehr durch kleinkariertes Hick-Hack aus.

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Foto: Montage Chris Zenz

Sachliche Debatten – ja, die gab es tatsächlich mal – werden zunehmend durch persönliche Befindlichkeiten abgelöst. Manchmal wähnt man sich auf einem Pausenhof pubertierender Schüler: Der hat gesagt … Ja, aber die hat auch gesagt … Und den mag ich sowieso nicht. Unter der Prämisse, dass die Politik nichts anderes als der Spiegel der Gesellschaft ist, muss man konstatieren, dass der gemeine Bürger seine Spießigkeit in den Nationalrat getragen hat. Während in der Vergangenheit das Spießbürgertum eine klar in sich geschlossene Gruppe darstellte, kommt sie heute mit zwei Gesichtern daher. Auf der einen Seite steht der linke Spießer. Er lebt tendenziell in der Stadt, kauft auf Biomärkten seine Lebensmittel, achtet penibel auf seinen ökologischen Fußabdruck, steht später auf, träumt von einer offenen Gesellschaft und liest den Standard.

Engstirnig

Ihm gegenüber steht der rechte Spießer. Er lebt in einem schmucken Einfamilienhaus auf dem Land, wäscht samstags mit Hingabe seinen SUV, sehnt sich manchmal für seine Kinder nach der gesunden Watschen, mag keine Bildung, aber dafür Hausverstand, ist auf Abwehr des Islam gepolt und liest die Kronen Zeitung. Das Lustige ist, dass beide Gruppen die jeweils andere für Spießer hält. Dabei sind sie sich näher, als sie denken. Die verbindenden Elemente sind nämlich Intoleranz und Engstirnigkeit. Der linke Spießbürger kann die Lebenswelt des rechten nicht verstehen und umgekehrt. Das sind die wahren Gräben, die sich durch Österreich ziehen. Und die jeweiligen politischen Gruppierungen fördern diese Gegensätze anstatt verbindend zu wirken. Wie spießig das doch ist.

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