Kommentar: Die SPÖ ist (k)eine Arbeiterpartei

Die steirische Landtagsabgeordnete Michaela Grubesa hat mit ihrem Facebook-Posting die SPÖ ordentlich durchgeschüttelt.

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Foto: Montage Chris Zenz

Thomas Drozda sei ein Bobo, ein Akademiker im Anzug, mit dem man im Fußballstadion keine Biere kippen könne. Diese zwar an sich wenig fundierte Kritik legt ein elementares Problem der Sozialdemokraten frei. Noch immer hängt eine Reihe von Funktionären an der romantischen Vorstellung, dass die SPÖ eine Arbeiterpartei sei und der Klassenkampf Wählerstimmen bringe. Offensichtlich ist der steirischen Landtagsabgeordneten die Wählerstromanalyse der letzten Nationalratswahl nicht so geläufig. Diese besagt nämlich, dass nur noch 19 Prozent der Arbeiter, aber satte 31 Prozent der Akademiker ihrer Partei die Stimme geben. So gesehen scheint der „Akademiker im Anzug“ durchaus eine gute Besetzung zu sein.

Fakt ist, dass die Partei ein Problem mit ihrem genetischen Code hat. Auf der einen Seite gibt es seit Franz Vranitzky Bestrebungen, die SPÖ breiter und pragmatischer aufzustellen. Auf der anderen Seite stehen jene, die weiterhin den Kampf gegen den Kapitalismus auf ihre Fahnen heften. Eine Lösung scheint nicht in Sicht. Aber eines ist sonnenklar: Solange das Migrationsproblem alles überlagert, werden die Arbeiter die FPÖ wählen. Denn die Angst vor der Überfremdung ist allemal stärker als jene vor dem 12-Stunden-Tag. Wenn die SPÖ überleben möchte, braucht sie anstatt der Arbeiterschaft neue Wählergruppen. Das sollte auch der Jus-Studentin Michaela Grubesa klar sein.

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