Kommentar: Die Krise verlangt von jedem Opfer. Aber danach wird alles wunderbar

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Foto: Montage Chris Zenz

Weil ich mich dieser Tage gegenüber dem Aufruf, sofort und bedingungslos ins Team Austria einzutreten, ein wenig widerborstig gezeigt habe und daraufhin Gott sei Dank von Menschen, die schon wesentlich weiter sind als ich, auf meinen Denkfehler hingewiesen wurde, habe ich mir folgende Merkliste an den Kühlschrank gepinnt:

Du musst einmal pro Tag sagen, dass unser Kanzler sehr extrem super ist.
Du musst einmal pro Tag sagen, dass unser Vizekanzler sehr super ist.
Du musst einmal pro Tag sagen, dass unser Gesundheitsminister auch super ist.
Du musst einmal pro Tag sagen, dass unser Innenminister eh auch super ist.

Ich bin jetzt mal, wie ich mir selbst eingestehen und auch zuschreiben muss, aus dem Kader des „Team Austria“ rausgeflogen – und zwar in hohem Bogen. Ich weiß nicht genau, wie lange es dauert, zurück zu kehren oder was ich dafür tun muss. Ich versuch`s jetzt halt mal so: Die ganze Opposition ist voll Scheiße, besonders die Rendi-Wagner. Und die Journalisten auch. Und ich putze allen anderen Teammitgliedern ein Jahr lang die Schuhe.

So jetzt muss ich mich aber ein wenig zusammenreißen, weil der Matthias Horx, der größte Zunkunftsforscher aller Zeiten (Grözaz), sagt ja, dass der selbstgefällige Zynismus verschwinden wird und wir uns künftig alle rund um die Uhr lieben werden – Team Austria halt. Wir werden im September schon eine rituelle iphone-Verbrennung vornehmen. Jeden Tag setzen wir uns mit den lieben Nachbarn zusammen und erzählen uns lustige Geschichten, die das Leben schrieb. Und am Abend schaut sich dann die ganze Familie einen Heimatfilm aus den Fünfziger Jahren oder einen alten Hans Moser-Streifen an. Sissy lief nämlich gestern. Missgunst und Habgier werden von uns abfallen wie die welken Blätter im Herbst und auch die Spalter und die bösen Rechtspopulisten verschwinden. Rechts und links wird sich in einem einzigen großen WIR auflösen und alles verschmilzt zu einer wunderbaren Einheit – Team Austria halt. Was für ein schönes Bild!

Wache Geister fragen sich jetzt freilich, ob das alles bisher verboten war, wir nicht längst so harmonisch vor uns hin leben hätten können. Nun, das kann ich auch nicht beantworten. Wahrscheinlich hat der Neoliberalismus Schuld, der uns in seiner Bösartigkeit davon abgehalten hat. Oder der Individualismus. Jedenfalls nichts Gutes.

Nun, liebe Leser, zum Schluss möchte ich diese wunderbaren Horx´schen Gedanken noch ein wenig weiter spinnen. Wer träumt denn nicht manchmal davon, vor der mit eigenen Händen aufgebauten Almhütte zu verweilen und nichts zu tun, als dem lustig vor sich hin plätschernden Bächlein zuzusehen und dem sanften Rauschen der Blätter zuzuhören. Im lustig vor sich hinplätschernden Bächlein spielen die lustigen Kinderlein, die mir zwar manchmal den einen oder anderen schelmischen Streich spielen, aber das Herz am rechten Fleck haben. Ja, warum habe ich diesen Traum nicht in die Tat umgesetzt, frage ich mich.

Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Weil das auf Dauer einfach sterbenslangweilig ist!