Kommentar: Chemnitz ist überall

Angesichts der jüngsten Ereignisse in Chemnitz sehen immer mehr Menschen Parallelen zu den Entwicklungen in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts.

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Foto: Montage Chris Zenz

Der virtuellen Jagd auf Asylwerber im Internet folgt nun die reale in den Straßen von Chemnitz. Mittlerweile scheint das Tippen von Drohungen den besorgten Bürgern zu fad geworden zu sein. Da kam der Mord, mutmaßlich verübt von zwei Asylwerbern, gerade zur rechten Zeit. Es macht doch viel mehr Spaß, jemandem die Faust tatsächlich ins Gesicht zu rammen, als immer nur davon zu träumen. Schließlich ist man ja das Volk. Durch die falsch verstandene Humanität einer Angela Merkel sei man ja geradezu dazu gezwungen worden, aufzustehen, um den „Invasoren“ zu zeigen, dass man sie hier nicht will.

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Foto: Kietzmann,Björn / Action Press / picturedesk.com

Tatsächlich erzählen nicht nur Führer demokratisch gewählter Parteien, sondern auch viele Medien die Geschichte genau so. Nicht die gewalttätigen Neonazis sind schuld, sondern Merkel. Das ist eine Verharmlosung einer europaweiten Entwicklung, der man fassungslos gegenüber steht. Selbst dem eingeschränktesten Denker muss langsam klar werden, dass Asylwerber bereits den Status von Juden in den 30ern erlangt haben. Jetzt werden wieder viele aufheulen und monieren, dass das eine Verharmlosung des Holocaust sei. Denen sei gesagt, dass das Naziregime auch nicht von heute auf morgen die höchste Stufe der Grausamkeit erreichte. Man kann natürlich so weiter machen und derartige Entwicklungen herunter spielen. Dann darf man sich aber nicht wundern, wenn man in der Welt der 40er-Jahre aufwacht.

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