Keine Kontinuität: Sturm-Ikone Ivica Vastic im Interview

50 Jahre und kein bisschen müde: Im Weekend Magazin Interview spricht Ex-Sturm-Star Ivica Vastic über die Qualität der Liga, die schwächelnden Traditionsvereine Sturm, Rapid und Austria und was Salzburg, WAC und der LASK richtig machen.

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Derzeit trainiert Vastic die U16 von Austria Wien, ist aber Sturm immer noch verbunden. Foto: GEPA pictures

weekend: Sie haben eben den 50er gefeiert. Nimmt man das zum Anlass, um eine erste Bilanz zu ziehen?
Ivica Vastic: Nein, das ist nur eine Zahl. Ich ziehe keine Bilanz, das Leben geht ja weiter. Ich bin sowieso ein Mensch, der im Jetzt und nicht in der Vergangenheit lebt.

weekend: Sie sind derzeit Trainer der U16 von Austria Wien. Kennen Ihre Jungs Ivica Vastic als Spieler noch?
Ivica Vastic: (lacht) Ich denke schon. Der eine oder andere wird sich auf Youtube vielleicht was angeschaut haben oder ihre Eltern haben von mir erzählt. Ich selber rede nicht viel darüber, außer es ist eine Situation, in der es für die Spieler hilfreich ist.

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Foto: GEPA pictures

weekend: Wie wichtig ist es generell, dass man als Trainer auch selbst auf einem gewissen Niveau Fußball gespielt hat?
Ivica Vastic: Das kann schon von Vorteil sein. Gerade im Nachwuchsbereich ist es wichtig, dass man selbst etwas vorzeigen kann. Es erleichtert es den Spielern, wenn sie etwas sehen und nicht nur theoretisch erklärt bekommen.

weekend: Was muss ein Trainer sonst noch mitbringen?
Ivica Vastic: Grundsätzlich sind es zwei Paar Schuhe, ob man Profitrainer oder Nachwuchstrainer ist. Generell finde ich es wichtig, dass ein Trainer eine Idee mitbringt, wie er spielen lassen will. Im Nachwuchs kommt dann natürlich dazu, dass ein Trainer in der Lage sein muss, junge Spieler physisch, psychisch und technisch weiter zu entwickeln.

weekend: Sie haben Ihre Karriere vor rund 10 Jahren beendet. Wie hat sich der Fußball seither verändert?
Ivica Vastic: Der Fußball verändert sich ständig, nicht nur in den letzten zehn Jahren. Es ist noch schneller, noch athletischer geworden. Die Qualität, aber vor allem die Quantität ist gestiegen. Die Konkurrenz ist heute noch viel breiter, als zu meiner Zeit.

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Foto: GEPA pictures

weekend: Österreich hat mehr Legionäre denn je – vor allem in der Deutschen Bundesliga. Worauf führen Sie das zurück?
Ivica Vastic: Einerseits werden die Spieler natürlich mit Geld gelockt. Andererseits hat das sicher sehr stark mit den Akademien bei uns zu tun. Die Qualität ist dort enorm hoch. Talente können so noch früher auf sich aufmerksam machen.

weekend: Spieler gehen immer früher ins Ausland. Wann ist aus Ihrer Sicht, das richtige Alter?
Ivica Vastic: Das ist eine schwierige Frage und muss sehr individuell entschieden werden. Hier gibt es kein wirkliches Rezept. Junge Spieler haben es im Ausland nicht leicht, sie müssen einen starken Charakter haben.

weekend: Trotz der vielen Spieler im Ausland sorgen auch heimische Klubs international für Furore. Reden wir unsere Liga manchmal schlechter als sie ist?
Ivica Vastic: Dazu neigt man in Österreich immer. Dabei zeigen gerade Salzburg, der WAC und der LASK international groß auf. Die kontinuierliche Arbeit dieser Vereine trägt Früchte. Alle drei Vereine schaffen es, gute Spieler zu halten und sich punktuell zu verstärken. Das macht den Erfolg aus.

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Glorreiche Zeiten bei Sturm: Das „magische Dreieck“ Ivo Vastic, Mario Haas und Hannes Reinmayr feiern den Meistertitel. Foto: GEPA pictures

weekend: Im Umkehrschluss bedeutet das, dass den Traditionsvereinen Sturm, Rapid und Austria diese Kontinuität fehlt …
Ivica Vastic: Wenn man die letzten Jahre betrachtet, ist das wohl so. Alleine, wenn man sich anschaut, wie viele Spieler diese Vereine in den letzten Jahren ge- und verkauft haben, zeigt das, dass die Kontinuität fehlt und dadurch der Erfolg ausbleibt.

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