Karriere mit Hammer & Stichel

Zielsicher. Die Klagenfurter Handgraveurin Anna-Maria Kropfitsch (24) ist mit ihren Kreationen international erfolgreich

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Anna-Maria Kropfitsch ist eine der wenigen Handgraveurinnen in Kärnten Foto: Studiohorst

In einer Zweizimmer-Wohnung am Rand von Ebenthal prallen zwei Welten aufeinander: Eine junge, attraktive Frau und ihre Passion, ein uraltes Handwerk, bei dem man sich die Hände schmutzig macht. Doch wenn Anna-Maria Kropfitsch von ihrer Leidenschaft zu ihrem Beruf als traditionelle Handgraveurin erzählt, fühlt es sich an, als gäbe es auf dieser Welt keine passendere Fusion. Mit blutjungen 20 Jahren hat die gebürtige Klagenfurterin den mutigen Schritt in die Selbständigkeit gewagt, und das mit einer unpopulär gewordenen Tätigkeit, die nur eine Handvoll anderer Professionisten in Kärnten ausübt. In nur vier Jahren hat sich Kropfitsch einen internationalen Kundenstock aufgebaut, der von Belgien über Deutschland und Österreich bis nach Katar reicht. Vor allem Waffenverzierungen wie Jagdmesser, Pistolen und Revolver mit Initialen, Ornamenten oder aufwändigen Portraits, Tierbildern, Jagdszenen und Familienwappen gehören zu ihrem täglichen Geschäft.

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Mit 20 Jahren hat sich die Klagenurterin selbständig gemacht Foto: Studiohorst

Hart gearbeitet

„Nach meinem HTL-Abschluss hatte ich zwei Optionen: Auswandern oder mich selbständig machen, denn als Maschinengraveurin, wo ich schnell eine Anstellung bekommen hätte, wollte ich nicht arbeiten. Ich brauchte eine größere Herausforderung. Das war tatsächlich die beste Entscheidung meines Lebens“, schwärmt Kropfitsch, die ihre Kreativität schon als Kind an Mamas Wohnungswänden freien Lauf gelassen hat. Doch der Erfolg kam nicht von alleine. „Während andere mit 20 Jahren sich ausgetobt haben und fortgegangen sind, war ich tagsüber im Studio meiner Mutter beschäftigt und habe nachts meine Aufträge bearbeitet. Ich war quasi am Dauerarbeiten, aber es hat sich ausgezahlt.“ Ausgezahlt hat sich vor allem, dass sie an ihrem Erfolg Schritt für Schritt gearbeitet und sich nicht übernommen hat. „Ich habe in einer 35m2-Wohnung den Esstisch zum Gravurtisch umfunktioniert anstatt mir ein teures Geschäftslokal zu leisten. Auch jetzt habe ich die kleine Werkstatt in meiner Wohnung eingerichtet.“

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Hier wurde auf das Pistolengriffkäppchen ein Widder in Gold eingelegt und schattiert. Dieser wird von einer tief gestochenen Blattornamentik umrandet Foto: Privat

Analog arbeiten

Es heißt zwar, wir sollen die Chancen der Digitalisierung nutzen, doch Anna-Maria Kropfitsch braucht für ihre Arbeit keine aufwändigen Computerprogramme, kein stylisches Büro – nur ein paar Werkzeuge, eine ruhige Hand und das richtige Gefühl für die Wünsche ihrer Kunden, die sie von ihrem „Kammerl“ aus erfüllt. Reklamationen gab es bisher nicht. „Als kreativer Mensch kann ich mich ganz gut in andere hineinversetzen und quasi erfühlen, was der Kunde tatsächlich will. Und da es bisher keine Beschwerden gab, muss ich das ja gut machen“, schmunzelt die Graveurin. Sehr wohl musste sie aber bereits Anfragen ablehnen. „Rechtsradikale Symbole graviere ich nicht. Man muss sich mit dieser Thematik aber sehr gut auskennen und genau recherchieren, denn viele Zeichen in Familienwappen etwa sehen sich zum Verwechseln ähnlich, haben aber unterschiedliche Bedeutungen.“

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Traditionelle, tief gestochene, Latschenornamentik mit einem Gamshaupt. Die Tschurtschen sind in Gold eingelegt Foto: Privat

Plan B

Ein „Sicherheitsnetz“ hat Anna Maria Kropfitsch nicht. „Ich habe keinen Plan B. Hätte ich den, könnte ich mich nicht so in die Arbeit reinsteigern und würde nicht 100 Prozent geben. Und das ist tatsächlich der Weg zum Erfolg: Leidenschaft für das was man macht und der Wille alles durchzuziehen, egal wie viel Gegenwind man verspürt“, gibt die Graveurin abschließend noch als Tipp für jene mit, die gerade am Scheideweg ihres Berufsweges stehen. Leidenschaft und Wille – zwei Eigenschaften, die Kropfitsch wohl von ihrer Mutter geerbt hat: „Danke Mama für deine Unterstützung und deinen Glauben an mich!“ Weitere Infos über die künstlerische Handwerkerin finden Sie auf ihrer Webseite www.die-gravur.at.

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Die tief gestochene Ornamentik wurde dem Kärntner Wappen nachempfunden Foto: Privat

Neuigkeiten

Sehr bald wird es auf der Webseite auch eine weitere erfreuliche Nachricht zu lesen geben. Die 24-Jährige eröffnet demnächst in der Ebenthaler Straße ein schickes Geschäftslokal, in dem sie Schmuck und Messer namhafter Handwerksbetriebe in kleiner Stückzahl zum Verkauf anbietet. „Wer möchte, kann die Stücke dann auch gleich bequem vor Ort von mir gravieren lassen und spart sich somit Zeit und einen weiteren Weg“, freut sich Kropfitsch auf die neue Herausforderung.

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