Kampf um den Landtag

Entscheidungshilfe. Kurz vor der Wahl am 24. November haben wir die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl zum Kurzinterview gebeten.

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Foto: Sergey Tyniakov/ iStock/ Getty Images

Michael Schickhofer, SPÖ

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Foto: Stefan Leitner

weekend: Die Umfragen sagen der SPÖ ein Debakel voraus. Ist der Platz eins noch möglich?
Michael Schickhofer: Nach den Umfragen wäre Hillary Clinton auch Präsidentin geworden. Da wir konsequent Politik für die Menschen in diesem Land machen, werden die Menschen uns ihr Vertrauen schenken. Die steirische Sozialdemokratie hat klare Ideen und Maßnahmen präsentiert. Vor allem in den Bereichen Klimaschutz, Öffentlicher Verkehr, Wohnen, Sicherheit und Arbeit soll sich das Leben der Steirer wieder verbessern.

weekend: Warum kann die SPÖ nicht von „Ibiza“, „Schreddergate“ usw. profitieren?
Michael Schickhofer: Die steirische SPÖ haben wir umfassend erneuert. Wir stehen für eine klare Zukunftspolitik, für eine konsequente Sicherheitspolitik, für mehr Klimaschutz, bessere Verbindungen zwischen Stadt und Land – und wir sind eine Partei für die hart arbeitenden Menschen im Land. Das täte auch der Bundespartei gut.

weekend: Die SPÖ plakatiert „Schichtwechsel“. Was darf man sich darunter vorstellen?
Michael Schickhofer: Wir müssen anpacken, einen Schichtwechsel vollziehen und mit einem frischen Team unser Land voranbringen. Ich habe Ideen und Visionen für die Zukunft der Steiermark. Als Landeshauptmann darf man nicht nur verwalten, es geht darum, das Land weiterzubringen und für die Menschen etwas zu erreichen.

Mario Kunasek, FPÖ

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Foto: FPÖ Steiermark

weekend: Umfragen sagen der FPÖ große Verluste voraus. Mit welchem Ergebnis wären Sie zufrieden?
Mario Kunasek: Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen streben wir Freiheitliche die 20-Prozent-Marke an und wollen den zweiten Platz vor der SPÖ erreichen. Letztlich geht es darum, so stark zu werden, um nach der Wahl auf Augenhöhe in Regierungsverhandlungen eintreten zu können.

weekend: Wie wird sich die „Liederbuchaffäre“ auswirken?
Mario Kunasek: Vorweg möchte ich klar festhalten, dass die FPÖ absolut nichts mit dem besagten Liederbuch, das drei Wochen vor der Wahl für Schlagzeilen sorgte, zu tun hat. Die FPÖ findet die veröffentlichten Passagen widerlich und lehnt solche Texte kategorisch ab.

weekend: Die Zahl der Asylanträge auf einem Niedrigststand. Warum werden auf Ihren Plakaten wieder Ängste geschürt?
Mario Kunasek: Wir Freiheitliche schüren keine Ängste, sondern machen auf die prekäre Lage direkt an der europäischen Grenze aufmerksam. In der bosnischen Stadt Bihac spitzt sich die Lage Tag für Tag zu. Rund 300 bis 400 Migranten machen sich täglich Richtung kroatischer Grenze auf. Diese drohende Migrationswelle darf nicht länger verschwiegen werden. Ein erneutes Überströmen der österreichischen Grenze muss durch verstärkte Grenzschutzmaßnahmen und eine restriktivere Zuwanderungspolitik um jeden Preis verhindert werden.

Sandra Krautwaschl, Die Grünen

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Foto: podesser.net

weekend: Die Grünen haben durch die Klimadebatte Rückenwind. Welche anderen Gründe gibt es, „grün“ zu wählen?
Sandra Krautwaschl: Wir kämpfen seit 30 Jahren für Klima- und Umweltschutz. Dass dieses Thema jetzt endlich, vor allem bei vielen Jüngeren, als wichtig gesehen wird, ist für uns Grüne sicher kein Nachteil. Aber es ist auch höchst an der Zeit, dass endlich wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Klimakrise ergriffen werden. Unsere Pläne verbinden Wirtschaft und Umwelt und sind sozial gerecht, denn auch der soziale und gesellschaftliche Zusammenhalt ist uns wichtig.

weekend: Auch in der Steiermark wird Werner Kogler plakatiert. Sind Sie in der Bevölkerung noch zu unbekannt?
Sandra Krautwaschl: Das war bei der Entscheidung nicht das Thema, denn dieses Sujet steht dafür, dass wir Grüne auf allen politischen Ebenen für die gleichen Ziele kämpfen: Im Nationalrat genauso wie im Landtag – es geht nur gemeinsam.

weekend: Türkis-grün ist laut einer Umfrage die bevorzugte Koalition der Steirer. Wie wahrscheinlich ist diese Variante?
Sandra Krautwaschl: Mit Umfragen und Koalitionsspekulationen beschäftige ich mich nicht. Wir werden bis zum Wahlsonntag darum kämpfen, dass so viele Menschen wie möglich den Klimaschutz in der Steiermark stärken. SPÖ und ÖVP hatten genug Zeit zu handeln – und haben nichts gemacht.

Claudia Klimt-Weithaler, KPÖ

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Foto: Stefan Leitner

weekend: Die KPÖ gilt als steirisches Phänomen. Warum ist man gerade hier so erfolgreich?
Claudia Klimt-Weithaler: Die KPÖ hat in der Steiermark eine weit zurückreichende Tradition und Kontinuität. Viele Steirerinnen und Steirer wissen, dass sie sich bei uns darauf verlassen können, dass es Prinzipien und Grundsätze gibt, zu denen wir nach der Wahl genauso stehen wie vorher. Das ist nicht bei allen Parteien so.

weekend: Warum wird gerade die SPÖ von Ihnen so scharf kritisiert?
Claudia Klimt-Weithaler: Die SPÖ macht in vielen wichtigen Fragen genau das Gegenteil von dem, was sie vorgibt. Das ist unehrlich, deshalb kritisieren wir sie auch scharf. Im Bund gegen den 12-Stunden-Tag zu protestieren, aber im steirischen Landtag am Gängelband der ÖVP nicht den Mut aufbringen, einen Antrag dagegen mitzutragen: Das muss man einmal zusammenbringen.

weekend: Warum braucht es die KPÖ im Landtag?
Claudia Klimt-Weithaler: Wer steht sonst gegen Ungerechtigkeiten wie den Angehörigenregress, die Abschaffung der Wohnbeihilfe für Alleinerzieherinnen, die Milliardenverschwendung bei Olympischen Spielen, den Kahlschlag im Gesundheitswesen, die Glücksspiel-Industrie, Politikerprivilegien und die hohen Wohnkosten auf? Niemand – und deshalb braucht es die KPÖ im Landtag.

Nico Swatek, NEOS

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Foto: Peter Draxl

weekend: Sie sind Grazer Gemeinderat und gehen als Spitzenkandidat in die Landtagswahl. Ist die Personaldecke in der Steiermark zu dünn?
Nico Swatek: Nein, ganz im Gegenteil. Auf unserer Liste finden sich alle möglichen Menschen, vom Maturanten bis zur Pensionistin. Sie alle haben mutige Ideen und wollen frischen Wind in die Politik bringen.

weekend: Die NEOS sind vor allem in der Stadt erfolgreich. Wie kann man die Bevölkerung im ländlichen Raum überzeugen?
Nico Swatek: Bei der Nationalratswahl haben wir gezeigt, dass wir flächendeckend präsent sind. Wir haben von Hausmannstätten bis Bad Aussee zweistellige Ergebnisse erzielt. Zudem sind es Themen wie Kinderbetreuung und Innovation, die im ländlichen Raum unter den Nägeln brennen.

weekend: Warum profitieren die Grünen mehr von den Themen Bildung und Klimaschutz?
Nico Swatek: Wir haben bei der Nationalratswahl und der EU-Wahl das beste Ergebnis erreicht, das eine liberale Bewegung je hatte. Offensichtlich kommen wir mit unseren Themen also gut an. Natürlich ist es positiv, dass wir mit den Grünen einen weiteren Kämpfer bei Transparenz und Klimaschutz haben. Allerdings gibt es klare Unterschiede: Wir schauen zwar genauso aufs Klima, aber verbinden es immer mit Wirtschaft. Wir setzen auf Innovation, wenn es zum Beispiel zum Thema Verkehr geht, wo es den Grünen am Gesamtkonzept fehlt.