Kärntner Gastro-Szene: Tutto Gas vs. tote Hose

„Zu laut!“ sagen die einen. „Nix los!“ sagen die anderen. Eine punktuelle Bestandsaufnahme.

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Sommer ist Partyzeit - doch viele Anrainer fühlen sich von den Feierlustigen gestört Foto: ONEINCHPUNCH/ISTOCK/THINKSTOCK

Ein Prosecco unter dem freien Himmel, eine Geburtstagsfeier im Innenhof: Für die Kunden ist die Gastgartensaison eine tolle Zeit. Für Kärntner Gastronomen, Anrainer und Behörden ist diese aber oft gespickt mit Streitpunkten und gegenseitigen Vorwürfen.

Gesetzeslage

Weil vor allem im Sommer Lärmbelästigungen ausgehend von Gastgewerbebetrieben häufiger ein Thema sind, drängt sich die Frage auf, ob die Regelungen in Kärnten strenger sind als zum Beispiel in Wien oder der Steiermark. Das beantworten Gewerberechtsexperten vom Magistrat Klagenfurt mit einem klaren Nein. Die Gewerbeordnung sei ein Bundesgesetz, in ganz gelten Österreich dieselben Regelungen. Grundsätzlich orientiere sich die Lärmobergrenze an der Zumutbarkeit des nächstgelegenen Nachbarn. Die Beurteilung erfolge über Amtssachverständige. Bevor ein Unternehmer ein Lokal übernimmt, sollte er sich bei der Behörde über den genehmigten Umfang informieren. Beschwert sich ein Anrainer, wird kontrolliert, ob der Gastwirt seiner Genehmigung entsprechend betreibt. Ist das nicht der Fall, wird er von der Behörde dazu aufgefordert und muss mit einer Verwaltungsstrafe rechnen.

Anrainer

Dass sich nur neu zugezogene Menschen in den Städten über Lärm beschweren oder dass Lokale sterben „weil alle Nachbarn so deppert sind“ - diese Blickwinkel sind zu eng gefasst. „Ich wohne schon von Kleinauf in der Herrengasse in Klagenfurt“, erzählt ein Anrainer. Diese sei nicht immer eine Partyzone gewesen. „Das Halli-Galli ist um mich herumgewachsen. Wegziehen wollte ich nicht. Natürlich arrangiert man sich bis zu einem gewissen Grad und sucht das Gespräch mit den Gastronomen. Ich vergönne jedem Gastronomen sein Geschäft“, so der 44-Jährige. Doch regelmäßige Sprechchöre von Betrunkenen in den frühen Morgenstunden lassen Geduldsfäden reißen.

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„Auf stur schalten bringt nichts. Auf eine gute Kommunikation zu setzen und das Gespräch mit Anrainern zu suchen - das funktioniert.” Michaela Höberl Geschäftsführerin Café-Bar Plaza, Völkermarkt Foto: Privat

Gastronomin

Dass Anzeigen wegen Lärm nicht nur ein Problem in der Kärntner Landeshauptstadt sind, weiß Michaela Höberl, Inhaberin der Café Bar Plaza in Völkermarkt. „Laut Sperrstundenverordnung sollte der Gastgarten bis 23 Uhr leer sein. Das heißt, man muss um halb elf mit dem Kassieren beginnen. Das ist natürlich schade, denn wie viele laue Abende gibt es denn? Reinsetzen tut sich kaum jemand. Die Leute gehen dann heim.“ Nach einer Betriebsstättenprüfung aufgrund einer Lärmanzeige musste die Unternehmerin einen Lautstärkenregler einbauen und den Basswürfel weggeben - relativ geringe Anpassungen, wenn man es mit Gastronomen vergleicht, die tausende Euros investieren müssen, um ihre Betriebsanlage auf den gesetzlich geforderten Stand zu bringen.

Große Baustelle

Rauchverbote in Lokalen heizen die Lärm-Diskussionen weiter an. Denn, wenn Besucher zum Rauchen nach draußen gehen, fangen für Gastronomen Probleme an. Einerseits sollen die Raucher vor die Türe gehen, andererseits dürfen sie das ab 23 Uhr nicht mehr. Wenn Raucher einem Lokal direkt zugeordnet werden können, ist auch deren Gesprächslärm dem betreffenden Betreiber zuzurechnen. Das kann Strafen für den Betreiber zur Folge haben. Seitens des Gesetzgebers gibt es derzeit keine spezifischen Regelungen oder Empfehlungen.

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