Businesstalk: Der Kunde hat's in der Hand

Helmut Petschar. Der Kärntnermilch-Direktor über den schwierigen Milchmarkt, die daraus resultierenden Gefahren für die Bauern und den Tag der offenen Tür am 29. Mai in Spittal.

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Kärntnermilch-Direktor Helmut Petschar Foto: Studiohorst

Weekend: Die Milchwirtschaft ist ein heiß umkämpfter Markt. Wie ist der Status quo?

Helmut Petschar: Im Vorjahr gab es einen Umbruch und daraus ergibt sich leider eine sehr schwierige Lage für die heimische Milchwirtschaft. Einerseits ist die Milchquote ausgelaufen, das bedeutet, dass jedes Land so viel Milch produzieren kann, wie viel es möchte. Österreich ist im Nachteil, weil wir eine kleinstrukturierte Milchwirtschaft haben. Etwa 80 Prozent der Milchproduktion findet im Berggebiet statt, bei der Kärntnermilch sind es 100 Prozent. Im Schnitt liefert ein Bauer rund 80.000 Kilogramm Milch pro Jahr. In Tschechien sind es 300.000 Kilo, in Deutschland gibt es Betriebe, die bis zu zwei Millionen Kilogramm Milch produzieren. Und andererseits macht uns das Russland-Embargo zu schaffen.

Weekend: Wie viel bezahlen Sie heimischen Bauern derzeit?

Helmut Petschar: Unser durchschnittlicher Auszahlungsbetrag liegt derzeit bei 28,5 Cent netto, das sind um zehn Cent weniger als 2015. Und obwohl wir damit immer noch im europäischen Spitzenfeld liegen, sind die Bauern auf die Dauer mit diesen Beträgen nicht überlebensfähig. Letztendlich hat der Konsument viel in der Hand, wenn er zu heimischen Produkten greift, auch wenn die Milch um zehn Cent teurer ist. Im Schnitt verbraucht ein Kärntner 80 Liter Milch im Jahr, umgerechnet wären das acht Euro mehr, die er ausgeben muss. Damit sichert er aber auch Arbeitsplätze und das Überleben in der Region.

Weekend: Wie viele Milchbauern gibt es in Kärnten?

Helmut Petschar: Beim EU-Beitritt hatten wir in Kärnten 5.500 Milchbauern, jetzt sind es nur noch 1.200.

Weekend: Wie kann man die Bevölkerung überzeugen, zu hei­ mischen Produkten zu greifen?

Helmut Petschar: Am 1. Juni ist der internationale Weltmilchtag. Wir laden schon am 29. Mai zum Tag der offenen Tür und wollen den Menschen zeigen, wie viel Arbeit dahinter steckt, bis ein Milchpackerl im Supermarktregal steht. Außerdem haben wir trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten viel in den Betrieb investiert wie beispielsweise in das neue, topmoderne Logistikzentrum hier in Spittal. Weiters steht die Verkostung unserer mehr als 400 Produkte auf dem Programm.

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Foto: Studiohorst

Facts Kärntnermilch

Export: 21,6 Produkte werden in 15 Länder in Europa sowie kleine Mengen auch in die USA und nach Dubai exportiert. (Österreichweit werden rund 50 Prozent des Milchverbrauchs importiert und 30 Prozent der Produktion in über 100 Länder der Welt exportiert)

Partner: Wichtigster Handelspartner ist Deutschland

Menge: 121,5 Millionen Kilogramm wurden 2015 zu 400 Produkten verarbeitet

Investition: 6,3 Millionen Euro unter anderem in das topmoderne Logistikzentrum

Qualität: drei Hofberater, die täglich unterwegs sind und die Höfe kontrollieren

Bio: 20 Prozent der Produkte sind Bio

Tag der offenen Tür: 29. Mai ab 9.30 Uhr mit großer Musikantenparade