So wenig weiß Österreichs Jugend über Finanzen

Experten stellen Österreichs Jugendlichen ein schlechtes Zeugnis im Bereich Finanzwissen aus. Sie fordern mehr Aufklärung an den Schulen. Eine Initiative will Abhilfe schaffen.

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Jeder vierte Österreicher, der zahlungsunfähig ist, ist unter 30 Jahre alt Foto: andriano_cz/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Wer sich in der Welt der Finanzen nicht auskennt, dem drohen böse Überraschungen. Immer mehr junge Österreicher starten ihre Schuldnerkarriere noch vor Vollenden des 18. Lebensjahres – jede vierte zahlungsunfähige Person ist hierzulande unter 30 Jahre alt. "Das lässt leider darauf schließen, dass die betroffenen Erwachsenen während ihrer Kindheit nur wenig im Umgang mit Geld gelernt haben", sagt Prof. Otto Lucius, Gründer und Vorstandsbeauftragter für Finanzbildung des Österreichischen Verbandes Financial Planners.

Kein Fach

Auch Kurt Svoboda, Vorstandsvorsitzender der Uniqa Österreich, attestiert Österreichs Jugendlichen mangelnde Finanzbildung. "Die Lehrpläne mögen okay sein, aber es fehlt der Bezug zur Praxis. Ich würde Finanz- und Bildungssystem stärker miteinander vernetzen", sagt Svoboda gegenüber Weekend. Ein eigenes Schulfach, das sich mit Geld und Finanzen beschäftigt, gibt es derzeit nicht. Das Höchste der Gefühle an allgemeinbildenden Schulen ist aktuell die Zinsrechnung in Mathe. Um Finanzbildung einen höheren Stellenwert einzuräumen, hat der Österreichische Verband Financial Planners nun eine entsprechende Initiative gestartet.

Schulbesuch

Das Programm steht Lehrern und Schulen kostenfrei zur Verfügung. Die an die Schulen entsandten Experten verpflichten sich, absolut neutral über die Welt der Finanzen zu informieren. Die Lehrtätigkeit übernehmen sie unentgeltlich. "Wir haben uns dafür entschieden, in Abstimmung mit dem Bildungsministerium einen produktneutralen Weg zu gehen", sagt Lucius. In Didaktikworkshops werden die Berater in Kooperation mit der Wirtschaftsuni Wien "schulfit" gemacht. Anschauliche Beispiele bringen den Jugendlichen die wichtigsten Finanz­themen nahe. "Ein Paradebeispiel dafür ist die Kugel Eis, die heute für einen Euro zu haben ist, nächstes Jahr z. B. bei 1,10 Euro liegt und in zwei Jahren möglicherweise 1,20 Euro kostet", sagt Lucius. Bei den Zehn- bis 14-Jährigen liegt der Unterrichtsfokus auf dem Wesen des Geldes, unterschiedlichen Zahlungs- und Sparformen und dem Thema Schulden. In der Ober­stufe erhalten Jugendliche Informationen über unterschiedliche Finanzierungs- und Veranlagungsmodelle. Zudem lernen sie, wie sie Risiko identifizieren und damit umgehen können. Der Umfang des Unterrichts ist jeweils von Interesse, Bedarf und Verfügbarkeit der Finanzexperten abhängig. "Ein Hauptziel des Verbandes ist es, Finanzbildung als eigenes Unterrichtsfach in den Schulen zu verankern",­ ­betont Lucius. "Diesem Thema wird seitens der Politik leider noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt."