JUFA nimmt Kurs auf die Adria

Etwas unter dem Radar der Öffentlichkeit hat JUFA-Boss Gerhard Wendl ein Hotelimperium aufgebaut – im „Chefbüro“ verrät er die nächsten Ziele.

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Er gibt den Kurs der JUFA Hotels vor: „Kapitän“ Gerhard Wendl will demnächst auch an der Adria die ersten Häuser eröffnen. Foto: geopho.com

Weekend: Die vielleicht banalste Frage zu Beginn – welches Ihrer bald 60 Hotels ist Ihr liebstes?

Gerhard Wendl: Eigentlich sind das drei. Das eine, zu dem ich eine ganz starke Verbindung habe, weil es das erste war, das wir neu gebaut haben, steht im alten Jesuitenkloster im Judenburger Zentrum. Das zweite, das natürlich eine große Bedeutung für mich gehabt hat, ist unser Flaggschiff in der Hamburger Hafencity – und das dritte, einfach weil ich die Gegend so mag, ist im Ausseerland, wo wir ein wunderschönes Haus am Grundlsee haben.

Weekend: Als Sie das Unternehmen vor 27 Jahren gegründet haben, welches Ziel hatten Sie da?

Gerhard Wendl: Das Ziel war damals eigentlich, einen Super-Job zu haben und nebenbei das Studium fertig zu machen (lacht). Es ist dann doch etwas anders gekommen. Zunächst war es einmal ein Riesenerfolg, überhaupt ein neues Haus zu bauen – dann eines außerhalb der Steiermark, dann außerhalb Österreichs und so weiter. Wir dürfen alle stolz sein, dass sich diese steirische Idee aktuell in vier und wahrscheinlich bald in fünf Ländern entwickelt hat. Ich war letzte Woche erst in Luxemburg, um dort die letzten Details für ein neues Projekt abzuwickeln. Und wir sehen weiterhin sehr großes Potenzial in unserer Idee. Meine Philosophie war aber immer, dass wir unsere Wurzeln zwar modernisieren, aber nie ganz verlassen. Leistbarer Urlaub ist und bleibt unser Thema – und das zu einer guten Qualität. Zwei Zahlen, die das ausdrücken: Wir haben anfangs 25.000 Übernachtungen an drei Standorten gehabt, heuer kommen wir auf 1,5 Millionen in 60 Hotels.

Weekend: Sie haben es gerade angesprochen: Letzte Woche haben Sie in Gurk ihr 59. Haus eröffnet, im November wird dann Saalbach als Nummer 60 folgen – die Zeichen stehen also weiter auf Wachstum, was sind dann die nächsten Ziele?

Gerhard Wendl: Durch das mediale Echo auf unsere Eröffnung in Hamburg haben wir mittlerweile wirklich viele internationale Interessenten, die mit uns arbeiten möchten. Wovon ich überzeugt bin, ist, dass wir unbedingt an die Adria müssen. Wir werden also in den nächsten ein, zwei Jahren mit den ersten Projekten in Kroatien starten und so wohl in drei, vier Jahren die ersten Standorte eröffnen. Dann wollen wir künftig auch in der Schweiz vertreten sein und auch in den Skizentren in Tirol wollen wir weiter wachsen. Und außerdem haben wir auch noch einen sehr exotischen Standort in der Pipeline, wovon ich aber leider noch nichts Näheres verraten kann.

Weekend: Dann versuchen wir es mit einer anderen Frage: Jetzt versprühen Jugendgästehäuser landläufig nicht unbedingt außerordentlich viel Charme, wie ist es Ihnen gelungen, die JUFA Hotels so „sexy“ zu machen?

Gerhard Wendl: Die Idee damals vor 130 Jahren war ja gut, du schaffst eine Möglichkeit, dass Menschen reisen können – nur ist man dann stehengeblieben. Und ich hab mir eben gedacht, wie es aussehen könnte, wenn man alles neu aufsetzt. Da hat es auch intern viele gegeben, die gemeint haben, das macht außer uns niemand – ich habe dann gesagt, ja, genau darum machen es wir. Heuer war die Eröffnung in Hamburg so etwas wie ein Ritterschlag.

weekend: Wie konnten Sie die Verantwortlichen vor Ort von Ihrem Konzept überzeugen?

Gerhard Wendl: Wir haben diesen einzigartigen Platz bekommen, weil auch dort alle an unsere JUFA-Idee geglaubt haben. Wir sind ein Partner, der über viele Jahre bewiesen hat, dass es am Ende keine Verlierer gibt. Der beste Beweis dafür ist vielleicht der, dass wir kleine Standorte, die wir heute wohl nicht mehr machen würden, aber die uns eben am Weg begleitet haben, nicht vergessen. Das unterscheidet uns von anderen Ketten. Da wird verkauft, weil man woanders 2,1 Prozent mehr verdient. Wir wollen auch keine Hotel-Ghettos, wo du den ganzen Tag in einem Bunker eingesperrt bist. Die Interaktion mit der Bevölkerung erachte ich für unerlässlich.

Weekend: Wie wirkt sich der Fachkräftemangel auf Ihre Pesonalsuche aus?

Gerhard Wendl: Der Mitarbeitermarkt ist zweifellos stark umkämpft. Das Einkommen ist das eine, aber das Wichtigste ist das Arbeitsklima und da sind wir gut aufgestellt. Natürlich muss man den Menschen auch Perspektiven bieten. Da tun wir uns halt als wachsendes Unternehmen leichter als andere. Dennoch wird es in Zukunft neue Arbeitsmodelle brauchen – die Leute wollen heute einfach mehr Freizeit, deshalb wird es vielleicht für einen Job, wo früher ein Koch gereicht hat, künftig eben zwei geben.

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