Hinter den Kulissen einer U-Bahnfahrt

„Zurückbleiben bitte. Zug fährt ab!“ Wie schaut eigentlich der Alltag einer U-Bahnfahrerin der Wiener Linien aus und wie verläuft die Ausbildung? Kristina Stampfl (25) ist gelernte Konditorin, seit zwei Jahren U-Bahnfahrerin und liebt ihren Job.

Interview U-Bahnfahrerin Wiener Linien
Foto: Weekend Magazin

Auf welcher Linie fahren Sie?

Hauptsächlich die U1.

Hat man als U-BahnfahrerIn eine Lieblingslinie?

Naja die eigene ist eigentlich die Lieblingslinie. Ich hab damals noch bei der Großfeldsiedlung gewohnt und habe mir die U1 als Linie gewünscht. Jetzt wohne ich in Gänserndorf, aber es ist trotzdem noch am Nähesten. Jetzt bin ich „Springerin“ also quasi eh auf jeder Linie.

Wo steigt man denn bei Dienstbeginn ein? An der Endstation?

Für die U1 gibt es drei Anfangspunkte. Entweder beginnt man am Praterstern, da übernimmt man den Zug vom Kollegen, oder man beginnt in Leopoldau oder Oberlaa und richtet dort einen Zug her.

Was bedeutet herrichten? Was gehört da dazu?

Man kontrolliert ob alle Lautsprecher funktionieren, alle Türen aufgehen, probiert verschiedene Tasten aus, geht den Zug durch und öffnet jede Tür einzeln.

Wie bist du zu dem Job U-Bahnfahrerin gekommen?

Mein Mann ist jetzt schon seit acht Jahren dabei und vor ungefähr 2,5 Jahren bin ich dazu gekommen. Durch meinen alten Job als Konditorin habe ich 12 bis 14 Stunden am Tag gearbeitet und das war mir schon zu viel, aber ich wusste nicht genau was ich stattdessen tun kann. Bei den Wiener Linien gibt es eine Früh- und eine Spätschicht und das waren für mich dann schon geregelte Arbeitszeiten. Der Jobwechsel hat für mich dann auch bedeutet, dass ich meinen Mann öfter sehen konnte.

Gibt es eine Linie, die du gar nicht gerne fährst?

Mittlerweile eigentlich nicht mehr. Ich war nur auf der U1. Früher war die U3 eine wirklich hochfrequentierte Linie, aber die U1 hat mittlerweile auch sehr viele Fahrgäste.

Und wie stehst du als Fahrerin zur U6, die ja für viele Fahrgäste eine unangenehme Linie ist?

Die fahre ich gar nicht, denn um die U6 zu fahren, muss man eine eigene Fahrschule machen. Die U6 fährt noch mit einem Oberleitungssystem und hat Ampelsignale – das haben wir bei den Silberpfeilen nicht.

Wo ist auf Ihrer Linie am meisten los?

Stephansplatz, Schwedenplatz und Reumannplatz sind an der U1 durchgehend die Hotspots. Im Sommer auch die Donauinsel.

Erkennen Sie Ihre KollegInnen, wenn Sie privat als Fahrgast mit der U-Bahn fahren?

Ja, aber sie mich dann meistens nicht, weil wir uns eigentlich nur in der Uniform kennen.

Sieht man als U-BahnfahrerIn in die Waggons?

Nein. Wir haben zwar Kameras und die werden von der Leitstelle angeschaut, wenn etwas wie ein Diebstahl passiert ist, aber wir sehen unsere Fahrgäste nicht. Nur beim Aus- und Einsteigen über die Spiegel in den Stationen.

Wie kann man sich das Fahren einer U-Bahn heute vorstellen? Ist schon alles automatisch?

Nicht alles. Wir fahren zwar mit Automatik – das schon – aber wir schließen die Türen zum Beispiel noch selbst. In der Früh, bis halb sieben, fahren wir  mit Handfahrt, also bremsen und geben Gas wie bei einem Auto. Es gibt aber noch viele Fahrer, die ganztägig per Hand fahren, weil sie das so lieber haben.

Gibt es ein bestimmtes Protokoll, nach dem U-Bahnfahrer handeln müssen, wenn ein Gast z.B. randaliert oder etwas passiert?

Wir müssen auf jeden Fall immer die Leitstelle informieren. Auch sobald wir den Fahrerplatz verlassen. Je nach Situation können wir diese dann nach eigenem Ermessen regeln oder die Polizei anfordern.

Gab es schon einmal einen Zwischenfall bei dem Sie eingreifen mussten?

In einer Nachtfahrt an einem Wochenende wurde von einer jungen Frau die Notbremse gezogen und sie hat mich zu sich in den Waggon gebeten, da sie ein Fahrgast durch die Waggons verfolgt, belästigt und auch Fotos von ihr gemacht hat. Den jungen Herren habe ich dann vor die U-Bahntüre gesetzt, weil ich das in meiner U-Bahn überhaupt nicht dulde. Das hat ganz gut funktioniert.

Wie lange dauert die Schule zum/zur U-BahnfahrerIn?

40 Tage.  Fahren übt man auf einem Simulator und später zu dritt mit einem Fahrlehrer in einem Schulzug jede Strecke auf und ab. Insgesamt 15 Tage fährt man dann schon mit Fahrgästen, aber noch mit einem Fahrlehrer an seiner Seite. Danach gibt es eine Prüfung und wenn man die besteht, ist man U-BahnfahrerIn. 

Interview U-Bahnfahrerin Wiener Linien
Foto: Weekend Magazin