Interview: Zwei Brüder, 1 Restaurant

Restaurant Wrenkh. Seit neun Jahren führen die Brüder Karl und Leo Wrenkh ein erfolgreiches Lokal am Bauernmarkt 10, 1010 Wien. Jetzt starten sie mit ihrem Kochsalon durch und haben sich hohe Zeile gesteckt.

Karl und Leo Wrenkh
Leo und Karl Wrenkh vor ihrem Restaurant im 1. Bezirk. Foto: Christian Mikes

Wie teilt sich die Arbeit bei euch auf?

Karl: Wir teilen alles durch zwei, wobei ich eher die Kochschule betreue und mein Bruder das Restaurant. Mir gefällt die direkte Interaktion mit dem Kunden. Wenn man drei Stunden lang zusammen kocht, ist das einfach persönlicher.

Leo: Ich bin lieber im Restaurant. Ich verstecke mich gerne und bin auch lieber in der Küche als im Service. Das ist das Schöne am Job als Küchenchef: Dass man eine Runde dreht und dann immer wieder zurück in die Küche geht und dort seine Ruhe hat.

 

Kommt es bei euch als Brüder manchmal zu Streitigkeiten?

Beide (lachend): Nein, nie!   

Karl: Es passt eigentlich eh ganz gut: Wir erledigen das Streiten, das andere Geschwister in der Freizeit machen, eben schon in der Arbeit. So können wir auch nach zehn Jahren noch gemeinsam auf Urlaub fahren.

 

Wie läuft so ein Kochkurs bei euch ab?

Karl: Es gibt bei uns zwei verschiedene Events. Am Abend die von Kunden gebuchten Veranstaltungen und am Nachmittag die öffentlichen Kochkurse. Bei den Abendevents ist der Fokus eher auf Spaß, Erlebnis und gute Stimmung in der Gruppe. Wer wirklich etwas lernen will, der muss zu unseren Kleingruppen von maximal zwölf Personen kommen. Wir haben momentan 20 verschiedene Themen. Das geht von der asiatischen Küche, wie Kanton-Küche, indisch, thailändisch und Sushi, über vegan und vegetarisch und „besser essen“ mit Ernährungs-Tipps bis hin zu einem Kurs zu Süßwasser-Fischen und dem Dauerbrenner „Rindfleisch“.

 

Welche Kurse sind eure Favoriten?

Karl: Mein persönlicher Favorit wäre die französische Küche „Mit Champagner kochen“. Leider wird das bei uns nicht so oft gebucht. Da wird französisch gekocht, dazu Champagner getrunken und auch ein wenig davon im Essen verarbeitet. Wir sind große Champagner-Fans!

Leo: Der Favorit ist bei mir momentan die Kanton-Küche. Ich esse sehr gerne asiatisch.

 

Was hebt euch von anderen Familienbetrieben ab? Was macht euch anders?

Leo: Wir schauen besser aus (beide lachen). Schwierige Frage. Ich würde schon sagen, dass wir operativ tätig sind. Bei uns steht einfach nur eine Generation hinterm Herd statt zwei und das macht einen großen Unterschied.

Karl: Wir haben zwar denselben Namen und irgendwo auch die Unterstützung der Eltern, aber im Tagesgeschäft waren immer nur wir. Das hebt uns schon ab. Wenn man einen Betrieb hat ist das auch gut und richtig, weil zwei Chefs schon genug sind.

 

Habt ihr vor noch zu expandieren?

Leo: Nein.

Karl: Auf jeden Fall wollen wir kein zweites Lokal aufmachen. Wir sehen unsere Zukunft eher in die Richtung Groß-Events. Wir wollen einen Weltrekord aufstellen und 1.500 Leute zum Kochen bringen.

Leo: Ich mach lieber Kochbücher und das Fernsehen ist auch noch ein Ziel.

Karl: Bisher machen wir Koch-Videos nur auf Facebook, da unsere Genialität bisher von keinem Sender erkannt wurde (lacht). Jeden Freitag machen wir eine Sendung namens  „1 Rezept & 1 Minute“.

Leo: Der Sinn dahinter ist, dass wir selber entscheiden können was wir machen.

Karl: Wir glauben an unseren gemeinsamen Unterhaltungswert und darum geht es ja grundsätzlich bei einer Sendung. Deswegen auch nur ein Restaurant, denn darum kann man sich zu zweit gut kümmern – auch wenn wir nebenbei andere Projekte am Laufen haben.

 

Merkt ihr den Trend zum Selbstkochen?

Leo: Ja, extrem. Es ist ja weniger das Kochen an sich, sondern das Spiel mit der Sehnsucht nach dem verlorengegangenen Familienverband. Im Durchschnitt werden pro Kochbuch gerade mal zwei Rezepte gekocht.

Karl: Aber danke, dass es den Trend gibt! Da muss man auch immer Jamie Oliver erwähnen, denn ohne den wäre unsere Kochschule nicht so erfolgreich, glaube ich. Diese Vorreiterrolle, das Kochen cool zu machen, muss man ihm schon lassen. Wir dachten eigentlich, dass dieser Trend auch einmal aufhören wird, aber so wie es jetzt ausschaut, wird sich das am Markt etablieren.

 

Wie sehen die Food-Trends im Lokal aus?

Leo: Man kann nicht mehr von einer geraden Linie, einem Trend sprechen. Die Food-Trends überlappen sich, widersprechen sich - zum Beispiel vegan oder paleo - und halten sich parallel am Markt. Das ist zwar kein Trend, aber der Fleischkonsum steigt langsam, aber stetig. Das beobachte ich auch oft im Freundeskreis: Der Schritt hin zum Flexitarier, der nur wenig Fleisch, aber dafür bewusster konsumiert.

 

Leo: Wir sind leidenschaftliche Gastgeber, denen die Arbeit jedes Jahr immer mehr Spaß macht. Und was wollen wir? Wir wollen unseren Gästen eine schöne Zeit schenken – nicht mehr und nicht weniger. Wenn jemand reinkommt und gestresst ist, der nach einer Stunde entspannt wieder rausgeht und sagt „Vielen Dank, es war schön“, dann wissen wir, dass wir unseren Job gut gemacht haben. Das ist wahrscheinlich auch das Beste an der Arbeit in der Gastronomie: das direkte Feedback.

Karl und Leo Wrenkh
Leo und Karl Wrenkh im Interview mit Weekend-Redakteurin Sarah Müller im Restaurant Wrenkh, Bauernmarkt 10, 1010 Wien. Foto: Christian Mikes