Interview Robert F. Hartlauer - Die Corona-Krise

Der „Löwe“ über Home Office, den Online-Handel während der Corona-Krise, wie man mit kreativen Ideen Kunden ohne geöffnete Geschäfte beraten kann und was er sich von der Regierung noch wünschen würde.

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Robert F. Hartlauer Foto: Hartlauer

Weekend.at: Haben eigentlich auch Sie Ihre Arbeit auf Home Office umgestellt? 

Hartlauer: Ja, natürlich! Anstatt ins Büro zu gehen, setze ich mich an den Schreibtisch bei mir zu Hause. Dort habe ich alle notwendigen Kommunikationsmittel für Videokonferenzen usw. Wobei ich darauf achte, dass ich, wie sonst auch, immer ordentlich gekleidet bin. Denke, das ist nicht unwichtig in einer solchen Situation.

 

Weekend.at: War die Umstellung schwierig? 

Hartlauer: Nein, im Grunde gar nicht, weil wir ohnehin auch schon bisher technisch sehr gut unterwegs waren. Man ist halt daheim. Interessanterweise kommt meine Tochter öfter zu mir ins Büro herein und hört zu wie ich telefoniere. Natürlich informiere ich meine Gesprächspartner darüber. 

 

Weekend.at: Sie sind auch Online-Händler. Haben sich die Onlinegeschäfte gesteigert? 

Hartlauer: Wir machen natürlich mehr Online-Umsatz. In einigen Bereichen haben wir relativ hohe Zuwächse. Drucker, Druckerpapier oder andere Büroartikel werden verstärkt nachgefragt. Interessanterweise kann man keine Schwerpunktartikel erkennen – die Steigerungen gehen quer durch das Produktsortiment. An die Umsätze unseres stationären Handels in den Geschäften kommen wir jedoch weit nicht heran. Unser Kerngeschäft ist ganz einfach beratungsintensiv.

 

Weekend.at: Wäre es denn nicht möglich beispielsweise den Hörgerätebereich in den Geschäften zu öffnen? 

Hartlauer: Nein, das wäre einfach momentan unverantwortlich. Die Zielgruppe gehörte zum Teil zu den besonders gefährdeten Personengruppen. Schließlich muss das Hörgerät angepasst werden und dadurch kommt man dem Kunden sehr nahe.

 

Weekend.at: Online Beratung – ist das in Teilbereichen möglich? 

Hartlauer: Wir haben eine Hotline eingerichtet. Dort können Kunden beispielsweise ihre Handyverträge verlängern, einen neuen Vertrag unterschreiben, Datenvolumen anpassen usw. Die Beratung erfolgt einfach über das Telefon. Der Kundenberater schaut sich im Computer die verschiedenen Varianten an und bespricht diese mit dem Kunden. 

 

Weekend.at: Und wie unterschreibt der Kunde dann den Vertrag? Wird dieser zugeschickt? 

Hartlauer: Nein, das geht ganz  einfach. Wir haben eine App, mit der die Unterschriften total einfach und schnell eingeholt werden können. Das funktioniert erstaunlich gut. Der Vertrag wird mit diesem Programm einfach zugesendet und kann sofort unterschrieben werden.

 

Weekend.at: Die Krise macht also auch erfinderisch? 

Hartlauer: So gesehen, ja. Dieses System könnten wir in Zukunft generell anbieten. 

 

Weekend.at: Wenn Sie sich derzeit wirtschaftlich gesehen etwas wünschen dürften – was wäre das? 

Hartlauer: Zum einen beispielsweise, dass wir alle jetzt und auch zukünftig besonders darauf achten bei österreichischen Händlern und Onlineportalen einzukaufen. Das ist sehr wichtig. Zum anderen, dass die Regierung ehrlich zu uns ist. Anders ausgedrückt: die Unternehmen müssen wissen, wie lagen die Einschränkungen gelten. Es ist derzeit kaum möglich ordentlich zu planen. Natürlich ist es derzeit für die Regierung nicht leicht abzuschätzen wie lange es dauern wird, bis wieder einigermaßen Normalität herrscht. Trotzdem wird es wichtig sein, uns reinen Wein einzuschenken. Das würde bei der weiteren Planung extrem helfen.

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