Ein Salzburger Erfolgsgarant: Adi Hütter im Gespräch mit Weekend

Wo Adi Hütter als Trainer Kommando führt, lassen Triumph und Euphorie nicht lange auf sich warten. Aktuell begeistert er mit Eintracht Frankfurt ganz Fußball-Deutschland. Weekend gewährte er Einblicke in seine Welt.

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Weekend: Der erste Europa League- Viertelfinaleinzug seit 1994 wird in Frankfurt euphorisch bejubelt. Ist den Hessen eigentlich bewusst, dass es damals ausgerechnet Sie waren, der mit seinem Tor für Austria Salzburg maßgeblichen Anteil am Frankfurter-Aus hatte?

Hütter: Das ist natürlich Thema und ich wurde auch mehrfach darauf angesprochen. Für mich ist es eine schöne Erinnerung an eine erfolgreiche Zeit. Es war auch ein besonderes Gefühl, genau 25 Jahre nach dem UEFA-Cup-Finale gegen Inter Mailand als Trainer in das Stadion zurückzukehren. Umso schöner, dass ich nach dem 0:1 von damals jetzt mit Frankfurt 1:0 gewinnen und den Aufstieg feiern konnte.

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Weekend: Grödig schaffte unter Ihnen den Aufstieg in die Bundesliga, Red Bull Salzburg holte das Double, YB Bern den ersten Meistertitel seit 32 Jahren und Frankfurt ist so erfolgreich wie lange nicht. Wie gelingt es Ihnen, stets diesen unbändigen Siegeswillen zu entfachen?

Hütter: In Bern habe ich erlebt, dass man einer Mannschaft eine gewisse Sieger- Mentalität einimpfen kann. Einfach, indem man ihnen die richtige Einstellung vorlebt. Wenn du als Trainer zufrieden bist, merken das die Spieler und sind es auch. Es geht darum, hungrig und ehrgeizig zu bleiben und immer nach Höherem zu streben. Auch nach Siegen. Ich stecke mir die Ziele sehr hoch und erwarte das auch von meinem Team.

Weekend: Sie gelten als zurückhaltender Perfektionist, wirken dabei dennoch nicht unnahbar. Ist genau das Ihr Erfolgsgeheimnis?

Hütter: Ich lache nicht ständig aus Boulevard-Medien, weil ich das einfach nicht will. In meinen Augen musst du als Trainer stets professionell auftreten und möglichst unantastbar sein. Dazu gehört es, eine gewisse Distanz zu Spielern und dem Umfeld zu wahren. Das heißt nicht, dass man den Menschen nicht offen begegnet.

Weekend: Martin Hinteregger meinte vor Kurzem, er habe noch nie zuvor erlebt, dass ein Team so positiv von einem Trainer spricht. Hätte der Spieler Adi Hütter auch gerne unter Ihnen trainiert?

Hütter: Ich denke, das hätte gut gepasst. Als Trainer mag ich Spielertypen, die ehrgeizig und konsequent sind, dazu eine gute Mentalität haben. Früher habe ich korrekte, authentische Trainer geschätzt – und so versuche ich auch zu agieren. Ich habe viel dazugelernt und bin gereift. Früher war ich oft zu emotional, zu verbissen. Mittlerweile fokussiere ich mich auf die Sache, bin aber auch flexibler geworden.

Weekend: Zu Beginn der Saison wurden Sie in der Deutschen Bundesliga noch als Entlassungskandidat Nummer eins gehandelt ...

Hütter: Wir hatten im Sommer mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, die Vorbereitung war alles andere als optimal. Es braucht einfach Zeit, bis die Arbeit eines Trainers greift und die Spieler die Philosophie verinnerlichen. Umso schöner ist es zu sehen, was wir seither erreicht haben und welch große Euphorie wir mit unseren Ergebnissen, unserem Auftreten und unserer Art Fußball zu spielen in Frankfurt entfachen.

Adi Hütter
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Weekend: Wie darf man sich einen Arbeitstag von Adi Hütter vorstellen?

Hütter: Im Endeffekt dreht sich 24 Stunden alles um Fußball. Vor dem Training frühstücke ich mit dem Trainerteam und wir besprechen alle Anliegen. Nach der Einheit mit der Mannschaft stehen oft Medientermine oder andere Verpflichtungen an. Viel freie Zeit bleibt meist nicht. Abends schaue ich internationale Fußballspiele, höre entspannende Musik oder gehe gerne gut essen.

Weekend: Als Spieler haben Sie sich einst gegen einen Auslandstransfer entschieden. War das mitunter Ihr Antrieb, als Trainer den Sprung schaffen zu wollen?

Hütter: Definitiv. Nach dem Abschied bei Red Bull Salzburg stand ich als Trainer vor schwierigen persönlichen Entscheidungen. Als dann das Angebot aus Bern kam, habe ich mich an die verpasste Chance von damals erinnert und mir war klar, dass ich diesmal die Komfortzone verlassen muss. Auch, wenn es kein leichter Schritt war – vor allem, weil meine Frau und Tochter in Salzburg geblieben sind. Sie haben mich auf meinem Weg unterstützt. Anders wäre das alles gar nicht möglich gewesen.

Weekend: Und wo soll dieser Weg mit Blick in die Zukunft hinführen?

Hütter: Ich versuche immer, kleine Schritte zu gehen. Es war ein großes Ziel, mich in Deutschland zu behaupten und mir ein gewisses Standing zu erarbeiten. Frankfurt wurde zu Saisonbeginn als Abstiegskandidat gehandelt, jetzt sind wir vorne dabei und als einzige deutsche Mannschaft noch in einem internationalen Bewerb. Wer hätte das gedacht?

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Titel als Trainer

Meister Erste Liga SV Grödig

Meister Bundesliga FC Red Bull Salzburg

Cupsieger FC Red Bull Salzburg

Meister Schweiz mit YB Bern