Imam Fikret Fazlić: „Daham“ im Islam

In der Grazer Moschee. Mit 27 Jahren ist Fikret Fazlić der Imam der Bosniaken-Gemeinde in der Landeshauptstadt und damit Hüter der größten islamischen Kommune in Österreich.

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Fikret Fazlić konnte beim islamischen Opferfest oder „Fest des Näherkommens“ 2.500 Gläubige in der Grazer Moschee begrüßen. Foto: geopho.com

Weekend-Lokalaugenschein beim Islamischen Kulturzentrum Graz: Das rund 12.000 m2 große Areal in der Laubgasse im fünften Bezirk unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht großartig von den umliegenden Industriebetrieben. Auch hier wird bei unserem Besuch fleißig gearbeitet – die Vorbereitungen für das Opferfest, das höchste islamische Fest (31.8. bis 4.9.), laufen auch Hochtouren. „Ich glaube, ihr sucht mich“, kommt ein junger Mann lächelnd auf uns zu. Fikret Fazlić ist seit November des Vorjahres Imam der bosnischen Gemeinde in Graz.
5000 Menschen. Als jüngster Imam Österreichs kam der heute 27-Jährige aus dem bayrischen Penzenberg in die steirische Landeshauptstadt. Hier betreut er die mit rund 5.000 Menschen größte islamische Gemeinde Österreichs. „Graz ist eine wunderschöne Stadt mit viel Kultur und einer reichen Geschichte – meiner Familie und mir ist die Eingewöhnung nicht schwer gefallen“, erklärt der Geistliche mit serbischen Wurzeln.
Schritt für Schritt. Seit dem Kauf des Areals durch die Bosniaken-Gemeinde hat sich in der Laubgasse einiges getan. „Am Ende des Tages soll hier eben  ein richtiges islamisches Kulturzentrum, mit einer Schule, einem Café und diversen Sportmöglichkeiten entstehen – es soll auch ein Ort der Begegnung werden“, erklärt Fazlić, als er uns durch das Herzstück des Areals führt –  die Moschee, die ist zwar noch nicht ganz fertig, ihre (Teil-) Nutzung aber seit wenigen Wochen auch behördlich genehmigt. Graz hat damit neben Wien die zweite wirkliche Moschee Österreichs. Auch das (stumme) Minarett steht bereits. Als nächste Schritte folgen nun die Wasserbecken rund um die Moschee und die Glasfassade. „Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr fertig werden.“ Das Geld dafür stammt aus Spenden der Gemeinde, wie Fazlić betont. Dass Teile der insgesamt rund 13 Millionen Euro auch aus dem Ausland (Vereinigte Arabische Emirate) kommen, will er nicht verhehlen. „Der Großteil stammt aber aus der Gemeinde. Wenn ein Land Geld spendet, will es als Gegenleistung natürlich immer etwas haben – im Gegensatz zu anderen Gemeinden wollen wir uns nicht abhängig machen.“

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Interview im großen Gebetsraum der Moschee: Fikret Fazlić mit Weekend-Chefredakteur Marcus Stoimaier. Foto: geopho.com


Predigt auf Deutsch. Gepredigt wird übrigens auf Bosnisch und Deutsch. „Momentan ist es noch mehr auf Bosnisch – aber ich will das ändern. Schon allein, weil die Jungen im Deutschen besser verwurzelt sind und auch immer mehr Gläubige aus der Türkei oder anderen Ländern zu uns kommen, die kein Bosnisch sprechen.“
Islam-Kritik. Dass der Islam in Österreich, wie auch im Rest von Europa, durch den IS-Terror kritisch beäugt wird, dessen ist sich der Imam bewusst. „Man soll den Islam auch kritisch sehen. Im Koran fragt Gott: Warum fragt ihr nicht? Der Islam hat aber mit Terrorismus nichts zu tun – er wird nur von diesen Menschen dafür missbraucht. Deshalb haben nach den jüngsten Terrorangriffen auch alle 310 Imame Österreichs eine Deklaration gegen den Terror unterschrieben – auch in meinen Predigten verurteile ich diese Taten scharf.“ Dabei greift er auch das Reizthema Integration auf. „Ich versuche zu vermitteln, dass man, wenn man in Österreich leben will, die Gesetze und Werte dieses Landes, das ja auch unser Land ist, respektieren muss, wozu uns auch der Islam lehrt. Das gilt übrigens auch für das Burkaverbot – wenn das hier Gesetz ist, und in das Gesetz und die Rechtsstaatlichkeit haben wir volles Vertrauen,  hat man sich daran zu halten.“
Dialog. Wie schon in Penzenberg liegt Fazlić besonders der interreligiöse Dialog am Herzen. „Ich war etwa auch schon bei Gottesdiensten in der Pfarre St. Johannes – Christentum, Judentum und der Islam haben am Ende des Tages ja mehr Gemeinsames als Trennendes.“

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