Begleitung auf dem letzten Weg

Sie sind da, wenn das Leben leise(r) wird - einfühlsam und professionell stehen HospizbegleiterInnen ehrenamtlich Menschen in ihrer letzten Lebensphase bis hin zum Tod zur Seite. Caritas, Diakonie und Rotes Kreuz bieten Ausbildungen an.

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Caritas, Rotes Kreuz und Diakonie bieten in Kärnten Lehrgänge an, in denen man sich zu HospizbegleiterInnen ausbilden lassen kann Foto: KATARZYNABIALASIEWICZ/ISTOCK/GETTY IMAGES

Sterben und Tod sind Themen, die unsere Gesellschaft immer noch gerne ausspart“, sagt Eva Maria Wer-ig, Bereichsleiterin bei der Caritas Kärnten. Ein Jahr lang begleitete sie 17 Menschen bei ihrer Ausbildung zu HospizbegleiterInnen. Die Caritas bietet diese Weiterbildung seit 2006 an, etwa 500 Menschen haben den Kurs bereits absolviert. „Im Hospizlehrgang, der nicht so selbstverständlich ist wie etwa ein Computerkurs, haben sich die TeilnehmerInnen auch viel mit der eigenen Vergänglichkeit auseinandergesetzt“, weiß Wernig. Das sei sogar das Um und Auf, um schwerstkranke und sterbende Menschen in Pflegeheimen, auf Palliativstationen oder zu Hause einfühlsam und gleichzeitig professionell begleiten zu können.

Neue Strukturen

Faktum sei, so die Leiterin des Bereichs Pflege und mobile Betreuung, dass die Nachfrage nach Hospizbegleitung ständig und stetig steigt. „Die klassische Großfamilie, in der man die Oma bis zum Tod liebevoll begleitet hat, gibt es heutzutage nämlich einfach nicht mehr.“ Und obwohl die Caritas derzeit 135 aktive ehrenamtliche MitarbeiterInnen im Besuchs- und Hospizdienst - verteilt auf das ganze Bundesland - habe, könne die Organisation den steigenden Bedarf derzeit nicht decken.

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„In dem Kurs, der nicht so selbstverständlich ist wie ein Computerkurs, muss man sich auch mit der eigenen Vergänglichkeit auseinandersetzen.“ Eva Maria Wernig Bereichsleitung Caritas Kärnten Foto: Caritas Kärnten

Trost

Sterben und Trauer würden nicht erst in der letzten Phase beginnen, sondern schon vorher, im kleinen Loslassen vom Leben. Mit der Verabschiedung der Mobilität, mit dem von anderen Menschen abhängig werden. Die KursteilnehmerInnen, die neben der Theorie auch ein 40-Stunden-Praktikum absolvieren, müssen sich während ihrer Ausbildung mit den Themen Kommunikation, Demenz, dem „Kommunikationsmittel“ Validation und palliative Betreuung sowie spirituellen Fragen zu Krankheit, Sterben und Tod intensiv auseinandersetzen.

Loslassen

Wernig: „Wenn uns Leidvolles widerfährt, wollen wir trösten, oftmals auch wegtrösten. Wo Trösten aber nicht mehr hilft, gilt es, da zu sein und die Sprachlosigkeit miteinander auszuhalten.“ Sie - die HospizbegleiterInnen - hätten nicht das Problem der aktiven Sterbehilfe zu diskutieren, sondern darüber zu reden, dass das Sterben von Menschen, deren Leben kraftlos wird und die einfach genug haben, erlaubt ist und auch zugelassen wird.

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2017 wurde in Kärnten ein spezialisiertes Hospizteam für Kinder und Jugendliche, 2018 eines für Menschen mit Behinderung eingerichtet Foto: CHINNAPONG/ISTOCK/GETTY IMAGES

Motive

Angesprochen auf die Motivation der ehrenamtlich Tätigen, sich in einem solch sensiblen und eigentlich von Trauer dominierten Bereich zu engagieren, sagt Wernig: „Persönliche - positive wie negative - Erfahrungen bei diesem Thema sind ein großer Motivator für unsere HospizbegleiterInnen. Außerdem möchten viele in ihrer Pension eine sinnstiftende Aufgabe übernehmen. Weiters haben wir auch viele MitarbeiterInnen aus dem Pflegebereich, die Defizite erkennen und sich mittels der Weiterbildung entsprechende Kompetenzen aneignen möchten.“

Dankbarkeit

Auch Caritas Kärnten-Direktor Josef Marketz weiß um den Wert der ehrenamtlichen Arbeit. „Es ist gut, wenn jemand da ist, der den Menschen am Rande des Lebens abholt, bei ihm ist und seine Hand hält.“ Es sei ein Geschenk für die sterbenden Menschen aber auch für die Begleiter.

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„Es ist gut, wenn jemand da ist, der den Menschen am Rande des Lebens abholt, bei ihm ist und seine Hand hält. Es ist ein Geschenk für beide Seiten.“ Josef Marketz Direktor Caritas Kärnten Foto: Caritas Kärnten

Lehrgänge

Caritas Kärnten: Die Caritas Kärnten hat es sich 2006 zur Kernaufgabe gemacht, kranke und sterbende Menschen und deren Angehörige zu begleiten. Am 22. November 2019 startet der nächste Lehrgang. Anmeldungen sind unter e.wernig@caritas-kaernten.at möglich.

Rotes Kreuz: Die Ausbildung zum Hospizbegleiter wird vom Roten Kreuz bereits seit 2009 angeboten. Auch dabei ist „Aus Liebe zum Menschen“ einer der Leitgedanken. Für den Kurs im Jänner 2020 kann man sich unter ausbildung@k.roteskreuz.at bewerben.

Diakonie de La Tour: Zwei bis drei Mal im Jahr findet ein 94 Stunden umfassender Hospiz-Grundkurs der Diakonie de La Tour statt.

Allgemeine Infos: www.klv-hospiz.at

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