Hinter den Kulissen: Susanna Boehm

Susanna Boehm hat vor 27 Jahren als Sommermitarbeiterin bei den Bregenzer Festspielen begonnen. Seit Jahresbeginn ist die gebürtige Münchnerin Ausstattungsleiterin und somit für all das zuständig, was das Publikumsauge sieht. Dazu gehören nicht nur Kostüme, Perücken und Requisiten, sondern auch das Aussehen der Opernkulisse. Sie selbst sieht sich als Mittlerin zwischen Bühnenbildner und Technik.

Susanna Boehm
„Die Natur um die Seebühne spielt eine wichtige Rolle für die Aufführungen.“ Susanna Boehm. Foto: walser-image.com

Weekend: Erzählen Sie mir bitte von Ihren Anfängen bei den Bregenzer Festspielen.
Susanna Boehm:
Meinen ersten Kontakt mit den Festspielen hatte ich als 16-Jährige bei einer Fahrradtour um den Bodensee. Schon damals war ich begeistert von der Seebühne. Nach meinem ersten Studienjahr in Rom bewarb ich mich für eine Assistentenstelle beim damaligen Bühnenbildner Florian Kradolfer. Ich hätte nicht damit gerechnet den Job zu bekommen. Das war eine tolle Chance.

Weekend: Sie haben lange in Metropolen wie Rom und Berlin gelebt. Wie gefällt es Ihnen in Bregenz?   
Susanna Boehm:
Mir gefällt es so gut, dass ich mich frage, was ich ohne die Natur gemacht habe. Ein Blick auf die Weiten des Sees und die gewaltige Natur hilft mir Probleme des kleinen Theaterkosmos relativieren zu können.

Weekend: Was ist das Besondere an einem Arbeitsplatz bei den Bregenzer Festspielen?  
Susanna Boehm:
Die Atmosphäre des Hauses ist entspannt und die Hierarchien sind flach. Als Frau unter vielen Technikern fühle ich mich stets auf Augenhöhe behandelt. Besonders toll finde ich die abwechslungsreiche Arbeit mit großen Künstlern.

Weekend: Was sind Ihre Aufgaben als Ausstattungsleiterin?
Susanna Boehm:
Ich fungiere als Schnittstelle zwischen Kunst und Technik. Oft müssen wir Kompromisse zwischen den Ideen des Bühnenbildners und den technischen Möglichkeiten finden. Dabei ist es wichtig, dem Bühnenbildner die Dimension der Seebühne und die damit einhergehenden Möglichkeiten aber auch Schwierigkeiten bewusst zu machen. Die außergewöhnlichen Gegebenheiten sind auch für erfahrene Künstler eine Herausforderung.

Weekend: Was sind die Unterschiede zwischen der Planung eines Bühnenbildes für die Seebühne und für konventionelle Theaterbühnen?
Susanna Boehm:
Der zeitliche Vorlauf für eine Seeaufführung ist ein längerer und komplexerer. Im Durchschnitt arbeiten wir mindestens drei Jahre für eine Seekulisse. Auch der Aufbau bringt einige Hürden mit sich.

Weekend: Welches Bühnenbild der Bregenzer Festspiele hat Ihnen am besten gefallen?
Susanna Boehm:
Zu meinen Top-Drei-Favoriten gehören momentan Carmen, André Chénier und Nabucco. Am besten gefällt mir aber immer jenes Bühnenbild, an dem ich gerade arbeite. 

Weekend: Was ist das Besondere am Bühnenbild von Carmen?
Susanna Boehm:
Das Schöne an der diesjährigen Kulisse ist die Leichtigkeit, die sie trotz der massiven Bauteile ausstrahlt. Auch die Hände sehen anmutig aus. Mir gefällt es, dass eine Geste und nicht nur ein Körperteil materialisiert wurde. Schwierig war es, die Lautsprecher hinter den Karten und Händen zu verstecken. 

Susanna Boehm
„Durch die Hände und Spielkarten wirkt das diesjährige Bühnenbild leicht und anmutig.“ Susanna Boehm. Foto: walser-image.com

Zur Person: SUSANNA BOEHM

  • geboren 1965 in München
  • verheiratet, 1 Sohn
  • Keramiklehre
  • Praktikum in den USA
  • Studium in Rom
  • seit 2017 Ausstattungsleiterin bei den Bregenzer Festspielen
  • Hobbies: Schwimmen, Fahrradfahren