Exklusiv: Herwig Straka im großen Weekend-Talk

Herwig Straka ist Manager von Dominic Thiem, Turnierdirektor der Erste Bank Open und Mitglied im ATP Bord. Im Weekend-Interview spricht er über Persönlichkeitsentwicklung und Ehrlichkeit.

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Foto: Chris Zenz

Weekend: Sie sind Spielermanager, Turnierveranstalter und Mitglied im ATP Board. Würde da nicht die Funktion des ÖTV-Präsidenten gut dazu passen?

Herwig Straka: Das bin ich schon öfter gefragt worden. Einer der Gründe, warum ich das nicht mache, ist die Struktur, die im Österreichischen Tennisverband herrscht. In einem kleinen Land wie Österreich hat Förderalismus in einem Verband nichts verloren. Es ist wichtig, dass es Landesverbände gibt, aber im ÖTV sollte eine Person oder ein Gremium entscheiden. Man müsste das System dringend ändern. Im Übrigen hätte ich momentan ohnehin nicht die Zeit.

Weekend: Kommen wir zu Dominic Thiem. Welche Aufgaben fallen einem Spielermanager eignentlich zu?

Herwig Straka: Das ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Ich vermarkte ja noch andere Sportler wie Thomas Vanek, Markus Schopp oder auch Thomas Muster. Bei Thiem ist es das ganze Paket. Da bin ich so etwas wie ein ständiger Begleiter in allen Lebenslagen. Das beginnt bei wirtschaftlichen Dingen und geht bis hin zu Persönlichkeitsentwicklung, Markenbildung und PR-Tätigkeit.

Weekend: Sie sind ja auch bei fast allen Turnieren dabei. Was ist Ihre Aufgabe vor Ort?

Herwig Straka: Das Thiem-Team ist mittlerweile so groß, dass es für jeden Bereich eine verantwortliche Person gibt. Das Wichtigste ist, dass Dominic frei und unbeschwert spielen kann, dass ihm alles andere abgenommen wird.

Weekend: Mischen Sie sich auch in den sportlichen Bereich ein?

Herwig Straka: Ich schaue mir die Trainings natürlich an, und wenn mir was auffällt an seinem Spiel oder am Gegner, dann bespreche ich das entweder mit Nicolas Massu oder Wolfgang Thiem. Aber ich kommuniziere im sportlichen Bereich nie mit Dominic direkt. Das wäre kontraproduktiv.

Weekend: Sie haben erwähnt, dass es auch um Persönlichkeitsentwicklung geht. Was darf man sich darunter vorstellen?

Herwig Straka: Mir ist es von Anfang an darum gegangen, dass Dominic mehr Freiheiten bekommt, dass er selbst mehr entscheidet. Mein Credo war immer: Wenn er am Platz die richtigen Entscheidungen treffen soll, muss er das auch abseits des Platzes tun. Ich gebe ihm die Möglichkeit, überall mitzureden. Das soll seine Persölnlichkeit und sein Standing im Leben stärken.

Weekend: Er ist also, anders als bei Günter Bresnik, der Chef im Team Thiem?

Herwig Straka: Natürlich wird er von allen Team-Mitgliedern im jeweiligen Bereich entsprechend beraten. Aber ja, wir arbeiten ihm zu, die letzte Entscheidung trifft er selbst.

Weekend: Wie ist Ihr Verhältnis zu Günter Bresnik heute?

Herwig Straka: Neutral. Es ist nicht besser oder schlechter als vorher. Wir haben nie ein freundschaftliches Verhältnis gehabt, aber es war immer von Respekt geprägt. Ich glaube, sagen zu können, dass ich von allen das beste Verhältnis zu Günter Bresnik habe.

Weekend: Thiem ist die Nummer drei in einer Weltsportart. Wird diese Leistung genug gewürdigt?

Herwig Straka: Ich glaube, mit den Australien Open ist die Akzeptanz noch einmal enorm gestiegen. Mittlerweile haben die Menschen registriert, dass Dominic in einer Weltsportart ein Weltstar ist. Viele glauben zwar immer noch, dass Skifahren auch eine Weltsportart ist. Dieser Glaube hält sich aber nur im österreichischen Universum. Ich habe beispielsweise in Australien Matteo Berretini, der in Rom aufgewachsen ist, gefragt, ob er Marcel Hirscher kennt. Seine Antwort: nie gehört!

Weekend: Macht es in der Vermarktung einen Unterschied, ob Thiem die Nummer drei oder vier ist?

Herwig Straka: Nicht wirklich, auch nicht, wenn er die Nummer zwei wird. Nummer eins oder ein Sieg bei einem Grand Slam bedeutet dann einen weiteren Sprung. Das würde in der Vermarktung noch einmal einen Boost auslösen.

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Foto: Chris Zenz

Weekend: Wie schwer ist es grundsätzlich, einen Österreicher international zu vermarkten?

Herwig Straka: Definitiv schwer. Die Größe des Heimmarkts spielt eine wichtige Rolle. Erst wenn du ein wirklicher Superstar bist, ist die Herkunft weniger wichtig. Roger Federer ist einer der wenigen, der vielleicht stärker von seinem Heimmarkt losgelöst ist. Aber selbst er hat vorwiegend Sponsoren aus der Schweiz.

Weekend: Gibt es Sponsoren, die ihr nicht nehmen würdet, zum Beispiel Glock?

Herwig Straka: Man wird sicher keinen Sponsor verpflichten, der nicht zu Dominic passt. Vielleicht gibt es mal ein unmoralisches Angebot, wo man über eine Grauzone nachdenkt. Glock gehört nicht dazu. Das ist keine Grauzone.

Weekend: Wie ist das Verhältnis zwischen Sponsorgeldern, Antrittsgeld und Preisgeld in Prozenten?

Herwig Straka (lacht): Wenn ich euch das sagen würde, könntet ihr die Summen problemlos ausrechnen. Eine Faustregel ist: Je erfolgreicher der Spieler ist, desto stärker ist der Anteil aus Vermarktung und Antrittsgeldern.

Weekend: Fehlt Thiem zur Nummer eins vielleicht nur noch Cleverness?

Herwig Straka: Nehmen wir das Australian Open-Finale her. Novak Djokovic hat sicher die Grenzen des Erlaubten ausgereizt und letztlich gewonnen. Dominic will so aber keinesfalls siegen. Er will nur gewinnen, wenn er der bessere Tennisspieler ist. Er ist halt grundehrlich.

Weekend: Welche Rolle spielt Erfahrung?

Herwig Straka: Eine sehr große. Ich glaube, dass er gegen Nadal heuer in Paris eine noch größere Chance hat, falls beide ins Finale kommen. Er hat jetzt die Erfahrung von drei Grand Slam-Finali. Das wird enorm helfen.

Weekend: Wie weit wäre Thiem, hätte er mit 22 Jahren einen Trainer wie Nicolas Massu und einen Manager wie Herwig Straka gehabt?

Herwig Straka: Was wäre wenn kann man nicht beantworten. Vielleicht wäre es auch schlechter gelaufen. Ich glaube, dass Bresnik im sportlichen Bereich viel geleistet hat, im Management wäre mehr möglich gewesen.

Zur Person

Herwig Straka, gebürtiger Steirer, ist seit 1991 im Tenniszirkus aktiv. Er ist Turnierdirektor der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle, ATP Board Member und Manager von Dominic Thiem. Mit seiner "elmotion Group" betreut er internationale Sport-Events und managt Sportler wie Thomas Vanek und Thomas Muster.