Held von Morgen: Sebastian Ofner im Interview

Die aktuelle Nummer drei in der österreichischen Tennis-Hierarchie spricht im Weekend-Interview über seine Saison-Highlights, seinen neuen Spitznamen, die Ziele für das kommende Jahr und Karriere-Tipps für den Tennis-Nachwuchs.

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Weekend: Eine ereignisreiche Saison geht für dich zu Ende. Wie zufrieden bist du mit deinen Leistungen? 
Sebastian Ofner: Eigentlich sehr zufrieden. Ich habe am Anfang der Saison noch Future-Turniere gespielt und da schon recht gute Ergebnisse erzielt. Auch auf der Challenge-Tour waren einige gute Turniere dabei, ich muss aber noch konstantere Leistungen bringen.

Weekend: Du überwinterst auf Platz 132 der Weltrangliste. Was sind deine Ziele für die kommende Saison?
Sebastian Ofner: Vorrangiges Ziel ist es, unter die Top-100 zu kommen und mich dort zu etablieren. Dann schauen wir, wie es weitergeht.

Weekend: Was war für dich wichtiger? Das Semifinale in Kitzbühel oder die dritte Wimbledon-Runde?
Sebastian Ofner: Natürlich war Kitzbühel etwas ganz Besonderes. Es war auch das erste Turnier auf der Tour, bei dem ich fix für den Hauptbewerb qualifiziert war. Sich dann vor Heimpublikum bis ins Halbfinale zu spielen, war ein unglaubliches Gefühl. Trotzdem war Wimbledon aber noch eine Nummer größer.

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Weekend: Kann man sagen, dass Rasen dein neuer Lieblingsbelag ist?
Sebastian Ofner: Schwierig zu sagen. Es war ja das erste und bisher einzige Rasenturnier, das ich gespielt habe. Aber natürlich verbinde ich mit dem Belag ein gutes Gefühl. Kommendes Jahr werde ich versuchen, vor Wimbledon ein Turnier auf Rasen zu spielen, um noch besser vorbereitet zu sein.

Weekend: Hat sich der Wimbledon-Erfolg auch abseits der Weltrangliste positiv ausgewirkt?
Sebastian Ofner: Sehr sogar: Neben Ausstatter- und Sponsoringverträgen, habe ich mit Günther Bresnik auch einen Manager bekommen, der mir bei der weiteren Sponsorensuche unter die Arme greift. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass ich vermehrt mit Dominic Thiem trainieren kann.

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Weekend: Ist die Entwicklung von Dominic Thiem ein Ansporn für dich?
Sebastian Ofner: Dominic hat eine beeindruckende Entwicklung gemacht und ich kann sehr viel von ihm lernen. Für mich ist es wichtig, mit solchen Spielern trainieren zu können, um mich an diese Art von Schlägen zu gewöhnen. Im Training kann ich ganz gut mithalten, wenn wir aber um Punkte spielen, schaut das Ganze gleich ganz anders aus.

Weekend: Wie gut kann man vom Tennisspielen leben?
Sebastian Ofner: Das kommt auf die Weltranglisten-Platzierung an. Wenn man die Kosten gegenrechnet, verdient man bei Future-Turnieren kein Geld. Mit guten Ergebnissen bei Challenger-Turnieren schafft man es zumindest, ein kleines Plus zu machen. Deshalb ist es auch so wichtig, sich in den Top-100 zu etablieren und somit fix auf der „großen“ Tour zu spielen.

Weekend: Nachdem du in Wimbledon von deinen Kollegen den Spitznamen „Falco“ bekommen hast, ist das Haargel wieder im Schrank verschwunden. Hat dir der Spitzname nicht gefallen?
Sebastian Ofner: Nein, der Spitzname hat mich nicht gestört. Falco war schließlich eine Legende. Der Styling-Aufwand war mir auf Dauer aber zu groß. Es ist ziemlich mühsam, sich nach jedem Training und jedem Spiel wieder so stylen zu müssen.

Weekend: Wirst du auf der Straße schon erkannt?
Sebastian Ofner: Ich bin schon einige Male erkannt worden und es freut mich, dass ich mit meinen Leistungen auf mich aufmerksam gemacht habe. Es sind aber hauptsächlich Fans, die sich sehr genau mit dem Sport beschäftigen.

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Weekend: Zuletzt äußerte Thomas Muster Kritik an den Bedingungen im Leistungszentrum Südstadt. Wie siehst du die Situation?
Sebastian Ofner: Ich kann die Kritik eigentlich nicht nachvollziehen. Aus meiner Sicht gibt es in der Südstadt die besten Voraussetzungen, um Erfolg zu haben. Die kurzen Wege zwischen Trainingsplätzen, Fitness- und Regenerationsmöglichkeiten sind perfekt. Außerdem haben wir gute Trainer und Trainingspartner.

Weekend: Welche Tipps hast du für den heimischen Tennis-Nachwuchs?
Sebastian Ofner: Das Wichtigste ist, dass man gerne am Platz steht und in jedem Training Vollgas gibt. Manch-mal ist es vielleicht sogar besser, ein Training auszulassen, als unmotiviert am Platz zu stehen – natürlich darf das nicht zur Gewohnheit werden. Eine Lektion, die jeder Sportler lernen sollte, ist, dass man auch dann dranbleiben muss, wenn es nicht nach Wunsch läuft.

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