Heiko Vogel: „Die Offensive ist mein Naturell“

Mit drei Siegen in Serie ist Sturm wieder voll in der Spur. Der Trainer des dreimaligen Meisters spricht im Weekend-Interview über die Romantik im Fußball, Druck und auch sein Verhältnis zu Vorgänger Franco Foda.

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Foto: geopho.com

weekend: Herr Vogel, es gibt ein Zitat aus Ihrer Baseler Zeit, da haben Sie gesagt: „Zum Cheftrainer gehören viele Dinge, die ich eigentlich gar nicht haben will.“ Welche Dinge haben Sie damals gemeint und haben Sie diese Dinge jetzt?
Heiko Vogel: Ja, natürlich hab ich das damals auch schon gehabt. Es ging ja nicht um meine Person, das war bezogen auf die damalige Situation in Basel, wo man nicht nur Fußballtrainer sein sollte, sondern auch ein Stück weit Repräsentant. Und ich glaube, als Trainer repräsentiert man den Verein ja ohnehin immer und man muss dazu nicht auf jeder Gala erscheinen.

weekend: Sie bezeichnen sich selbst als Fußballromantiker – ist dem Fußball diese Romantik nicht verloren gegangen? Wir haben eine Fußball-WM in Katar, Milliardäre sammeln Fußballklubs wie Kinder Spielzeug, die Ablösesummen explodierten …
Heiko Vogel: Das ist eine sehr gute Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Ich glaube, Fußballromantik wird es immer geben. Schlussendlich interessiert es die Spieler, die in Katar auflaufen werden, nicht, ob jetzt in der Wüste in einem klimatisierten Stadion gespielt wird oder eben anderswo. Und das ist ja das Schöne: Sobald der Schiedsrichter das Spiel anpfeift, machen sich die Spieler frei von solchen Gedanken. In den 90 Minuten ist nur das Spiel wichtig. Dass der Kommerz mittlerweile auch dazu gehört – akzeptiert. Aber für mich persönlich gibt es Grenzen.

weekend: Passend zur Romantik: Per Mertesacker hat ein paar sehr ehrliche Aussagen zum Thema Druck im Profifußball getätigt – wie sehen Sie das?
Heiko Vogel: Es war zweifellos sehr mutig, so offen darüber zu sprechen. Ich glaube, es steht niemandem das Recht zu, darüber zu urteilen. Deshalb kann ich nur sagen, dass ich Pers Aussagen sehr mutig finde.

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weekend: Wie groß ist der Druck für Sie als Trainer bei Sturm Graz?
Heiko Vogel: Wenn ich als Trainer einer Mannschaft an der Seitenlinie stehe, will ich immer gewinnen. Insofern ist Druck immer da. Aber ich denke mir jetzt nicht, was könnte passieren, wenn wir jetzt verlieren und was, wenn wir gewinnen. Ich will immer gewinnen.

weekend: Aber nach den beiden Auftaktniederlagen war er wohl größer?
Heiko Vogel: Ganz ehrlich, das war mir völlig wurscht. Glauben Sie, ich habe mich gefreut, dass wir verloren haben? Glauben Sie, ich wollte gegen Rapid mehr oder weniger gewinnen? Ich will gewinnen. Und dieser Wille ist immer gleich groß.

weekend: Sie sind ein Fan von Ballbesitzfußball. Auffällig ist, dass Sturm bei den Auftaktniederlagen einen Ballbesitz von über 60 Prozent hatte, bei den Siegen gegen den LASK und die Admira aber nur rund 50 Prozent – wie interpretieren Sie das? 
Heiko Vogel: Ich tue mir schwer mit Statistiken. (lacht) Im Ernst: Für mich ist nicht entscheidend, ob wir 60 oder 70 Prozent Ballbesitz haben. Aber natürlich, wenn wir 60 Prozent Ballbesitz haben, hat der Gegner nur mehr 40 Prozent der Zeit, etwas Effektives mit seinem Ballbesitz zu machen. Aber auch da will ich nicht dogmatisch sein.

weekend: Aber es ist schon Ihr Ziel, Sturm dominanter spielen zu lassen?
Heiko Vogel: Letztlich geben nur Ergebnisse die Auskunft über Dominanz. Das eine ist die Spieltagstaktik und das andere ist der philosophische Ansatz, das, was man über einen längeren Zeitraum trainiert. Und da hab ich auch nach den Auftaktniederlagen nicht eine einzige Sache geändert. Die Offensive ist mein Naturell – ich greife gern an. Das müssten hier schon alle gemerkt haben, aber ich bin nicht gefährlich. (schmunzelt)

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weekend: Bei Sturm laufen mit Saisonende einige Verträge von Leistungsträgern aus – wie sehr ist das ein Thema für Sie?
Heiko Vogel: Gar keines. Ich kann auch nicht spüren, dass das ein Thema bei den Jungs ist. Wenn ich dieses Gefühl haben würde, würde ich sofort ein Vier-Augen-Gespräch mit demjenigen führen.

weekend: Eine Frage noch zu Ihrem Vorgänger: Franco Foda ist nach wie vor sehr oft bei Sturm-Spielen, gibt es da noch immer einen regelmäßigen Austausch?
Heiko Vogel: Ja, der Austausch mit Franco ist für mich immer ein Genuss. Er hilft mir sehr viel und steht mir mit Rat und Tat zur Seite. Und für mich ist es selbstverständlich, dass er als Teamchef auch Spiele von uns anschaut, alles andere würde ich ihm ja vorwerfen.