Tierisch teuer: Haustiere als Luxus-Familienmitglieder

In Österreich ist der Anteil der Haustierhalter zwar rückläufig, die Tierhalter geben für Hund, Katze und Co. aber deutlich mehr Geld aus. Dieser Umstand freut vor allem die Wirtschaft – allein durch das Futter werden hierzulande rund 590 Millionen Euro erwirtschaftet.

Hund Haustiere - Cover
Rund 32 Prozent aller Österreicher haben einen Hund Foto: Manuel-F-O/iStock/Thinkstock

Rund 30 Prozent der Österreicher besitzen laut einer Spectra-Studie ein oder mehrere Haustiere. Wenig überraschend: Die beliebtesten Haustiere der Österreicher sind nach wie vor Katzen (ca. 1,5 Millionen) und Hunde (700.000). Geändert hat sich lediglich das Größenverhältnis. Während mehr kleinere Hunde wie Mops, Yorkshire Terrier oder Malteser gekauft werden, liegen bei Katzenbesitzern große Rassen wie die Maine Coon im Trend. Aus der Studie geht auch hervor, dass für 90 Prozent der Befragten das Haustier wie ein guter Freund ist – für rund drei Viertel zählt das Haustier sogar als vollwertiges Familienmitglied. Kein Wunder also, dass die heimischen Haustierhalter im Schnitt 82 Euro pro Monat für ihre Lieblinge ausgeben – das macht stolze 984 Euro pro Jahr. Zusätzlich gibt es laut der Studie immer mehr Menschen, die ihre Vierbeiner auch zu besonderen Anlässen wie Geburtstage beschenken.

Wirtschaftsfaktor

Wie die Vergleichsplattform idealo.at errechnet hat, steht die Anschaffung eines Vierbeiners mit 334 Euro (Hund) oder 491 Euro (Katze) zu Buche. In diese Berechnung fließen zum Beispiel Impfstoffe, Spielzeug und Grundausstattung wie Körbchen oder Futternäpfe ein. Nicht aber die teils hohen Kosten, die an einen Züchter bezahlt werden müssen. Eine reinrassige Maine-Coon-Katze kostet rund 1.000 Euro, ein Golden-Retriever-Welpe 1.200. Den Großteil der Folgekosten macht aber das Futter aus: Bei Katzen müssen etwa 400 Euro pro Jahr investiert werden. Für Hunde muss man, je nach Größe, mit bis zu 678 Euro kalkulieren.

Trend zur Qualität

In den letzten Jahren ist vor allem beim Futter ein klarer Trend erkennbar: "Der Haustierbesitzer legt sehr viel Wert auf eine hochwertige Ernährung", weiß Hermann Aigner, Geschäftsführer von Fressnapf Österreich. Die Nachfrage nach Nahrung, die auf die jeweiligen Bedürfnisse des Tieres abgestimmt ist, steigt. "2019 widmen wir uns verstärkt dem Trend der BARF-Ernährung", so Aigner. In Österreich ist Fressnapf der Marktführer in Sachen Tierbedarf. Die 132 Filialen mit ca. 1.000 Mitarbeitern erwirtschafteten 2017 einen Rekordumsatz von rund 157 Millionen Euro. Mittlerweile gibt es auch einen Onlineshop, spezielle Welpenkurse und Katzenexperten. Aber auch der Tierarzt will bezahlt werden. Hier liegt das jährliche Minimum zwischen 60 und 70 Euro. Auch die Gemeinden profitieren von den Vierbeinern. Die 58.000 Hunde, die im Wiener Stadtgebiet angemeldet sind, spülen etwa fünf Millionen Euro in die Gemeindekasse.

Wellness und Beauty

Dass viele Haustiere als vollwertige Familienmitglieder gezählt werden, zeigt sich auch am Anstieg von Luxusdienstleistungen sowie Mode- und Gourmetprodukten. So sind etwa Besuche beim Hundefriseur oder teure Accessoires wie Halsbänder, Perlenketten und Hundeparfüms keine Seltenheit mehr. "Im Bereich Spielzeug ist bei Katzen weiterhin die Katzen­angel ein Highlight. Jedoch ist zu erkennen, dass immer mehr Katzenbesitzer Intelligenzspielzeug für ihre Stubentiger besorgen. Bei den Accessoires für Hunde wurde in den letzten Sommern sehr stark die Kühlmatte nachgefragt", so Aigner. Auch die Touristiker sind längst auf den Zug aufgesprungen. "Wir haben selbst viele Hundebesitzer in der Familie und haben gemerkt, dass es zum Teil recht schwierig ist, mit dem Hund auf Urlaub zu fahren", erklärt Annemarie Langreiter, die ihr Hotel Grimming in Rauris zum Hundehotel gemacht hat. "Wir haben über zwei Jahre ein Konzept entwickelt und unser Hotel dann spezialisiert", sagt Langreiter und ergänzt: "Auch wir erkennen bei unseren Gästen den Trend zur Qualität in Sachen Futter und Accessoires, deshalb bieten wir zum Beispiel 130 verschiedene Futtersorten an." Bei einem Hotel in Deutschland stehen sogar Behandlungen wie Akupunktur, Magnetfeldtherapie, Massagen und Krankengymnastik auf dem Programm – ein echtes Hundeleben.

Welche Haustiere werden gehalten?

  • 40 % Katze
  • 32 % Hund
  • 10 % Nagetier/Kleinsäugetier
  • 5 % Fische
  • 5 % Vögel
  • 2,5 % Reptilien
  • 2,5 % Pferd

Short Talk

Dr. Frithjof Nungesser, Soziologe Universität Graz

Weekend: Wie unterscheidet sich die Beziehung Mensch/Mensch und Mensch/Tier?

Frithjof Nungesser: Die Beziehung zu Heimtieren kommt in den meisten Fällen sicher der menschlichen Freundesliebe oder der Elternliebe am nächsten. Es geht um Geselligkeit, wechselseitige Unterstützung und Fürsorglichkeit. Auch hier gilt es, die Kehrseiten zu sehen: Einerseits werden viele Heimtiere vor Liebe gewissermaßen erdrückt; umgekehrt landen viele Heimtiere im Tierheim oder werden ausgesetzt, wenn sie als lästig wahrgenommen werden.

Weekend: Rund 75 Prozent der Haustierbesitzer geben an, dass ihr Haustier ein vollwertiges Familienmitglied ist. Wie ordnen Sie dieses Ergebnis ein?

Frithjof Nungesser: Auch mein Eindruck ist, dass sich viele Personen tatsächlich tief mit ihren Heimtieren verbunden fühlen und diesen Gefühle und Persönlichkeit zuschreiben. Allerdings denken die meisten Menschen bei solchen Umfragen an Katzen und Hunde. Bei anderen Heimtieren sind die Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion deutlich beschränkter. Man denke an Mäuse, Fische, Schildkröten oder Schlangen.

Weekend: Welche Auswirkungen haben Tiere auf den Menschen?

Frithjof Nungesser: Das lässt sich so allgemein nicht beantworten. Das Verhältnis des Menschen zu Tieren ist vielfältig und widersprüchlich. Wir pflegen enge Beziehungen mit Heimtieren, bewundern Wildtiere im Fernsehen und lesen unseren Kindern Fabeln vor. In diesen Fällen bereichern Tiere unser Leben. In anderen Bereichen begegnen uns die Tiere im Grunde nur als Ware: an der Fleischtheke, im Schuh- oder Möbelgeschäft. Schließlich werden Tiere auch als Gefahr gesehen. Sie werden etwa aus religiösen Gründen als unrein betrachtet, als Schädlinge kategorisiert oder – wie etwa der Wolf – als Gefahr für die Landwirtschaft gedeutet. Mit dem Psychologen Hal Herzog kann man also sagen: "Some we love, some we hate, some we eat."