Seelentröster: Gordon's Café der Nächstenliebe

Der Villacher Pensionist Gordon Kelz zeigt mit seiner Initiative „Gordon's Café der Nächstenliebe“, wie man trotz geringen Budgets Mitmenschen, die noch weniger haben, zu besonderen Momenten verhelfen kann.

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Kaffee ist nicht nur ein Genussmittel, er bringt auch Menschen zusammen – das ist das Ziel von „Caffé sospeso“ Foto: BartekSzewczyk/iStock/Getty Images

„Es geht nicht wirklich um die Tasse Kaffee, die Kugel Eis oder das Stück Kuchen. Es geht darum, dass die Menschen wieder an der Gesellschaft teilnehmen“, beschreibt Gordon Kelz sein Herzensprojekt „Caffé sospeso“, das er mittlerweile in vier Kärntner Lokalen umsetzt. Der Begriff heißt übersetzt aus dem Italienischen „der schwebende oder aufgeschobene Kaffee“ und ist eigentlich eine lokale Besonderheit der neapolitanischen Kultur, die der Villacher vor gut drei Jahren auch im südlichsten Bundesland der Alpenrepublik zum Leben erweckt hat.

Ablauf

Konkret funktioniert das so: Ein Gast kann im „Gordon's Café der Nächstenliebe“ neben seinem konsumierten Kaffee auch noch weitere bezahlen, die er aber nicht trinkt, sondern Bedürftigen spendet. Auf einer sichtbaren Tafel werden die Freigetränke (oder Eiskugeln, Kuchenstücke, etc.) aufgelistet. „So können finanziell schwache Menschen und Obdachlose nicht nur den Kaffee genießen, den sie sich sonst nicht aus eigener Tasche leisten könnten, sondern kommen auch mal aus ihrer gewohnten Umgebung heraus und lernen vielleicht sogar neue Leute kennen“, erzählt der Initiator.

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In der Villacher Gelateria Italiana by Luis eröffnete Gordon Kelz das erste „Gordon's Café der Nächstenliebe“ Foto: KK

Mutiger Schritt

Und auch wenn das Prozedere so einfach klingt, die Umsetzung der Idee war deutlich schwieriger. Kelz: „Ich habe den Begriff ‚sospeso‘ rein zufällig im Fernsehen aufgeschnappt und war sofort begeistert. Nach langen Recherchen und vielen Gesprächen habe ich mich entschieden, es in Villach zu versuchen, obwohl mit viele Bekannte und Freunde davon abgeraten haben. Leider war die Suche nach einem Wirt, der mit mir kooperieren möchte, alles andere als einfach. Man hatte Angst vor dem ‚Klientel‘, das die Kaffeehäuser aufsuchen würde.“ Einen mutigen Partner hat der Draustädter dann im Betreiber der Gelateria Italiana by Luis in seiner Heimatstadt gefunden. Der Eissalon Arcobaleno in Klagenfurt, das Schlosscafé in Spittal und das Café Hahn in St. Veit haben sich später dieser herzerwärmenden Aktion angeschlossen. „Wir konnten so in den vergangenen drei Jahren knapp 14.000 Kaffees und andere Produkte an bedürftige Mitmenschen ausgeben“, ist Gordon Kelz stolz, dass seine ungewöhnliche Spendenaktion so gut ankommt fügt hinzu: „Ich bedanke mich vom ganzen Herzen bei allen Spendern, Wirten und anderen Sponsoren, die das Café der Nächstenliebe unterstützen.“

Durststrecken

Weil aber vor allem während der Urlaubszeit die Spenden ausbleiben, hat der Pensionist quasi ein zweites Standbein ins Leben gerufen, damit die Tassen nicht leer bleiben. „Ich versuche mindestens ein Mal im Jahr jeden Standort mit einer Charity-Veranstaltung zu bespielen und so Geld für die Aktion zu sammeln. Leider funktioniert das nicht immer und nicht überall.“ Denn die Künstler und das ganze Drumherum wie Bühne, Technik, Genehmigungen, Security usw. kann sich Kelz nicht leisten und ist auf Sponsoren angewiesen. Für eines seiner ersten Benefizkonzerte konnte Kelz die Band „Meilenstein“ begeistern, die Stadt St. Veit kam für alle Kosten auf.

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Die überdimensionale, wasserfeste Tasse bekam Kelz von seinen Söhnen geschenkt. Sie ist ein sichtbares Zeichen der Aktion „Ceffé sospeso“ und wandert durch die vier Standorte Foto: KK

Neue Idee

Mit dem „Caffé sospeso“ ist Kelz‘ Durst nach Hilfe für Mitmenschen, denen es nicht so gut geht, allerdings nicht gestillt. Auf sein Betreiben hin gastieren heuer erstmals am 8. September die „Barber Angels“ in Villach und werden dort Obdachlosen Haare schneiden, Bärte stutzen und Pflegeprodukte verteilen.

Soziale Ader

Seinen Drang, bedürftigen Mitmenschen zu helfen, führt Gordon Kelz auf seine Kindheit zurück. „Wir waren drei Kinder, unsere Mutter war Hausfrau, unser Vater Hilfsarbeiter. Und auch wenn er Tag und Nacht gearbeitet hat, um die Familie zu ernähren, war das Geld knapp. Das merkte man uns auch an, wir wurden in der Schule oft wegen unserer Lederhosen aufgezogen. Stoffhosen waren ja damals einerseits teuer und andrerseits haben sie nicht so viel ausgehalten wie Lederhosen. Wir konnten uns nicht ständig neu einkleiden.“

Infos

Weitere interessante Infos rund um das Thema Kaffee und „Caffé sospeso“ finden Sie auch auf der Webseite www.kaffeevereband.at.

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