Gemeinsam ins Ziel

Inklusion am Sportplatz. Monika Steinlechner trainiert seit vielen Jahren sportbegeisterte Menschen mit und ohne Behinderung.

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Monika Steinlechner (l.) beim Training mit ihren Schützlingen am Sportplatz Wattens. Foto: Conny Pipal

Noch eine halbe Stunde bis zum Trainingsstart. Auf dem Sportplatz Wattens herrscht schon geschäftiges Treiben. Die sportliche Leiterin Monika Steinlechner von der Sportgemeinschaft Wattens nimmt ihre bewegungsbegeisterten Schützlinge in Empfang: „Ich war früher Leichtathletin und habe im Jahr 2017 gemeinsam mit Nadja Geisler den Verein für behinderte und nicht behinderte Menschen, die zusammen trainieren, gegründet“, erzählt Monika Steinlechner, die auch als Referentin für Leichtathletik beim Tiroler Behindertensportverband ehrenamtlich wirkt. Seit Anfang 2017 ist die Sportgemeinschaft Wattens ein eigenständiger Verein. Schwerpunkt ist Leichtathletik und alle Sportarten des Behindertensportes.

Neue Regeln

Die Idee dazu wurde bereits im Jahr 1993 von Monika Steinlechner umgesetzt: „Ich habe bei den Pfadfindern eine Gruppe geleitet und sehr viel mit behinderten Menschen zu tun gehabt. Unter ihnen war Martin, ein Junge mit Down Syndrom. Er war sehr traurig, als ich nach Wattens gegangen bin und so habe ich ihn zum Training geholt. Er war für mich der Anstoß, das Prinzip der Inklusion auf diese sportliche Ebene zu bringen. Seine Mutter und ich haben uns damals dafür eingesetzt, dass man für Menschen mit Down-Syndrom eigene Regeln einführt. Wir haben durchgesetzt, dass zum Beispiel beim Kugelstoßen statt sieben Kilo Kugeln nur vier Kilo Kugeln verwendet werden. Martin ist auch heute noch nach 25 Jahren immer dabei“, erzählt Monika. Inzwischen ist der Verein zu einer großen Familie zusammengewachsen und die Begeisterung wird von Generation zu Generation weitergegeben. Mehrmals in der Woche ist Training angesagt. In den Wintermonaten treffen sich die Sportbegeisterten in der Turnhalle. Neben ihrer Aufgabe als sportliche Leiterin fallen noch etliche andere Aufgaben für sie an. So erstellt sie den Tiroler Kader für die Staatsmeisterschaften, kümmert sich um die Zimmerreservierungen und um die gesamte Wettkampfbetreuung.

Große Erfolge

Der unermüdliche Einsatz von Monika Steinlechner hat sich gelohnt und sie kann mit Stolz auf viele sportliche Erfolge zurückblicken: „Bei den Weltmeisterschaften 1997 für behinderte Menschen in Nothingham haben wir zwei Weltmeistertitel in Kugelstoßen und Speerwurf nachhause geholt. Bei der WM in Birmingham 1998 haben wir abermals beim Kugelstoßen und Diskuswerfen gewonnen. Beim Speerwerfen holten wir den vierten Platz. Auch bei den Para-Olympics in Sydney und Atlanta waren wir dabei. Ich habe die Sportler darauf vorbereitet. Das war nicht leicht, weil die Limits vom Österreichischen Verband und vom Veranstalter müssen erreicht werden, um teil nehmen zu können“, so Monika Steinlechner. Auch bei sämtlichen Alpencup-Läufen ist sie mit einer Behindertengruppe mit von der Partie. Zudem organisiert sie den Kinderzehnkampf auf dem USI Sportplatz in Innsbruck: „Da nehmen 200 Kinder teil. Es gibt sonst in ganz Österreich keine Inklusionsgruppe in dieser Form beim Zehnkampf“, weiß die Trainierin.

Gemeinsam feiern

Auch außerhalb des Sportplatzes lebt die bewegungsfreudige Truppe ein liebevolles Miteinander. Es werden gemeinsame Geburtstage gefeiert und zusammen besuchen sie den Pfadfinderball: „Viele Jugendliche, die bei mir trainiert haben, absolvierten nach der Matura ein soziales freiwilliges Jahr, weil sie bei uns den Anstoß bekommen haben“, erklärt Monika Steinlechner, bevor sie auf den Sportplatz geht, wo eine motivierte Gruppe schon auf sie wartet.

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