Gemeindebau-Hochburg Margareten

Margaretengürtl: Der Gürtelabschnitt zwischen Wienzeile und Hauptbahnhof ist geprägt von imposanten Bauten des Roten Wien. Die „Ringstraße des Proletariats“ – Symbol einer Epoche.

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Foto: Stadt Wien/Wiener Wohnen

Das Rote Wien – Sinnbild für die Macht der Arbeiterschaft, der aufstrebenden Sozialdemokratie, einer solidarischen Gesellschaft: Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Sturz der Monarchie begann die Gemeinde mit der Errichtung leistbarer Wohnungen. Bis dahin waren sogenannte „Bettgänger“ keine Seltenheit und mehrere Zimmer sowie fließendes Wasser in der Wohnung dem Bürgertum vorbehalten. Mit der Fertigstellung der städtischen Sozialbauten änderte sich das rapide: Die ersten Gemeindewohnungen im Metzleinstaler Hof am Margaretengürtel verfügten über eine eigene Küche, ein Zimmer und ein eigenes WC. Was heute normal klingt, war vor nicht einmal 100 Jahren für den Großteil der Wiener purer Luxus.

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Foto: Stadt Wien/Wiener Wohnen

Verwöhnpaläste

Die Gemeindebauten der 1920erund frühen 1930er-Jahre wirken kolossal – das war beabsichtigt. Sie sollten die neu erlangte Macht der Arbeiterschaft demonstrieren, zeigen, wer in der jungen Demokratie bestimmt. Der Reumann Hof mit 480 Wohnungen wurde zwischen 1924 und 1926 errichtet, 1925 der Metzleinstaler Hof mit 252 Wohnungen fertiggestellt. Er gilt als Meilenstein des sozialen Wohnbaus: Die Anlage verfügte bereits über Einrichtungen wie einer Badeanstalt, einer Wäscherei, einer Bibliothek und einem Kindergarten.

Grüne Lunge

Um 1934 wohnte bereits jeder zehnte Wiener in einem Gemeindebau. Bei der Errichtung wurde viel Wert auf Grünflächen gelegt. Dies hatte weit mehr als optische Gründe, und von Umweltschutz war damals noch keine Rede. Vielmehr ging es darum, die Tuberkulose, die in der Stadt um sich griff, einzudämmen. Im Metzleinstaler Hof gab es eine eigenen TBC-Fürsorgestelle. Sozial auf allen Ebenen - von Kindergärten bis Apotheken fand jede nötige Infrastruktur in den Höfen Platz.

Gemeindebau-Hochburg

In Margareten befinden sich heute 67 Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien. Vor allem in der Ära des Roten Wiens in der Zwischenkriegszeit entstanden entlang des Gürtels zwischen Margareten und Meidling imposante und wehrhaft aussehende Wohnblöcke für ärmere Bevölkerungsschichten. Der Name "Arbeiter-Hochburg" kommt nicht von ungefähr. Die riesigen Anlagen mit ihren Toren, Höfen und Zinnen erinnern eher an Kasernen als an die damals üblichen Zinshäuser. Eine neue Ära des Sozialen Wohnbaus war eingeläutet.

Hoch hinaus

Im Theodor-Körner-Hof befindet sich mit dem Matzleinsdorfer Hochhaus auch der erste "Wolkenkratzer" der Gemeinde (nicht der Stadt!) Wien. Im 68 Meter hohen Gebäude befinden sich heute 104 Wohnungen. In den 1950er-Jahren lebten dort ua. Helmut Zilk und Hans Dichand.

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