Gegen Türkis-Rot: Christopher Drexler im Interview

Reformer. Christopher Drexlers Strukturplan Gesundheit liegt auf Eis. Der Landesrat für Gesundheit und Kultur ist aber dennoch ein Befürworter von Neuwahlen. Im Weekend-Interview spricht er außerdem über mögliche Koalitionen im Bund und im Land.

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Landesrat Drexler vor den Werken von Oliviero Toscani. Foto: geopho.com

weekend: Wie sehr behindern die Neuwahlen die Umsetzung des Leitspitals in Liezen?
Christopher Drexler: Ich war und bin ein großer Befürworter des vorgezogenen Wahltermins. Letztlich verkürzen und verbilligen wir damit den Wahlkampf. Natürlich sind Wahlkämpfe keine gute Zeit für wohlüberlegte Reformprojekte. Aber was soll schon passieren, wenn ein Projekt, dessen Fertigstellung 2025 prognostiziert ist, um zwei Monate zurück geworfen wird? Das können wir verkraften.

weekend: Jetzt hat aber auch die SPÖ das Projekt in Frage gestellt ...
Christopher Drexler: Das ist wohl der Verärgerung des Landeshauptmannstellvertreters geschuldet. Die Aufregung und Nervosität von Michael Schickhofer können wir aber nach der Wahl wieder wegkürzen ...

weekend: … weil er dann vielleicht Geschichte ist …
Christopher Drexler: … oder eben befreit ist von der Nervosität und der Aufregung.

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Foto: geopho.com

weekend: Nachdem die Grünen im Bund stark zugelegt haben, könnte sich auch auf Landesebene eine neue Konstellation ergeben?
Christopher Drexler: In der Kristallkugel der Wahlforscher sehe ich in der Steiermark noch keine schwarz- grüne Mehrheit. Wenn es dazu käme, würde ich – gerade, was den Strukturplan Gesundheit betrifft – durchaus gute Chancen auf Realisierung sehen.

weekend: Im Bund scheint das eine deutlich wahrscheinlichere Koalition. Hat Türkis-Grün Charme?
Christopher Drexler: Das ist keine Frage von Charme oder was sich einzelne Kommentatoren verschiedener Medien wünschen. Ja, es gibt einige solcher Konstellationen auf Landesebene. Dort stehen allerdings, anders als im Bund, die ideologisch besonders aufgeladenen Themen nicht auf der Agenda. Letztlich geht es aber vor allem darum, ein gemeinsames Programm auf die Beine zu stellen.

weekend: Warum ist eigentlich Türkis-Rot gar kein Thema im Bund?
Christopher Drexler: Ich glaube, auf Bundesebene hat sich diese Variante überlebt. Die Erfahrungen zwischen 2006 und 2017 waren doch recht ernüchternd.

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Foto: geopho.com

weekend: Anders als in der Steiermark?
Christopher Drexler: Hier gab es beispielsweise mit Franz Voves eine besonders vertrauensbasierte Zusammenarbeit. Etwas Ähnliches muss auf Bundesebene erst wieder entstehen.