Altes Wissen: Unterwegs mit Fräulein Grün

Die Salzburgerin Karina Reichl informiert auf ihrem Blog über die Superkräfte von Kräutern und zeigt bei Stadtwanderungen auf, dass Gutes oft näher ist, als man denkt.

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Foto: Frank Bauer

Bitterstoffe in Löwenzahn wirken entgiftend, regen Magen sowie Verdauungsäfte an und wirken beruhigend. Holunder schmeckt nicht nur als Sirup, er senkt auch Fieber und Brennnesseln dienen als reinigendes Hausmittel. Wo man das lernt? Bei einer von Karina Reichls Kräuterwanderungen. Die Salzburgerin, die sich und ihren Blog „Fräulein Grün“ nennt, hat vor Kurzem nicht nur ihr erstes Buch „Kräuterwunder. Entspannt, geerdet und gesund mit der Kraft der Natur“ veröffentlicht, sondern bietet auch Kräutertouren mitten in der Stadt Salzburg an. Zum Beispiel im Donnenbergpark, wo ich all das und noch viel mehr in nur 1,5 Stunden erfahren habe.

Kräuterhexe

Karina Reichl ist sozusagen eine moderne Kräuterhexe, die weiß, wovon sie spricht. Nach zehn Jahren hing sie ihren Job als Radiomoderatorin und Marketingmanagerin an den Nagel, machte sich 2018 selbstständig und widmet sich seither ihrer Leidenschaft: der Natur und ihren Schätzen. Ihren Blog betreibt die 40-Jährige bereits seit 2016, monatlich folgen ihr etwa 40.000 Leser und bis heute stellt sie wöchentlich ein neues Rezept online. Nun bietet die geprüfte TEH-Praktikerin und Waldpädagogin auch Seminare, Workshops und Kräuterwanderungen an. „Ich möchte den Teilnehmern zeigen, dass regionale Kräuter Lebens- und Heilmittel sind, die man stärker in den Alltag integrieren kann“, erklärt Reichl. Dass es sich nicht um Hokuspokus handelt, hat Karina Reichl am eigenen Leib erfahren: „Früher war ich etwa vier Mal pro Jahr erkältet. Mittlerweile nutze ich bei ersten Anzeichen Kräuter als Prophylaxe. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal krank war“.

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Unterwegs im Donnenbergpark. Foto: weekend

Wer suchet, der findet

„Der Donnenbergpark beherbergt jede Menge Kräuter und uralte, riesige Mammutbäume. Welche Pflanzen interessant sind, möchte ich euch heute zeigen“, so eröffnet Karina Reichl in knallroter Outdoorjacke den Spaziergang. Fündig werden wir – eine 9-köpfige Gruppe – nach nur wenigen Metern: Löwenzahn, Brennnessel und Gänseblümchen wachsen direkt am Gehweg. Letzteres ist ein wahres Power-Paket mit reichlich Vitamin C und Seifenstoffen, die reinigend wirken. Zerkleinert man die Köpfchen mit Salz und lässt sie 24 Stunden ziehen, erhält man ein wirkungsvolles Detox-Mittel. Als wäre das noch nicht genug, wirken die Blüten als Tee auch noch schleimlösend bei hartnäckigem Husten und im Wasserbad heilend gegen Ekzeme. Insgesamt lernen wir während des Spaziergangs mehr als 20 Kräuter, deren Wirkung und Einsatzgebiete kennen.

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Foto: weekend

Glückskräuter

Viele altbewährte Kräuter werden laut Reichl heutzutage unterschätzt, z.B. die Kamille. Sie ist nicht nur ein Erkältungs-, sondern auch ein Glückskraut, dass Serotonin produziert und krampflösend wirkt. Oder auch das „Erste-Hilfe-Kraut“ Spitzwegerich. Viele Menschen wissen, dass die zerquetschten Blätter gegen Bienenstiche helfen, allerdings wirkt das Kraut auch wundheilend und lindert Reizhusten. „Natürlich ersetzen Kräuter keineswegs die Schulmedizin. Aber bei kleinen Wehwehchen können sie Linderung verschaffen“. Die Salzburgerin weist auch darauf hin, dass Heilpflanzen mit Bedacht zu verwenden sind, da sie stark wirken und auch eine Überdosis hervorrufen können. Auch Giftiges wächst mitten in der Stadt, darunter Hahnenfußgewächse, Schierling und Hundspetersilie. „Kräuter sammeln ist Übungssache. Ist man sich nicht sicher, sollte man das Grünzeug lieber stehen lassen“.

Hexengarten

Wir machen bei einer Pflanze mit glockenförmigen Blüten halt – die Bachnelkenwurz. Karina Reichl erklärt, dass sich in der Wurzel ätherische Öle befinden, die schmerzlindernd wirken. Einige Meter weiter zupft sie Fichtenwipfel vom Baum. „Setzt man sie mit Zucker in mehreren Schichten an, erhält man einen guten Hustensaft.“ Woher sie das weiß? Von ihren zahlreichen Ausbildungen, aber auch aus eigener Erfahrung. „Mitten in der Stadt habe ich einen Kräutergarten, mein Experimentierbeet. Dort beobachte ich, unter welchen Bedingungen wilde Kräuter bestmöglich gedeihen und was sich daraus machen lässt“, erklärt die Kräuterhexe. Wer auf eigene Faust die Schätze der Natur entdecken möchte, wird auf Salzburgs Hausbergen fündig. „Viele Kräuter finden sich auf dem Kapuziner- und Mönchsberg, aber auch in Aigen“, erklärt Reichl.

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Aus den Wurzeln von Beinwell lässt sich eine wundheilende, gewebebildende und regenerationsfördernde Salbe machen. Foto: weekend

Karina Reichls Lieblingsrezepte

Maiwipferlsirup – der Hustenstiller

Zutaten: Tanne- oder Fichtenwipferln, 5 – 10 frische Spitzwegerichblätter und brauner Rohrzucker

Zubereitung: Ein Einmachglas mit den Zutaten schichten, die oberste Schicht sollte Zucker sein. Die Menge der Wipferln ist idealerweise doppelt so groß wie jene des Zuckers. Dazwischen die zerkleinerten Spitzwegerichblätter geben. Dann das Einmachglas verschließen und mehrere Wochen dunkel und kühl stehen lassen. Der Zucker zieht die Wirkstoffe aus den Wipferln und dem Spitzwegerich, verflüssigt sich und verwandelt sich so in einen wirkungsvollen Hustensaft. Wenn es so weit ist, den Sirup abfiltern und in eine lichtgeschützte braune Flasche füllen. 

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Foto: Karina Reichl/Fräulein Grün

Pechsalbe – das „Allheilmittel“

Zutaten: 100 ml Bio-Olivenöl, 2 TL getrocknete Ringelblumenblüten, 1 TL getrocknete Schafgarbenblüten, rd. 40 g Baumharz, 20 g Bienenwachs.

Zubereitung: Olivenöl in Topf erwärmen, getrocknete Ringelblumen- und Schafgarbenblüten dazu. Nun das Harz dazugeben, mindestens eine halbe Stunde ausziehen lassen. Anschließend abseihen, das dunkel gefärbte Öl in einen sauberen Topf füllen, auf den Herd stellen und erneut erhitzen. Zur warmen Flüssigkeit kommt das Bienenwachs dazu. Sobald es sich aufgelöst hat in ein für die Salbe vorbereitete Glas füllen.

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Foto: Karina Reichl/Fräulein Grün

Krampftinktur – der Vierermix

Zutaten: Gänsefingerkraut, Frauenmantel, Schafgarbe, Kamille, 40 %iger Alkohol.

Zubereitung: In einem großen Glas, das mit 40-prozentigen Korn gefüllt ist, nach und nach die leicht angetrockneten Kräuter dazu geben, damit vorab ein wenig Wasser aus der Pflanze weicht. Das Glas kann ruhig bis zur Hälfte mit den Kräutern gefüllt werden. Schwimmen alle Heilpflanzen im Alkohol, bleibt der Ansatz für vier Wochen im Schatten stehen. Danach die Kräuter abfiltern und in dunkle Flaschen abfüllen.

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Foto: Karina Reichl/Fräulein Grün

Tipps:

Buchtipp: Fräulein Grüns Kräuterwunder. Entspannt, geerdet und gesund mit der Kraft der Natur. (Integral Verlag)

Rezepte, Wissenswertes und wann die nächste Kräuterwanderung stattfindet erfährt man unter www.fräuleingrün.at

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Foto: Karina Reichl/Fräulein Grün