Flucht aus Kuba – Steirer kehren heim

Der Rückflug aus der Karibik gestaltete sich für die Grazerin Lisa (32) und ihren Lebensgefährten Florian (35) schwieriger als gedacht. Ein Erfahrungsbericht.

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Als Lisa und Florian ihre Reise in die Karibik antraten, war noch nicht absehbar, welche Ausmaße die Coronakrise annehmen würde. Bereits drei Tage nach ihrer Ankunft auf Martinique wurden von der österreichischen Bundesregierung jedoch die ersten Maßnahmen verkündet, keine Woche später herrschten strikte Ausgangsbeschränkungen. Die Auswirkungen von SARS-CoV-2 waren auch auf Martinique zu spüren: Wenige Tage später durften bereits keine Kreuzfahrtschiffe mehr anlegen, der Strand war fast menschenleer, nach und nach schlossen die Bars und die Hotels. Die Stimmung wurde zunehmend bedrückender; Nachrichten aus der Heimat, die über Ausgangssperren etc. informierten, verursachten bei Lisa und Florian zusätzliche Nervosität. Lisa berichtet: „Anfangs dachten wir, dass wir einfach im karibischen Paradies abwarten könnten, bis die Sache überstanden ist. Aber schon bald zeichnete sich ab, dass diese Krise wohl noch länger dauern wird.“

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Steigende Flugpreise

Alarmiert durch den Aufruf des österreichischen Außenministeriums, dass alle Österreicher heimkehren sollten, versuchten sie, einen Rückflug zu organisieren. Die Flugpreise waren aber durch die zahlreichen Beschränkungen und die hohe Nachfrage währenddessen schon in horrende Höhen geschnellt und viele Verbindungen – etwa über die USA – nicht mehr möglich. Der einzige Rückflug, der in Frage gekommen wäre, war eine rund dreitägige Reise zu einem Preis von knapp 8.000 Euro. Der Staat Österreich hatte jedoch einen Rückholflug organisiert, der von Havana nach Wien ging und mit einem Selbstbehalt von 600 Euro zumindest auch leistbar war. Die beiden konnten von Martinique einen Flug in die kubanische Hauptstadt ergattern, wo sie noch zwei Tage verbringen mussten, bis der Rückflug stattfand. Havana war zu dieser Zeit schon regelrecht ausgestorben, da auch hier bereits viele Restaurants, Bars und Hotels dichtgemacht hatten.

Aus der Quarantäne geflüchtet

Am Tag des Rückflugs waren sie gerade dabei, im Hotel ihre Sachen zu packen, als ein Zettel unter der Hotelzimmertür durchgeschoben wurde. Darauf war zu lesen: Das Hotel sei unter Quarantäne gestellt worden, niemand dürfe mehr die Zimmer verlassen. Lisa und ihr Freund packten hektisch ihre Koffer und versuchten, durch den Hintereingang zu flüchten, was nicht mehr möglich war, da bereits Polizisten davor positioniert waren. Es gelang ihnen jedoch, sich am Vorderausgang an der Security vorbeizuschmuggeln. „Die Security war gerade damit beschäftigt, sich abzusprechen, und wir marschierten so selbstbewusst wie möglich an ihnen vorbei. Wir haben nicht einmal im Hotel ausgecheckt, wir wollten einfach nur raus“, erinnert sich Lisa.

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Kampf um freie Plätze

Mit Müh und Not fanden sie noch ein (völlig überteuertes) Taxi zum Flughafen – denn die Touristentaxis waren bereits großteils nicht mehr im Einsatz. Auf dem Weg erfuhren sie vom Fahrer, dass alle Touristen, die nicht innerhalb der nächsten Stunden Kuba verlassen konnten, für zwei Wochen in ein Lager außerhalb von Havana gebracht werden sollten, um mögliche Coronainfektionen einzudämmen. Lisa erzählt: „Die Standards sind auf Kuba ohnehin nicht wahnsinnig hoch; in einem improvisierten Lager irgendwo außerhalb von Havana festzusitzen, wäre ein absoluter Albtraum für uns gewesen.“ Am Flughafen herrschte Hektik, da die letzten Flugzeuge restlos überbucht waren und bei der Blockabfertigung die Menschen regelrecht darum kämpften, noch einen Platz zu ergattern. Die Touristen aus Deutschland hatten dabei schlechte Chancen, da im Gegensatz zu Österreich von Deutschland keine Rückholung organisiert worden war.

Heimquarantäne

Lisa und ihr Lebensgefährte konnten sich einen Platz im drittletzten Flugzeug sichern, das die Insel verließ. Nachdem noch zwei weitere Flugzeuge gestartet waren, wurde Kuba dichtgemacht – alle Touristen, die nun dort noch festsaßen, müssen wohl vorerst im Lager bleiben. Für die beiden Heimkehrer heißt es, nun erst einmal zwei Wochen in Heimquarantäne zu bleiben – was sie nach der Aufregung der vergangenen Tage nicht wirklich stört.