Florian Iberer und Daniel Oberkofler – zwei Grazer sind endlich wieder zuhause

„Back to the roots“. Nach Jahren in der Fremde spielen Florian Iberer und Daniel Oberkofler heuer endlich wieder in ihrer Heimatstadt. Unterm Uhrturm sprach das Duo über die neue Saison mit den 99ers, die Rückkehr und die Zukunft des österreichischen Eishockeys.

GEOPHO-2-4.jpg
Endlich wieder unterm Uhrturm: Florian Iberer (l.) und Daniel Oberkofler gehen in dieser Saison wieder für ihren Heimatklub aufs Eis. Foto: geopho.com

 

Weekend: Ihr wart jetzt sechs (Florian) bzw. elf (Daniel) Jahre weg aus Graz – was hat sich eigentlich am meisten verändert?
Florian Iberer: Die größte Veränderung ist natürlich die neue Eishalle. Das Arbeitsklima ist damit mit früher nicht mehr zu vergleichen – du gehst jetzt gerne zur Arbeit, fährst nicht mehr in eine Bruchbude. Von der Infrastruktur her ist Graz mit dieser Halle jetzt sicher vor Klagenfurt, Villach & Co.
Daniel Oberkofler: Ja, das sehe ich auch so – und auch die Personen haben sich verändert. Außer Silvia Priversek und Präsident Jochen Pildner-Steinburg ist ja niemand mehr da, den ich von früher gekannt habe.


Weekend: Was waren eigentlich die Beweggründe für eure Rückkehr?
Daniel Oberkofler: Ich muss ehrlich sagen, dass die letzten zwei, drei Jahre in Linz für mich sportlich nicht so gelaufen sind, wie ich mir das vorgestellt habe. Deshalb war von mir der Wunsch nach Veränderung da – und der Kontakt zu den 99ers ist ja nie abgerissen. Auch wenn’s abgedroschen klingt, hier ist schon etwas im Entstehen: Wir haben einen Stamm von Österreichern, den auch von der Qualität her, nicht viele Klubs in Österreich haben. Dazu kommen private Gründe, dass ich mir etwa in Stattegg eine Wohnung gekauft habe und die auch endlich richig bewohnen möchte. Und natürlich möchte ich auch wieder mehr Zeit mit meiner Familie und der Freundin verbringen – dazu ist Graz von der Lebensqualität her einfach unschlagbar.
Florian Iberer: Das mit der Lebensqualität wird jeder bestätigen, der hier einmal gespielt hat – alle sind begeistert von der Stadt. Deshalb war für mich auch klar, dass ich irgendwann wieder in Graz spielen werde. Dazu kommen auch bei mir private Gründe: Meine Freundin und ich erwarten im Oktober unser erstes Kind und uns war beiden immer klar, dass das Kind in Graz auf die Welt kommen wird.


Weekend: Am Freitag (8. 9.) geht’s mit der neuen Saison mit dem Auswärtsspiel beim KAC los – was dürfen sich die 99ers-Fans erwarten?
Daniel Oberkofler: Wir spielen attraktives, schnelles Eishockey mit vielen Österreichern – und auch unsere Legionäre haben bisher einen guten Eindruck gemacht, auch wenn vielleicht die großen Namen fehlen. Das Wichtigste wird sein, dass wir Spaß haben – ohne Spaß kannst du keinen Erfolg haben. Was uns vielleicht etwas fehlt, ist Größe und Härte – so einen Tough-Guy, wie ihn die Grazer letztes Jahr mit Matt Pelech gehabt haben, der fehlt auf den ersten Blick …
Florian Iberer: Keine Angst, Dani – ich hab in der letzten Saison bei Reading einiges gelernt (lacht). Ich glaub auch, dass es besser ist, keine großen Saisonziele zu formulieren. Wenn wir jetzt sagen, dass wir Meister werden wollen, wäre das ja kompletter Schwachsinn.
Daniel Oberkofler: Zumal die Liga heuer brutal schwierig und ausgeglichen ist. Allein der Tausch Zagreb gegen Laibach sagt eigentlich alles. Dazu haben Teams wie Dornbirn massiv aufgerüstet.
Florian Iberer: Das Wichtigste ist, dass wir in Graz etwas aufbauen. In der letzten Saison hat man sich schon für die Play-offs qualifiziert, heuer hat man einen richtig starken österreichischen Stamm. Jetzt muss der nächste Schritt her – das wäre eben, dass man vielleicht einmal eine Play-off-Runde übersteht.

GEOPHO-2.jpg
Über den Dächern von Graz fühlen sich Florian Iberer und Daniel Oberkofler sichtlich wohl. Hoch hinaus will das Duo auch in der heurigen EBEL-Saison mit den Graz 99ers. Foto: geopho.com

Weekend: Nichts wird im österreichischen Eishockey schärfer und härter kritisiert als die Punkteregelung – ist sie wirklich der Untergang des heimischen Hockeys?
Daniel Oberkofler: Ich sehe die ganze Diskussion relativ simpel: Wenn du gut bist, spielst du, Punkteregel hin oder her. Uns ist damals auch nichts geschenkt geworden – deine Eiszeit musst du dir als Junger eben verdienen.
Florian Iberer: Für die jungen Spieler ist’s im Ausland ja noch härter. Bei uns hast du, eben durch die Punkteregelung, bis 24 Jahren quasi einen Freibrief – dadurch fehlt dir aber der Druck, den du einfach brauchst, um besser zu werden. Und das fehlt dir dann einfach, wenn du älter bist.


Weekend: Wie könnte man das österreichische Eishockey verbessern?
Florian Iberer: Die Ausbildung für Nachwuchstrainer gehört endlich reformiert – die ist jetzt zwar schon viel besser als früher, aber zu Top-Nationen fehlt da noch immer einiges. Natürlich muss dafür auch einmal Geld in die Hand genommen werden. Und dann muss auch die zweite Spielklasse endlich besser werden.
Daniel Oberkofler: Dazu muss natürlich auch die Legionärsanzahl verringert werden – jedes Jahr einer weniger. Den von vielen damit erwarteten Qualitätsverlust der Liga wird ja kaum ein Fan merken und nach ein paar Jahren hat sich das wieder eingependelt.


Weekend: Letzte Frage und damit weg vom Eishockey – was sind eigentlich eure Lieblingsplätze in Graz?
Florian Iberer: Ich liebe den Lendplatz und bin dort gerne frühstücken – das Flair dort ist einfach mörderisch.
Daniel Oberkofler: Schreib, die Merkur-Arena bei einem Sturm-Spiel – das ist momentan einfach der beste Ort.