Druckausgleich: Kritisches Filmexperiment

Der gebürtige Wolfsberger Johannes Rass hat gemeinsam mit seinen SchulkollegInnen einen Kurzfilm über die schwierige Selbstfindung auf die Leinwand gezaubert. Das Besondere: Der komplette Film spielt unter Wasser.

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Der Kärntner Ibrahim Aly spielt die Hauptrolle Foto: Maximilian Loibl, Jakob Gosch

Kürzlich feierte der Unterwasserfilm „Pressure“ seine Premiere im Schubertkino in Graz. SchülerInnen der HTBLVA Ortweinschule (Zweig Film und MultimediaArt) in der steirischen Landeshauptstadt haben sich als Filmschaffende ins Zeug gelegt und ein gesellschaftskritisches Werk auf die Leinwand geknallt, das dennoch Hoffnung für die Zukunft gibt. Der gebürtige Wolfsberger Johannes Rass ist Teil des Teams, das sich kreativ an dieses schwierige Thema gewagt hat. „Selbstfindung ist ein Thema, das junge Menschen schon immer beschäftigt hat. Wir sind aber der Meinung, dass es unsere Generation noch schwieriger hat, ihr wahres Ich und ihren Platz zu finden.“ Man sei eingezwängt zwischen den konformistischen und gesellschaftlichen Erwartungen auf der einen Seite und jenen der Modetrends, der Social Media und des Schulsystems auf der anderen Seite.

Abgetaucht

Zwischen dem Pulsieren der Stadt und dem Stillstand der Menschen sucht ein junger Mann nach seinem Platz in der Gesellschaft. „Pressure“ zeigt seine Reise vom drogenbeladenen Nachtleben bis zur ungerechten Musikszene. Doch überall, wo seine Suche ihn hinführt, stößt der Protagonist (gespielt vom Kärntner Ibrahim Aly) auf Verbote, Zwänge und Druck. Rapper Deff III erzählt die bewegende Story aus dem Off. Um den enormen Druck, der auf der Generation lastet, deutlich zu machen, haben sich die jungen Filmschaffenden dazu entschieden, den Streifen komplett unter Wasser zu drehen. Mit dem Schwimmbad der KPH Linz hat man einen engagierten Partner gefunden, der bereit war, ihnen ein Becken für fünf Tage zu überlassen. Mit speziell gebauten Unterwasser-Lautsprechern wurde die Kommunikation der Akteure unter Wasser sichergestellt. Neben einer klar definierten Zeichensprache waren auch zwei speziell ausgebildete Taucher vor Ort, die für die Sicherheit aller Teilnehmer sorgten. Den Aufwand hat das ambinionierte Team nicht gescheut.

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Der Wolfsberger Johannes Rass ist Filmeditor und Trompeter. www.johannesrass.at Foto: Maximilian Loibl, Jakob Gosch

Festivals

Und es hat sich ausgezahlt. Der auf diversen Festivals und Wettbewerben eingereichte Film wird unter anderem bei BeBop Channel Content Festival in New York, dem Lift-Off Session Festival in Los Angeles und den Prisma Rome Independent Film Awards zu sehen sein.

Mut machen

Am Ende des Experimentalfilmes klatscht der Protagonist am harten Boden der Realität auf und bleibt zurück ohne Antworten auf seine vielen Fragen. „Die Botschaft dahinter ist aber nicht, dass man den Kampf gar nicht erst aufnehmen soll. Wir wollen dazu animieren, eben nicht dem Druck nachzugeben, sondern weiter standzuhalten, auch wenn es gegen den Strom geht“, verrät der knapp 18-jährige Kärntner, der als Editor für die fesselnden Schnittbilder zuständig ist und den das Filmfieber so sehr gepackt hat, dass er auch an außerschulischen Filmprojekten mit einer Klagenfurter Produktionsfirma arbeitet. Sein Hörspiel „schuldICH“ erhielt sogar internationale Preise. Unter www.pressure.julianpixel.at kann man einen Blick hinter die Kulissen des aktuellen Films werfen.

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