Schwerstarbeit für die Leber

Die Faschingszeit naht und damit auch die recht „flüssigen“ Partys. Was dieser Ausnahmezustand für die Leber bedeutet und was es mit dem Katerfrühstück, Reparaturbier und anderen Mythen auf sich hat, verrät der Mediziner Franz Siebert.

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Wir klären rund um die Mythen Reparaturbier, Katerfrühstück und fettiges Essen verhindert Rausch auf Foto: katiafonti/iStock/Getty Images

Nach Weihnachten und Silvester stellen Faschingspartys nun unser fleißiges Entgiftungsorgan auf die Probe. Mediziner Franz Siebert warnt vor den Auswirkungen übermäßigen Alkoholkonsums und gibt Tipps für den problemlosen Faschingsschwips.

weekend: Wie viel Alkohol ist unbedenklich?
Franz Siebert: Experten unterscheiden bei übermäßigem Alkoholgenuss zwischen dem kurz dauernden - akuten - und dem chronischen übermäßigen Alkoholkonsum. Viele Menschen schätzen die gesundheitlich unbedenklichen Grenzen des Alkoholgenusses falsch ein: Ärzte empfehlen für Frauen nicht mehr als zwölf Gramm reinen Alkohol pro Tag - und das an maximal fünf Tagen pro Woche. Das entspricht pro Tag 100 Milliliter Wein oder einem kleinen Bier. Für Männer ist die Grenze etwa doppelt so hoch. Zwei alkoholfreie Tage in der Woche sollten unbedingt eingehalten werden.

weekend: Wie viel ist zu viel?
Franz Siebert: Personen, die zehn Jahre und länger täglich ab etwa 60 bis 70g Alkohol zu sich nehmen, müssen in 40 Prozent der Fälle mit der Entwicklung einer Leberzirrhose rechnen. Bei Frauen genügt bereits ein etwas niedrigerer Konsum.

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Franz Siebert, Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfacharzt für Gastroenterologie-Hepatologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit Foto: Helge Bauer

weekend: Welche Folgen hat das für unsere Leber?
Fanz Siebert: Durch vermehrte Fettablagerung in den Leberzellen kann eine Fettleber entstehen, die sich entzünden kann. Aus der chronischen Leberentzündung kann sich eine Leberfibrose entwickeln, die eine Leberzirrhose und Leberkrebs zur Folge haben kann.

weekend: Wie macht sich eine Fettleber bemerkbar?
Franz Siebert: Zu den Zeichen einer schweren Fettlebererkrankung und weiters Leberzirrhose zählen zunehmende Müdigkeit und Leistungsminderung, Juckreiz der Haut, feine Gefäßveränderungen (spinnenartig), zum Teil die Verhärtung der Sehnen der Finger (Dupuytren‘sche Kontraktur), verzögerte Blutungen bei Wunden, Zittern der Hände und auch andere geistige psychische Veränderungen sowie ,Gelbsucht‘ (z.B.: gelbe Verfärbung der Bindehaut)

weekend: Wie stehen die Heilungschancen?
Franz Siebert: Glücklicherweise hat die Leber große Fähigkeiten, sich selbst zu regenerieren, wenn schädliche Einflüsse minimiert werden. Die Fettleber kann durch Alkoholvermeidung vollständig rückgebildet werden, bei bereits bestehender Leberzirrhose kann die Erkrankung durchaus gebessert und stabilisiert werden.

weekend: Warum geht es uns nach längerdauerndem ausgeprägten Alkoholkonsum so schlecht?
Franz Siebert: Wenn wir Alkohol trinken, gelangt dieser durch unseren Verdauungstrakt ins Blut und wird dann im Körper verteilt. Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Fieber aber auch Gelbsucht, akute Bauchschmerzen und psychische Symptome treten auf und häufig ist diese akute alkoholische Schädigung auch mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung verbunden.

weekend: Was verursacht die akuten Beschwerden?
Franz Siebert: Einerseits ist die direkte toxische Alkoholschädigung (Bewusstseinsstörungen, Gastritis) und andererseits der relative Flüssigkeitsverlust durch vermehrte alkoholbedingte Harnausscheidung (Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen ) für die Beschwerden verantwortlich. Dazu kommt eine eventuelle Histaminüberdosierung bzw. -unverträglichkeit.

weekend: Wie lässt sich ein „Kater“ verhindern?
Franz Siebert: Die wichtigste Vorbeugung eines Katers besteht auf den Verzicht von größeren Alkoholmengen oder Pausen zwischen dem Konsumieren. Es sollten auch während des Alkoholgenusses und vor dem Schlafengehen größere Mengen alkoholfreier Flüssigkeit getrunken werden. Hier greift man am besten zu mineralhaltigem Wasser.

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Gerade in der Faschingszeit muss die Leber Schwerstarbeit leisten Foto: Kzenon/iStock/Getty Images
weekend: Wieso explizit Mineralwasser?
Franz Siebert: Durch die Alkoholwirkung kommt es zu einer vermehrten Flüssigkeits- bzw. Harnausscheidung mit vermehrtem Verlust von Mineralstoffen. Aus diesem Grund sollte man zu mineralhaltigem Wasser greifen.

weekend: Welche Rolle spielt der Genuss von fetthaltigen Mahlzeiten während des Alkoholkonsum?
Franz Siebert: Das kann von Vorteil sein, da das Fett die Alkoholaufnahme des Körpers verlangsamt, allerdings beschleunigen Zucker und Kohlensäure die Alkoholresorption. Letzteres ist auch die Ursache warum viele Cocktails und Alkopops schnell zu Katersymptomen führen können.

weekend: Bleiben also nur mehr Hausmittel wie das „Katerfrühstück“ bestehend aus Sauerkraut, Rollmops, Bismarckheringe und Ähnlichem?
Franz Siebert: Diese Speisen wirken eher indirekt, da sie zu einem vermehrten Durstgefühl führen und der Betroffene daher reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen muss. Eine wissenschaftliche Belegung gibt es für die Wirkung allerdings nicht.

weekend: Wie stehen Sie zum berühmten „Reparaturbier“?
Franz Siebert: Das „Reparaturbier“ oder die Weisheit „man soll dies weitertrinken womit man aufgehört hat“, verbessern nur die momentanen Symptome, verschieben aber die Probleme des Katers nur auf einen späteren Zeitpunkt. Sonst helfen nur symptomatische Mittel wie Medikamente gegen Kopfschmerzen, Kühlung des Kopfes, Magenschutzpräparate, Medikamente gegen Übelkeit und so weiter.