Vom Zug zum Tor – ÖFB-Goalgetter Marc Janko im Interview

Mit Basel den Meistertitel geholt, eben Vater einer Tochter geworden und beliebter denn je: Marc Janko surft auf der Erfolgswelle.

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Foto: Valery Sharifulin / Tass / picturedesk.com

Es sind nur noch wenige Wochen bis zur EURO. Spürst du die Anspannung schon?
Marc Janko:
Ich würde nicht von Anspannung sprechen, eher von Vorfreude. Die Zeichen stehen gut. Meine Verletzung ist ausgeheilt und die ganze Mannschaft ist sehr positiv für das erste Match gegen Ungarn gestimmt.

Ganz Österreich hat ja über die Gruppen- auslosung gejubelt. Stehen wir also eh schon im Achtelfinale?
Marc Janko: Na ja. Es ist keine ganz einfache Situation für uns. Einerseits wollen wir die Euphorie nicht töten, andererseits dürfen wir nicht schon vor Beginn in höheren Sphären schweben. Wir sind alle gut beraten, Schritt für Schritt zu denken. Unsere Gegner haben sich schließlich genauso qualifiziert wie wir – und haben auch über die Auslosung gejubelt.

Bei einem solchen Turnier ist jedes Spiel wie ein Endspiel. Worauf wird es ankommen?
Marc Janko: Es kommt sicher darauf an, gut zu starten, im ersten Spiel ein gutes Ergebnis abzuliefern. Bei einer EURO musst du auf den Punkt deine Leistung abrufen können. Ich glaube, dass die Mannschaft mental gut drauf ist und hoffe, dass wir überraschen können.

Du hast schon drei Teamchefs überlebt. Was macht dein vierter – Marcel Koller – besser als seine Vorgänger?
Marc Janko: Jeder Trainer hat seine Qualitäten. Was aber Marcel Koller besonders gut kann, ist, dass er jeden Spieler so anspricht, wie der das braucht. Darüber
hinaus hat er es geschafft, eine Einheit zu formen. Das geht einher mit der Konstanz, die er ins Team gebracht hat. Er hat auch in schwierigen Zeiten zu den Spielern gehalten.

Der Teamchef gilt als Taktik-Guru. Wie wichtig ist das bei einem solchen Turnier. Oder geht’s da mehr um Willensstärke?
Marc Janko: Die taktische Einstellung der Mannschaft kann sehr wohl den Unterschied ausmachen. Gerade bei der EURO wird man sehen, dass man nicht gegen jeden Gegner mit dem gleichen taktischen Konzept spielen kann. Bisher war es so, dass uns Koller auf jeden Gegner perfekt vorbereitet hat. Wir haben diese Vorgaben vielleicht nicht in jedem Spiel gleich gut umsetzen können.

Du hast in der Qualifikation sieben Tore erzielt. Liegt das daran, dass dir der Spielstil von Koller besonders liegt?
Marc Janko: Hauptsächlich liegt es daran, dass wir mit Marko Arnautovic und Martin Harnik brutal gute Außenspieler haben. Dazu kommen Leute wie Zlatko Junuzovich und David Alaba im Zentrum, die den Ball schnell in den Strafraum bringen können. Und dort liegen ja bekanntlich meine Stärken.

Apropos Alaba: Er wurde Fußballer des Jahres, wohingegen du trotz deiner wichtigen Tore in der Qualifikation unter „ferner liefen“ gelandet bist. Mögen die Österreicher keine Torjäger?
Marc Janko: Ich verstehe absolut, warum David so beliebt ist. Und ich bewundere, wie er mit dem Trubel um seine Person umgeht. Er ist ja einer der wenigen Weltstars, die wir in Österreich haben. Ich selbst definiere mich schon lange nicht mehr über solche Wahlen.

Beliebtheit ist dir also nicht wichtig?
Marc Janko: Natürlich wird man lieber gemocht als gehasst. Man ist mir lange Zeit relativ kritisch gegenübergestanden, aber mittlerweile hat sich das geändert. Ich bin froh, dass die Fans meine Leistung anerkennen. Ich bin halt nicht everybodys darling. Ich hab schon vor längerer Zeit gelernt, dass der Schlüssel zum Scheitern der ist, es allen recht machen zu wollen. Ich spiele nicht Fußball, um geliebt zu werden, sondern um Erfolg zu haben.

Viele meinen, du hättest einer der ganz Großen im europäischen Fußball  werden können. Würdest du heute so manche Entscheidung in deiner Karriere anders treffen?
Marc Janko: Man muss das in Relation sehen. Ich habe erst mit 21 Jahren den Sprung zu den Profis geschafft und bin erst mit 26 ins Ausland gegangen. Das ist relativ spät. Bis auf meinen Wechsel zu Trabzonspor war eigentlich alles richtig – das war allerdings ein Riesenfehler. Ich bin aber keiner, der Was-wäre-wenn-Szenarien bemüht, denn das führt zu nichts. Insgesamt bin ich mit meiner Karriere sehr zufrieden. Wenn man mir zutraut, dass ich es in höhere Sphären hätte schaffen können, freut mich das.

Du feierst am 25. Juni deinen 33. Geburtstag. Hast du einen besonderen Wunsch?
Marc Janko: (Schmunzelt) Weil ich den Spielplan verinnerlicht habe, weiß ich, dass da Achtelfinaltag ist. Mein größter Wunsch wäre also, dass wir meinen Geburtstag noch bei der EURO feiern können.