Ehrenamt: Österreichs wahre Helden

Es sind viele, die jeden Tag übermächtigen Gegnern ins Auge blicken: Armut, Krankheit, Unwetterkatastrophen, Leid und Tod. Dafür nehmen unsere Alltagshelden große Entbehrungen auf sich, stellen sich Extremsituationen und leisten schier Übermenschliches im Dienst der guten Sache.

Feuerwehr - Cover
Ehrenamt als Ehrensache: Zahlreiche Österreicher leisten Freiwilligenarbeit Foto: radion1/iStock/Thinkstock

Die Welt liebt und bewundert Helden. Vor allem im Kino. Ausgestattet mit Superkräften, perfekt gestylt und auf Hochglanz poliert, jagen die Avengers & Co. durch die Galaxie, liefern sich epische Materialschlachten mit fiesen Bösewichten und retten am Ende zumindest die ganze Menschheit. Alltagshelden hingegen müssen mit viel weniger Glamour auskommen – grundsätzlich und outfittechnisch. An die Stelle von chicen, figurbetonten Anzügen und Capes treten geprüfte, zertifizierte und unverwüstliche Einsatzkleidung, Schutzausrüstungen und Boots, Birkenstocks, Gummistiefel und – nicht zu vergessen – große rote Clownschuhe.

Nicht selbstverständlich

Krebspatienten, schwerkranke Kinder, Senioren und Menschen nach schicksalhaften Unfällen: Dass besonders im Spital Lachen dringend gebraucht wird, darüber spricht Martin Kotal, künstlerischer Leiter der 73 Rote Nasen Clowns in Österreich: "Wir bringen schöne, magische Momente in den Krankenhausalltag. Gute Erinnerungen bleiben für immer." Denn gesund sein ist eben keine Selbstverständlichkeit. Das wissen vor allem die 46.600 Ärzte und 100.000 ausgebildeten Pfleger, die in Österreich Tag und Nacht um das Leben von kranken, alten und verunfallten Menschen kämpfen und ihnen mit persönlichem Einsatz, Know-how und Zuwendung auch in schwersten Momenten zur Seite stehen. Auf keinen Fall vergessen werden dürfen an dieser Stelle eine Million Österreicher – davon 73 Prozent Frauen – welche die unverzichtbare und oftmals nicht wahrgenommene Aufgabe der Betreuung und Pflege von Angehörigen in den eigenen vier Wänden übernehmen.

Helferherz

Rund 19 Millionen Arbeitsstunden werden in Österreich pro Woche von Ehrenamtlichen geleistet. Die Bedeutsamkeit für die Gesellschaft und die Menschlichkeit wird angesichts dieser unglaublichen Zahl klar und lässt nur einen Schluss zu: Ohne Freiwillige wäre Österreich ein anderes Land. Das sieht auch Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer so: "Die Menschen müssten länger auf die Rettung warten und mehr Ältere wären einsam, Kinder aus benachteiligten Familien wären auf sich allein gestellt und Bedürftige hätten noch mehr Probleme. Den Freiwilligen kann man nicht oft genug Danke sagen."

Schlüssel zum Glück

Laut Sozialministerium engagieren sich 46 Prozent der österreichischen Bevölkerung in irgendeiner Form freiwillig, ohne für geleistete Arbeit Geld in Anspruch zu nehmen. Das Spektrum der Ehrenämter reicht von sozialen und kirchlichen Einrichtungen, bis hin zu Sport- und Kulturvereinen, Blaulicht-Organisationen oder Katastrophenhilfe und Nachbarschaftshilfe. Allein in der Caritas, einer der größten Freiwilligenorganisationen, engagieren sich 50.000 Österreicher ehrenamtlich: "All diese Menschen spenden das Wertvollste, das sie haben: ihre Zeit. Und all diese Menschen wissen, dass der Schlüssel zu einem geglückten Leben nicht darin liegt, sich nur um das eigene Glück, sondern auch um das Glück der anderen zu kümmern. Ohne ein Du wird keiner zum Ich", führt auch Caritas-Präsident Michael Landau aus.

Short Talk

Eva More-Hollerweger, Bereichsleiterin der Forschungsschwerpunkte NPOs und Zivilgesellschaft, an der WU Wien

Weekend: In welchen Bereichen ist das Ehrenamt wesentlich?

Eva More-Hollerweger: Im Sozialbereich engagieren sich Freiwillige häufig für Menschen, die es sich nicht leisten könnten, bezahlte Dienste in Anspruch zu nehmen, und wo auch der Staat kein entsprechendes Angebot finanziert. Im Kulturbereich würden viele Aktivitäten nicht stattfinden, wenn man zahlen müsste.

Stichwort - Rückgang der Freiwilligenarbeit.

More-Hollerweger: Für Österreich lässt sich kein signifikanter Rückgang erkennen. Freiwilligenarbeit verändert sich aber strukturell: Menschen sind nicht mehr bereit, sich lebenslang an eine Organisation zu binden, sondern engagieren sich lieber zeitlich befristet. Neue Formen des Engagements entstehen.