Gucci, Glamour, Größenwahn: Die First Ladys der Diktatoren

Hinter jedem Alleinherrscher steht eine ebenbürtige Gattin. Besonders tüchtig sind die besseren Hälften der Despoten im Geldausgeben.

Frau Cocktail Party
Zwischen Glamour und Größenwahn: First Ladys, die in Luxus schwelgen Foto: AbElena/iStock/Thinkstock

"Lady Di des nahen Ostens" nannte sie die Illustrierte "Paris Match", als "Rose der Wüste" feierte sie die amerikanische "Vogue", aber das war vor dem Bürgerkrieg, der nun schon in sein achtes Jahr geht. Asma al-Assad (43), die Frau des syrischen Staatspräsidenten Baschar al-Assad, hatte vor Beginn des Gemetzels eine wichtige Funktion im Gefüge des allmächtigen Familienclans. Sie repräsentierte das westlich orientierte, moderne Syrien auf dem Weg zur ­Demokratie. Und außerdem war sie Sunnitin, was für die Assads, die der Minderheit der Alawiten angehören, von ­großer propagandistischer ­Bedeutung war.

Erpresst?

Heute harrt Asma in Syrien aus, vermutlich lebt sie in den Bunkern des Präsidenten in Damaskus. Die Auslandsreisen nach London, wo sie vor ihrer Ehe am King’s College Informatik studiert hatte, fallen seit Langem flach. Die Opposition behauptet, dass die First Lady trotz des Bürgerkriegs einen luxuriösen Lebensstil fortsetzen würde. Aus gehackten E-Mails soll hervorgehen, dass Asma diversen teuren Plunder online einkauft oder schon mal einen Angestellten zum Einkaufen ins Luxuskaufhaus Harrods schickt. Zuletzt trat sie 2016 in einer russischen TV-Sendung auf, um ihrem Gatten ausführlich Rosen zu streuen, und im Vorjahr tröstete sie im regimetreuen Fernsehen die Mütter gefallener Assad-Soldaten. Sie sieht noch immer unverschämt gut aus. Was wirklich in ihr vorgeht, ist natürlich unklar. Manche Beobachter mutmaßen, dass sie sich nur deshalb nicht ins Ausland absetzt, weil ihr der Clan sonst die ­Kinder wegnehmen würde.

Kinder für Kim

Auch Ri Sol- ju (33), die Frau des Diktators Kim Jong-un, lebt in einem goldenen Käfig. Oberste ­Devise: bloß nicht in Ungnade fallen! Weder Prominenz noch ­Verwandtschaftsbeziehungen schützen in Nordkorea davor, abserviert zu werden. So ließ Kim 2013 seinen eigenen Onkel erschießen, der ihm in seiner Rolle als graue Eminenz zu mächtig geworden war. Auch seine verhaltensauffällige Tante hat Kim anscheinend schon beseitigt, was allerdings nicht offiziell bestätigt ist. Über Ri ist wenig bekannt, außer dass sie der Parteiprominenz entstammt und Sängerin war, als Kim ein Auge auf sie warf. Sie hat den Diktator 2012 ge­ehelicht und ihm mittlerweile drei Kinder geboren. Auffällig an ihr ist die sanfte Stimme und der Hang zu eleganter westlicher Mode und Dior-Handtaschen. Man kann davon ausgehen, dass es ihr auch sonst an nichts fehlt. Während das gemeine Volk hungert und friert, schwelgt die oberste Führungskaste in westlichem Luxus.

Die Frau des Sultans

Recep Tayyip Erdoğan kann man zwar (noch) nicht als lupenreinen Diktator bezeichnen, aber auch sein Lebensstil und der seiner Familie ist Lichtjahre von dem der Normalbevölkerung entfernt. Der Neo-Sultan residiert seit 2014 in einem monströsen 1.100-Zimmer- Präsidentenpalast in Ankara, dessen Bau den Steuerzahlern 491 Millionen Euro gekostet hat. Laut einem Artikel der Daily Mail würde der "Ak Saray" (Weißer Palast) dermaßen vor Gold und Marmor strotzen, "dass sogar Saddam errötet wäre". In der Türkei ist es ein offenes Geheimnis, dass der Präsident und AKP-Führer ein großes Vermögen angehäuft hat, über dessen Höhe er nichts verlauten lässt (nach ­inoffiziellen Schätzungen sind es mindestens 100 Millionen Euro). Nach außen hin tritt First Lady Emine Erdoğan (63) als Inbegriff islamischer Bescheidenheit auf. Inoffiziell gilt sie als recht ausgabefreudig, was Mode, Schmuck und Antiquitäten betrifft. In einem polnischen Antiquitätenladen soll sie schon mal 50.000 Dollar auf einen Schlag abgelegt haben und bei einem Staatsbesuch in Brüssel musste ein Kaufhaus abgesperrt werden, damit sie in Ruhe shoppen konnte.

"Disgrace" Mugabe

Auch Grace Mugabe (53), die Gattin von Simbabwes Ex-Langzeitpräsidenten Robert Mugabe liebt Shopping. So sehr, dass ihr die Bevölkerung des verarmten Landes die Spitznamen "Gucci Grace", "Grabbing Grace" oder schlicht "Disgrace" verpasste. Grace verprasst schon mal 128.000 Euro bei ­einem einzigen Einkaufsbummel in Paris und leistete sich in einem Jahr 12 Diamantringe, 95 Paar Luxus-Schuhe und eine Rolex um 90.000 Euro. Alles erwartete nach der Absetzung des 93-jährigen Mugabe im November, dass die First Lady wegen Veruntreuung von Staatsvermögen und Erschwindelung ihres Doktortitels vor Gericht landen würde. Aber nein. Wie auch der greise "Uncle Bob", den man mit einem "golden Hand­shake" in den bezahlten Ruhestand gelobt hat, bleibt sie unbehelligt. Nach dem Ableben ihres Gemahls darf sie bis an ihr Lebensende die Hälfte von Mugabes Präsidentengehalt weiterbeziehen. Auch das Privileg, den Regierungsjet für ihre Shoppingtouren zu nutzen, bleibt aufrecht. Die Boutiquen in Paris, Zürich und Singapur werden sich freuen.

Chantals Frisuren

Kameruns Präsident Paul Biya gehört zu den reichsten Staatschefs in Afrika mit einem geschätzten Privatvermögen von 200 Millionen US-Dollar, was mit den Ölressourcen des Landes zu tun hat. Präsidentengattin Chantal Biya (48) ist berühmt für ihre exzentrische Haargestaltung. Die First Lady widmet sich neben dem Repräsentieren auch dem sozialen Engagement. Keinen Spaß kannte sie allerdings, als ein Journalist aus Kamerun 2010 das Buch „Die Schöne aus der Bananenrepublik“ veröffentlichte, das Chantals Aufstieg aus einfachen Verhältnissen zur First Lady schilderte. Der Autor wurde umgehend eingesperrt.

3.000 Paar Schuhe

Keine verkörpert bis heute die Prunksucht der Despotie so sehr wie Imelda Marcos. Die ehemalige Gattin von Ferdinand Marcos – er war ab 1965 Präsident der Philippinen und regierte von 1972 bis zu seinem Sturz 1986 als Diktator – war berüchtigt für ihre Schuh-Manie. 3.000 Paar soll sie angeblich im Malacañang- Palast in Manila gebunkert ­haben. Ob es tatsächlich nur 1.060 Paar gewesen sind, wie sie später beteuerte, sei dahingestellt. Die Pflastertreter waren sowieso nur Peanuts. Ferdinand und Imelda Marcos gehörten zu den größten Kleptokraten der neueren Geschichte. Es ist nicht ganz klar, wie viel das Paar während Ferdinands Regentschaft gescheffelt und großteils außer Landes gebracht hat; schätzungsweise waren es zwischen 10 und 30 Milliarden Dollar.

Comeback

Erstaunlicherweise hat Imelda Marcos nicht nur ihre Rückkehr aus dem Exil in den USA geschafft, sondern sogar ein Comeback als Politikerin. Heute sitzt die 88-Jährige als Abgeordnete im Repräsentantenhaus der Philippinen, in das sie zuletzt 2016 wiedergewählt wurde. Wie kann das gehen? Eine unkonventionelle Erklärung dafür ist diese: Die Philippinen sind das Land der Soap Operas. Herz-Schmerz, Leidenschaft und Luxus flimmern unablässig über die TV-Schirme und Smartphones. Die Philippinos sind süchtig danach. Und Imelda Marcos ist quasi eine lebende Soap Opera. "Wenn du zu den Armen gehst", so lautet ein berühmter Imelda-Sager, "dann kleide dich nicht bescheiden. Die wollen doch, dass du als ­Million-Dollar-Woman daherkommst".