Die größten Verbrechen Österreichs

Der mutmaßliche Tatverdächtige aus Stiwoll, der am 29. Oktober zwei Menschen erschossen haben soll, ist nach wie vor unauffindbar. Über 300 Einsatzkräfte suchen seit dem vergangenen Sonntag nach dem 66-Jährigen, bis dato konnte aber nur das Fluchtauto sichergestellt werden. Stiwoll wurde Tatort eines tragischen Doppelmordes, der das ganze Land überschattet...

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Foto: iStock/Thinkstock

Kriminalfälle wie dieser (wir berichteten) sind jedoch leider keine Ausnahme – in der Geschichte Österreichs finden sich einige grausame Morde und andere Kriminalverbrechen, die mitunter weltweit für skandalöse Schlagzeilen sorgten. Wir haben für Sie einige der schrecklichsten Verbrecher der letzten Jahrzehnte portraitiert:

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Foto: Wilhelm Schraml / KURIER / picturedesk.com

Jack Unterweger

Der 1994 verstorbene Steirer gilt nach wie vor als einer der bekanntesten und brutalsten österreichischen Serienmörder. Jack Unterweger tötete mindestens zehn Frauen, wobei noch drei weitere Tötungsdelikte auf das Konto des Serienkillers gehen dürften. Sein erstes Opfer, die damals 18-Jährige Margret Schäfer, wurde im Dezember 1974 ermordet. Erst zwei Jahre später wurde Unterweger für den Mord angeklagt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Während seiner Haftzeit begann Unterweger zu schreiben, verfasste mehrere Kurzgeschichten und wurde zu einem gefeierten und hochgelobten Literaten. Als Paradebeispiel für einen resozialisierten Straftäter wurde Unterweger wegen guter Führung im Jahr 1990 vorzeitig entlassen. Er etablierte sich somit vom charmanten „Häfenliteraten“ zu einem gefragten Talkshow- und Partygast. Nur sechs Monate nach seiner Entlassung setzte er seine brutale Mordserie in Graz, Prag, Wien und Los Angeles fort. Im Februar 1992 wurde Unterweger zum zweiten Mal festgenommen und zwei Jahre später von einem Grazer Geschworenengericht wegen neunfachen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Nur wenige Stunden nach der Urteilsverkündung nahm sich Unterweger das Leben.

 

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Foto: AFP / picturedesk.com

Josef Fritzl

24 Jahre lang hielt „das Monster von Amstetten“ seine eigene Tochter in einem Kellerverlies seines Hauses gefangen. Josef Fritzl verging sich nicht nur unzählige Male an seiner Tochter, sondern zeugte außerdem sieben Kinder mit ihr, die er ebenfalls in seinem Keller verbarrikadierte. Das Verschwinden der damals 18-Jährigen begründete Fritzl mit dem Beitritt in eine Sekte, in der seine Tochter nun leben würde. Er ließ seine Tochter sogar Briefe schreiben, in denen sie den restlichen Angehörigen und Bekannten von ihrem neuen Leben berichtete. Fritzls Ehefrau und die Mutter der im Keller eingesperrten Tochter ahnte nichts von dem abartigen Doppelleben ihres Mannes. Selbst als Fritzl seine selbst gezeugten Kinder aus dem Verlies nahm, um sie aus platztechnischen Gründen in den oberen Stockwerken des Hauses großzuziehen, schien die Frau keinen Verdacht zu schöpfen. Erst im April 2008 kam die Wahrheit ans Licht, nachdem eines der Kinder ins Krankenhaus musste. Fritzl wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

 

 

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Foto: Repro / APA / picturedesk.com

Wolfgang Priklopil

Ein weiterer österreichischer Kriminalfall, der weltweit Aufsehen erregte, war der Fall „Natascha Kampusch“. Im März 1998 wurde die damals 10-Jährige Kampusch von Wolfgang Priklopil auf dem Weg zur Schule entführt. Priklopil hielt Kampusch mehr als acht Jahre lang in seinem Haus östlich von Wien gefangen. Während der ersten Jahre ihrer Gefangenschaft war Kampusch in einem versteckten Kellerzimmer eingesperrt, erst gegen Ende ihres Martyriums durfte sich Kampusch auch in den oberen Stöckwerken des Hauses aufhalten. Am 23. August 2006 gelang es Kampusch schließlich durch eine versehentlich offen gelassene Gartentür vom Grundstück ihres Peinigers zu fliehen. Noch am selben Tag beging Priklopil Suizid und warf sich vor einen fahrenden Zug.

 

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Foto: ALBERTO LANCIA / EPA / picturedesk.com

Estibaliz Carranza

Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann betrieb Estibaliz Carranza einen Eissalon in Wien-Meidling. Weil dieser nicht aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen wollte, erschoss Carranza ihren Ex, zerstückelte die Leiche mit einer Kettensäge und fror die Leichenteile in einem Kellerabteil unter ihrem Eissalon ein. Später betonierte sie die Leichenteile in Mörtelwannen. Ihren neuen Lebensgefährten ereilte dasselbe grausame Schicksal. Zwar meldeten Verwandte  den Ermordeten als vermisst, entdeckt wurde der grausige Fund jedoch zufällig, als ein Mieter die verdächtigen Mörtelwannen vorfand. Carranza konnte schließlich auf ihrer Flucht in Udine verhaftet werden und wurde 2012 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Im Sommer 2017 wurde Carranza in die Sonderanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher nach Asten verlegt.

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Foto: Hans Klaus Techt / APA / picturedesk.com

Franz Fuchs

Als Brief- und Rohrbombenattentäter sorgte Franz Fuchs zwischen 1993 und 1997 für Schlagzeilen. Seine rassistisch und völkisch motivierten Anschläge kosteten vier Personen das Leben, 15 Menschen wurden schwer verletzt. Die zum Teil tödlichen Briefbomben des Steirers waren unter anderem an österreichische Politiker wie Helmut Zilk oder Madeleine Petrovic, Journalisten oder die Caritas adressiert. Als Fuchs glaubte, im Zuge einer Verkehrskontrolle als Briefbombenabsender entlarvt worden zu sein, zündete er eine Rohrbombe – der Selbstmordversuch trennte ihm jedoch lediglich beide Hände ab. Im Februar 1999 wurde dem Briefbombenleger schließlich der Prozess gemacht. Der lebenslänglich verurteilte Fuchs beging ein Jahr später in seiner Zelle Selbstmord.

 

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Foto: iStock/Thinkstock

Alfred Engleder

Die Gewaltserie der „Bestie von Steyr“ begann im Jahr 1951. Der Frauenhassende Hilfsarbeiter Alfred Engleder ging bei seinen brutalen Morden immer nach dem gleichen Muster vor: Auf einem Rad fahrend näherte er sich nichtsahnenden Frauen und schlug sie mit einem schweren Hammer nieder, um sie anschließend zu vergewaltigen. Sechs Frauen fielen dem Gewalttäter zwischen 1951 und 1957 zum Opfer, zwei davon starben. Bei seinem letzten Attentat wurde er jedoch von einem Motorradfahrer überrascht und ergriff daraufhin die Flucht. Im Zuge einer Großfahndung wurde Engleder gefasst und im Jahr darauf zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. 1984 wurde Engleder entlassen und neun Jahre später von seiner damaligen Freundin ermordet.

 

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Foto: iStock/Thinkstock

„Die Lainzer Todesengel“

Zwischen 1983 und 1989 ermordeten die Krankenschwestern Waltraud Wagner, Irene Leidol, Stefanija Meyer und Maria Gruber mindestens 42 Menschen. Mittels Injektionen vergifteten die vier Hilfsschwestern ihre Patienten, andere wurden ertränkt. Verdacht geschöpft wurde allerdings erst, als die „Todesengel von Lainz“ bei einem eindeutigen Gespräch über den Mord eines Opfers von einem Arzt belauscht wurden. Während des Prozesses belasteten sich die vier Schwestern gegenseitig massiv, schlussendlich konnten ihnen aber „nur“ 42 Morde und fahrlässige Tötungen nachgewiesen werden. Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte aber weitaus höher gewesen sein. 1991 wurde das tödliche Quartett teilweise zu lebenslanger Haft verurteilt, mittlerweile leben aber alle vier Hilfsschwester unter neuem Namen an unbekannten Orten.

 

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Foto: HERBERT PFARRHOFER / APA / picturedesk.com
Elfriede Blauensteiner

Mittels Kontaktanzeigen suchte sich die spielsüchtige Elfriede Blauensteiner ihre wohlhabenden und pflegebedürftigen Opfer. Bevor sie ihre Opfer tötete, hatten diese Blauensteiner zuvor ihr Eigentum und Liegenschaften vererbt. Die dazu­ge­hö­ri­gen Testamente ließ sie von ihrem Rechtsanwalt fälschen. Mit einem gefährlichen Medikamentenmix machte die „schwarze Witwe“ ihre Opfer bewusstlos und ließ sie anschließend einen langsamen Erfrierungstod sterben. Dazu legte sie ihren Opfern eiskalte Handtücher auf und rief zum richtigen Zeitpunkt den Notdienst an, um den Verdacht von sich zu lenken. Im Jahr 1997 wurde Blauensteiner in einem Mordfall schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. 2001 folgten Anklagen in weiteren Mordfällen, zwei Jahre später starb Blauensteiner an den Folgen eines Gehirntumors.

 

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Bogumila W.

Um an das Vermögen zweier pflegebedürftiger Männer zu gelangen, vergiftete Pflegehelferin Bogumila W. zwei Pensionisten über Jahre hinweg mit kleinen Dosen Arsen. W. lebte mit den beiden Männer zusammen in einem Haushalt und arbeitete dort als Haushaltshilfe und Pflegekraft. Die Morde an den zwei Männern blieben beinahe unentdeckt – erst als die Tochter von einem der Männer Verdacht schöpfte, wurden die toten Körper exhumiert und toxikologisch untersucht. Dabei wurde eine abnorme Arsenkonzentration festgestellt. Auch wenn W. den Mord stets abstritt, wurde sie im November 2013 zu einer lebenslangen Haft verurteilt.